POLITIK
28/10/2018 22:44 CET | Aktualisiert 29/10/2018 08:45 CET

Merkel trifft Erdogan: Foto sorgt für Empörung

"Merkel rollt dem Diktator nicht nur den roten Teppich aus, sie hält auch seine blutige Hand."

Im Video oben seht ihr Szenen des Treffens und wie es zu dem Bild kam. 

Vier für den Frieden sollten es sein: Am Samstag traf Bundeskanzlerin Angela Merkel zusammen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Istanbul den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen russischen Amtskollegen Wladimir Putin

Sie wollten über den Friedensprozess im Bürgerkriegsland Syrien sprechen. Die Erwartungen waren gering, die Ergebnisse ebenfalls.

► Am Ende stand eine seltene Geste der Geschlossenheit: Als alles schon fast vorbei war, bat der Gastgeber noch einmal zu einem Gruppenfoto. Hand in Hand stand Merkel neben Putin und Erdogan. 

Es ist dieses Foto, das nun nicht nur in Deutschland für Kritik sorgt. Zunächst hatte die “Bild”-Zeitung darüber berichtet. 

Über Merkel-Foto: “Mir wird schlecht” 

► Die Hamburger Linken-Politikerin Cansu Özdemir schrieb auf Twitter mit Blick auf die autokratische Politik von Erdogan:

“Die Kanzlerin rollt dem Diktator nicht nur den roten Teppich aus, sie hält auch seine blutige Hand. Mir wird schlecht.“

► Auch Dirk Kunze, Leiter des Beiruter-Büros der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, schrieb empört auf Twitter: 

“Merkel hält die Hände von Kriegsverbrecher Putin und Diktator Erdogan, und schafft es nicht, die Rolle von Assad in Syrien zu benennen und dass Russland für den Wiederaufbau zahlen muss.”

► Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag, Michael Theurer, sagte der “Bild”-Zeitung: 

“Bilder sagen mehr als tausend Worte. Frau Merkel hat ihren innen- und jetzt auch noch ihren aussenpolitischen politischen Kompass verloren. Demonstrative Nähe zu Autokraten muss definitiv nicht sein.“

► Der polnische Präsident Andrzej Duda nannte das Foto einfach nur “bezaubernd”.

Mehr zum Thema: Wie die Welt vor dem Kriegsverbrecher Assad auf die Knie fällt

Merkel ist zufrieden – und Erdogan bombt 

Nach dem Gipfel zeigte sich Merkel jedenfalls zufrieden, weil “wir dem politischen Prozess ein bestimmtes Momentum, eine bestimmte Beschleunigung geben konnten”.

Schon am nächsten Tag zeigte sich aber, wie schwer sich der Friedensprozess in Syrien wiederbeleben lässt. Die Türkei bombardierte Stellungen der kurdischen YPG-Miliz im Norden des Landes.

Die Türkei sieht in den mit den USA verbündeten kurdischen Milizen in Nord-Syrien Terroristen – und damit einen Feind. Auch wegen der unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten kommt der Prozess für eine politische Lösung im dem Bürger- und Stellvertreterkrieg nicht voran. 

Mit Material der dpa.

(ben)