POLITIK
26/02/2018 16:23 CET | Aktualisiert 26/02/2018 16:38 CET

Teile und herrsche: Wie sich Merkel auf dem CDU-Parteitag ihre Macht gesichert hat

Demnächst spielen Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn Game of Thrones.

dpa
Schüttelt Angela Merkel hier ihrer Nachfolgerin im Kanzleramt die Hand?
  • Auf dem CDU-Parteitag haben sich die möglichen Merkel-Nachfolger Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn in Stellung gebracht

  • Merkel ist damit aus der Schusslinie - sie kann nun vier Jahre ungestört regieren, wenn die SPD mitmacht

Merkel lächelt, winkt, spaziert auf dem Podium hin und her.

Sie wirkt nach ihrer Rede auf dem CDU-Parteitag gelöst, als hätte sie den entscheidenden Zug einer monatelangen Schachpartie endlich hinter sich.

Die Debatte um ihre Nachfolge ist zu Ende. Und dass die GroKo kommt, liegt zumindest nicht mehr in ihren Händen, sondern am SPD-Votum.

Noch vor einer Woche war Merkel walking dead

Vor genau einer Woche hingegen war Merkel noch eine walking dead, politisch eine wandelnde Tote.

► Die CDU war im Zorn wegen des verlorenen Finanzministeriums in einer möglichen neuen Großen Koalition.

► Ein Zwergenaufstand von wenigen Merkelgegnern formierte sich, der ein Veto gegen die GroKo auf dem Parteitag ankündigte.

► Und es brodelte eine Nachfolgedebatte um die Kanzlerin und die Forderung, junges Personal in das Kabinett zu lassen.

All das hat Merkel im Keim erstickt, in dem sie erst die Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer völlig überraschend als neue CDU-Generalsekretärin vorschlug und daraufhin mit Jens Spahn noch ihren größten internen Kritiker im Kabinett als Gesundheitsminister positionierte.

Kronprinzessin vs. Reservekanzler

Kramp-Karrenbauer gilt als Kronprinzessin, Spahn für etliche Beobachter als Reservekanzler.

Merkel erwies sich mit diesen Personalien wieder einmal als Meisterin im politischen Taktieren. Denn Merkels entscheidender Schachzug funktioniert nach dem Prinzip Divide et impera, teile und herrsche. 

Er ist ein Befreiungsschlag für vier weitere Regierungsjahre, sollten die Sozialdemokraten der GroKo zustimmen.

Denn während sich Kramp-Karrenbauer und Spahn um die Thronfolge in der CDU beharken, sozusagen Game of Thrones spielen, kann Merkel in Ruhe an ihrem Vermächtnis arbeiten, mit dem ihre Kanzlerschaft in die Geschichtsbücher eingehen soll.

Frei von einer unangenehmen Personaldebatte um ihre Person, frei von Angriffen des konservativen Parteiflügels, der Merkel schon in den vergangenen Jahren oftmals die Show stahl.

Querschüsse von Spahn?

Etwa auf dem Parteitag im Dezember, als gegen den Willen der Kanzlerin der Parteitag für den Doppelpass stimmte.

Nun können ihr nur noch die Sozialdemokraten in die Parade fahren, wenn das Mitgliedervotum am kommenden Sonntag gegen die GroKo ausgeht.

Manche in CDU halten Spahn zwar für klug genug, sich mit Querschüssen zurückzuhalten - schließlich unterliegt er nun der Kabinettsdisziplin.

Mehr zum Thema: Kramp-Karrenbauer bringt Merkels langersehnten CDU-Frieden – aber er ist brüchig

Nicht wenige aber glauben, dass es sich der als ungeduldig geltende Spahn kaum verkneifen werde, ab und an ein profilbildendes Gerangel mit der neuen Parteimanagerin Kramp-Karrenbauer anzuzetteln.

Das könnte der Partei am Ende mehr schaden, als den beiden lieb sein könnte - Merkel jedenfalls muss das nicht mehr kümmern.

Sie ist aus der Schlusslinie, wenn die GroKo kommt. 

Merkel ist aus der Schusslinie, wenn die GroKo kommt

Auf dem Parteitag ließ sich der erste Nahkampf zwischen Kramp-Karrenbauer und Spahn schon beobachten. 

Zu Beginn ließ die Kanzlerin keinen Zweifel daran, wen sie als ihre Nachfolgerin sieht.

► Es dauerte keine fünf Minuten in ihrer Rede, da fiel Kramp-Karrenbauers Name.

“Sie hat gekämpft gegen die rot-rot-grünen Blütenträume”, sagte die Kanzlerin. “Das war ein echter Knaller.”

► Für Spahn war erst am Ende der Rede Platz.

Erst nach über einer Stunde, als die Kanzlerin ihren künftigen, möglichen Ministern gratulierte, nahm sie Spahns Name in den Mund, obendrein mit einem Versprecher und ohne ein einziges Wort Lob.

In ihren Reden gaben sich beide kämpferisch. 

Kramp-Karrenbauer bekam während ihrer halbstündigen Bewerbungsrede als Generalsekretärin frenetischen Applaus wie sonst niemand vor ihr, auch die Kanzlerin nicht.

► Die CDU müsse Antworten auf die Fragen liefern, die die Menschen umtreiben. Antworten für den Unternehmer, für die Mutter, für den Arbeitnehmer, listet AKK auf.

► Sie kündigt an, wieder um die Stimmen zu kämpfen, die man an AfD und FDP verloren habe.

► Die AfD habe “nichts, aber auch gar nichts” mit der bürgerlich-konservativen Tradition der CDU zu tun, weil sie Menschen nicht als Individuen wahrnehme.

dpa

Auch die Kanzlerin klatschte begeistert.

Spahn blieben in der Aussprache drei Minuten.

 “Wir können jetzt Wunden lecken, oder wir können jetzt sagen, wir machen was draus”, sagte er. 

Die CDU müsse Vertrauen zurückgewinnen - “im Team mit Merkel an der Spitze”.

Gefühlt steht es an diesem Parteitag 1 : 0 für die Kronprinzessin. Sie war der Star des Parteitags - und überstrahlte gar die Kanzlerin.

(ben)