POLITIK
06/12/2018 19:57 CET

Merkel und das Internet: Sie benutzt ein Wort, das die "New York Times" begeistert

Für die Amerikaner war das wohl Neuland.

Reuters
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel hat kürzlich bei einer Rede vom “Shitstorm” gesprochen. 
  • Die “New York Times” widmete Merkel und ihrer Verwendung des Wortes gleich einen ganzen Artikel. 

Manche verteufeln sie, manchen sind sie gleichgültig. Sicher ist nur: Sie haben sich in unsere Sprache eingeschlichen. Gemeint sind die Lehnwörter. Also Wörter aus einer fremden Sprache, die in der eigenen benutzt werden. 

Angela Merkel lieferte am Dienstag ein Beispiel dafür. Sie sprach von einem “Shitstorm”, jener Sturm der Entrüstung, der sich gerne mit unzähligen Hasskommentaren im Internet zeigt. 

Merkel sprach bei einer Technologiekonferenz über den “Shitstorm”, den sie erfahren habe, als sie vom Internet als “Neuland” sprach. Das war 2013, fünf Jahre später führt die Kanzlerin also selbstbewusst einen Terminus der sozialen Medien an. 

Die “New York Times” hat Merkel und dem “Shitstorm” einen ganzen Artikel gewidmet. Denn: Die US-Amerikaner finden es faszinierend, dass wir Deutschen uns Wörter aus dem Englischen klauen.

Merkel und der “Scheißsturm” 

Die Zeitung sprach auch mit Anatol Stefanowitsch, einen deutschen Sprachwissenschaftler, der an der FU Berlin lehrt. 

“Ich bin sicher, dass sie keine direkte deutsche Übersetzung verwenden würde”, erklärt Stefanowitsch der “New York Times”. “Aber sie kann ein solches Wort im Englischen benutzen, weil es nicht die Assoziationen mit sich führt, die im Laufe der Zeit in der Originalsprache gewachsen sind.”

Von einem “Scheißsturm” würde Merkel wohl wirklich nicht sprechen wollen.

Wie kam der “Shitstorm” zu Merkel?

Die Autorin des Artikels spekuliert dann noch, wie es der “Shitstorm” ins Deutsche geschafft hat.

Haben sich eifrige Leser des Schriftstellers Günter Grass den “Shitstorm” vom US-Schriftsteller John Irving abgeschaut, der das Wort im Zusammenhang mit einem Skandal von Grass 2006 benutzte? Oder haben die Deutschen in den sozialen Medien den “Shitstorm” kennengelernt?

Letzteres ist wahrscheinlicher.

Am Ende des Textes zitiert die “New York Times”-Autorin dann noch einen Twitter-Nutzer, der darauf hinweist: Die Amerikaner würden ja auch “Schadenfreude” sagen.