POLITIK
27/12/2017 21:18 CET | Aktualisiert 28/12/2017 09:01 CET

Renommiertes Magazin zählt Merkel zu den Verlierern des Jahres

Die Begründung fällt knapp aus.

Michael Dalder / Reuters
  • Angela Merkel wird von dem Politikmagazin “Politico” zu einer der Verliererinnen des Jahres gekürt
  • Ein weiterer Abgesang auf die Bundeskanzlerin, der an der tristen deutschen Realität vorbeigeht

Angela Merkel symbolisiert den Absolutismus der deutschen Genügsamkeit. Wenn es eine deutsche Leitkultur gibt, dann findet diese ihre Vollendung in der Bundeskanzlerin: beständig, langatmig, einfach. Und einfach: da. 

Zwölf Jahre lang haben die Deutschen immer wieder zu ihrer Kanzlerin gefunden. Sie brauchten in der Politik nicht viel mehr als Merkel

Doch jetzt ist das Land im Wandel begriffen. Die AfD hat das politische Tableau ins Wanken gebracht. Die Kanzlerin allein reicht als stabilisierende Kraft nicht mehr aus; die Hälfte der Deutschen spricht sich laut einer Umfrage für einen vorzeitigen Abgang Merkels aus. 

Die Frau, die im Ausland oft als “Königin Europas”, als “Ewige Kanzlerin” gilt, die 2015 vom Magazin “Time” zur Person des Jahres gekürt wurde, sie verliert mit einem Mal ihren genügsamen Zauber. 

► Und wird so vom renommierten Politikmagazin “Politico” zu einer der Verliererinnen des Jahres gezählt. 

Merkel im “Hausmeister-Modus”

Die Begründung des Magazins fällt kurz aus.

Merkel sei die liberale Alternative zum US-Präsidenten Donald Trump, die Reservistin für den Platz als Anführerin der freien Welt – und doch habe sie es nicht geschafft, die Gunst ihrer Wähler bei den Bundestagswahlen im September zu gewinnen.

Eine Wahl, die Merkel zwar für sich entschieden habe, bei der sie jedoch so viele Stimmen abgegeben habe, dass sie sich nun abmühe, überhaupt eine Regierung zu bilden. Merkel, so stellt es “Politico” dar, sei verdammt zu einer Neuauflage der Großen Koalition – für das Magazin ein Merkmal des Scheiterns. 

Das Fazit: “Während sich das Jahr 2017 dem Ende zuneigt, humpelt Merkel im Hausmeister-Modus voran.”

Mehr zum Thema: “Dornröschen Europas”: So hart rechnet der “Economist” mit Kanzlerin Angela Merkel ab

Das Merkel-Dilemma

Es ist nicht die erste Abrechnung mit der Bundeskanzlerin.

In der Flüchtlingskrise wurde ihr ihr Ende prophezeit, zuvor sah man sie in der Finanzkrise als überfordert an. Jetzt soll die AfD der Totengräber der Ära Merkel sein. 

Es gehört zum deutschen Dilemma, dass jeder Abgesang auf Angela Merkel verfrüht ist.

Die Kanzlerin versperrt mit ihrer Wirkmächtigkeit den Blick auf die Probleme und Sorgen dieser Welt – und gibt sie ihn doch einmal frei, so scharrt sich um sie eine Menge der Fürchtenden. 

Die berühmte “German Angst” hat Merkels Macht begleitet und bedeutet. Sie ist und bleibt die einzige deutsche Politikerin von Weltformat, die dieser Angst wirksam begegnen kann. 

Nicht, indem sie sie besiegt. Sondern indem sie sie nutzt. 

Alternativlos

So stützt sich die Legende der alternativlosen Merkel. 

Das zeigt sich umso mehr an der zweiten Person aus Deutschland, die es auf die Verlierer-Liste von “Politico” geschafft hat: Dem SPD-Vorsitzenden Martin Schulz

Angetreten, die deutsche Lethargie zu durchbrechen, versank er, kurze Zeit Wellen schlagend, wie ein Stein in ihr. Schulz kämpft jetzt um sein politisches Überleben

Das einzige Rettungsboot in Sicht: Angela Merkel. 

(lp)