POLITIK
05/12/2018 18:14 CET

Merkel: "Forbes" kürt sie zur mächtigsten Frau der Welt – mit zweifelhafter Begründung

"Merkel bleibt de facto die Anführerin in Europa." Aha.

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Angela Merkel beim G20-Gipfel. 
  • Angela Merkel ist für das US-Magazin “Forbes” die mächtigste Frau der Welt. 
  • Die Begründung aber lässt viele Fragen offen. 

Das US-Magazin “Forbes” hat Bundeskanzlerin Angela Merkel zur weltweit mächtigsten Frau des Jahres gekürt. Zum achten Mal in Folge. 

Die mächtigste Frau der Welt? Dabei war das vergangene Jahr vor allem eine Demonstration Merkels Machtlosigkeit. Die ungeliebte GroKo – nachdem die “Jamaika”-Sondierungen unter Merkels Regie scheiterte –, die zahlreichen Regierungskrisen, ihr baldiger Abtritt von der Parteispitze. 

Warum also ist Angela Merkel für “Forbes” noch immer die mächtigste Frau der Welt? Für die Liste berücksichtigt das US-Magazin unter anderem Vermögen, Medienpräsenz und Einfluss der jeweiligen Frauen.

In dem Steckbrief für Merkel heißt es, die Politikerin aus der Uckermark sei im November als Parteivorsitzende der CDU zurückgetreten. Das wird allerdings erst an diesem Wochenende am Parteitag passieren. Hier hat “Forbes” die Merkel also schon entmachtet. 

Das entscheidende Argument für die deutsche Kanzlerin ist für “Forbes” wohl:

“Merkel bleibt de facto die Anführerin in Europa, sie führt die größte Volkswirtschaft des Kontinents an, nachdem sie Deutschland durch die Finanzkrise und zu neuem Wirtschaftswachstum geführt hat.”

Merkel, die lahme Ente

Man könnte einwerfen, dass der französische Präsident Emmanuel Macron der Bundeskanzlerin diesen Rang als Nummer eins in Europa abgelaufen hat. Aber nach einer Staatskrise durch Proteste gegen gestiegene Benzinpreise wäre auch das eine gewagte These. 

Das Argument von “Forbes” mag einleuchten, in Europa jedenfalls ist kein Regierungschef in Sicht, der mächtiger wäre als Merkel. Aber auch in Brüssel, so berichteten es verschiedene Medien, gelte die deutsche Regierungschefin bereits als “lahme Ente”, als machtlose Anführerin. 

Die folgenden Stichpunkte im Steckbrief von Merkel lesen sich dann auch, als wäre auch “Forbes” durchaus bewusst, dass Merkels Position als mächtigste Frau der Welt umstritten ist.

Merkels Erbe entscheidet sich nun 

Ihre Regierungskoalition sei unbeliebt, als Probleme komme der Brexit und die zunehmende Ablehnung von Migranten in Europa hinzu, heißt es. “Die große Frage, die sich die Öffentlichkeit jetzt stellt, ist, wer und was nach dem Ende der Amtszeit von Merkel kommen wird”, heißt es am Ende. 

Richtig. Denn ob Merkel, wie angestrebt, ihre Kanzlerschaft bis 2021 fortführen kann oder bereits vorher gestürzt wird: Das wird entscheiden, wie die letzte Periode von Merkel in Erinnerung bleiben wird. 

Wird die Bundeskanzlerin ihren Abgang von der politischen Bühne selbst bestimmen können? Oder wird sie sich als so machtlos erweisen wie in den vergangenen Monaten? 

“Forbes” hat sich dafür entschieden, ihr einen Vertrauensvorschuss zu geben. Ein Blick auf Platz zwei der Liste mit den 100 mächtigsten Frauen zeigt, dass das Wohl zur Methode des US-Magazins gehört. Auf Merkel nämlich folgt die britische Premierministerin Theresa May, die gerade im Parlament bangt, ob sie ihren Brexit-Deal durchbekommt. Schafft sie das nicht, wäre auch sie eine lahme Ente.