POLITIK
19/02/2018 17:54 CET | Aktualisiert 20/02/2018 08:25 CET

Kramp-Karrenbauer bringt Merkels langersehnten CDU-Frieden – aber er ist brüchig

HuffPost These.

TOBIAS SCHWARZ via Getty Images

Kurz erinnert sich Angela Merkel nicht mehr an die Zeit vor ihrer Kanzlerschaft.

“Die erste Frau in diesem Amt” nannte sie Annegret Kramp-Karrenbauer bei einer Pressekonferenz in Berlin.

Die saarländische Ministerpräsidentin – oder AKK, wie sie auch genannt wird – soll CDU-Generalsekretärin werden.

Merkel vergaß, dass sie diese Stelle auch schon einmal innehatte. Vor der Jahrtausendwende.

Es ist aber auch verdammt lange her.

Die Partei giert nach personeller Erneuerung – über Jahre hat sich nicht viel an den Spitzenpositionen der CDU verändert.

Nun befindet sich die Partei in einem zweiten, kleinen Frühling.

Diesen Eindruck kann man jedenfalls gewinnen, wenn man auf die Reaktion auf Kramp-Karrenbauer schaut.

Everybody’s Darling

► Lange applaudierten die Mitglieder des CDU-Präsidiums, als Merkel ihre Entscheidung verkündete.

Jens Spahn, prominentester Sparringspartner der Kanzlerin, sprach von einem Schritt, der die Flügel befrieden könne.

► Sogar der ultrakonservative und -unzufriedene Flügel der Werte-Union begrüßte die Überraschung aus Berlin.

Denn Kramp-Karrenbauer ist über die Flügel hinweg beliebt. Sowohl das Merkel- wie auch das Spahn-Lager kann sich bei ihr wiederfinden.

► Jenen, die eine programmatische Erneuerung fordern, verspricht Kramp-Karrenbauer eine “Grundsatzdebatte” über das neue Parteiprogramm, das in zwei Jahren fertig sein muss.

► Und jene, die einen Rechtsruck in der CDU fürchten, sehen in der Saarländerin eine gemäßigte und pragmatische Politikerin, deren politischer Stil Merkel ähnelt.

AKK bringt den Palastfrieden – aber er ist brüchig

Die Palastrevolution, die sich in den vergangenen Wochen immer stärker ankündigte, hat Merkel damit vorerst abgeblasen.

Sie hat es geschafft, den Unmut und die Kritik an ihr mit den Hoffnungen und Erwartungen an Kramp-Karrenbauer zu übertönen.

Die Frage aber ist, wie lange diese Freude anhalten kann. Denn die CDU steht tatsächlich vor gewaltigen Problemen.

► Unter den Konservativen der Partei hat sich über die Merkel-Jahre viel Ärger angestaut. Wer auf eine Revolution hofft, den wird Kramp-Karrenbauer enttäuschen – dafür ist sie zu sehr in der Mitte der Partei verankert.

Und was Kramp-Karrenbauer genau unter Erneuerung versteht, muss sie noch klar machen. Sicher nicht, dass aus der CDU eine zweite CSU wird.

► Hinzu kommt, dass die CDU nach wie vor keine funktionierende Antwort auf der Erfolg der AfD gefunden hat. Die Partei steigt in Umfragen, konkurriert wie keine andere um die Wählerschaft der Konservativen.

In ostdeutschen Bundesländern wollen die Rechtspopulisten der AfD die CDU gar von der Macht ablösen. Die CDU hat keine zwei Jahre Zeit, darauf eine Antwort zu finden – sie braucht sie eigentlich schon heute.

► Und dazu kommt, dass die CDU nach wie vor eine viel zu alte Partei ist. Der Altersschnitt liegt mit 60 Jahren weit über dem der Bevölkerung. Wenn Kramp-Karrenbauer die Partei tatsächlich fit machen will für die Zukunft, muss sie auch Jüngere einbinden.

AKK muss sich gegen Merkel durchsetzen

All diese Probleme kann Kramp-Karrenbauer nicht alleine lösen – sie braucht dafür nicht nur die Unterstützung der Kanzlerin. Sie muss sich auch gegen Merkel durchsetzen.

Ob sie dafür genügend Biss hat, wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.

Wenn nicht, bleibt alles beim Alten – und der zweite Frühling der CDU wird sehr schnell wieder vorbei sein. Schneller, als es Merkel lieb sein kann.

(ll)