POLITIK
22/07/2018 08:18 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 13:47 CEST

Merkel beim Nato-Gipfel: Dieses Bild der Kanzlerin ist eine Schande

Was dachte sich die Kanzlerin?

  • Kanzlerin Merkel hat beim Nato-Gipfel vor rund zehn Tagen einem türkischen Extremisten die Hand gegeben.
  • Nun sorgt das Bild für Wirbel – zurecht.

Es war nur ein kurzer Moment, aufgenommen von Kameras der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu. Ein Moment, der nun aber für Empörung sorgt. Spätestens seit die “Zeit” der Szene am Samstag eine ausgiebige Analyse widmete.

Bundeskanzlerin Angela Merkel trägt einen blauen Blazer, es ist Mittwoch der vergangenen Woche, Nato-Gipfel in Brüssel. Im Hintergrund steht der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Wenige Sekunden später wird sie mit ihm für die offiziellen Fotos posieren – ein Handschlag für die Kameras.

► Doch in diesem Moment – dem so umstrittenen Moment – gibt Merkel einem anderen die Hand: Der Mann – graues schütteres Haar, dunkler Anzug – ist Cemal Cetin.

Cetin, Teil der Erdogan-Entourage bei diesem Gipfel-Treffen, ist Chef des Dachverbandes der Grauen Wölfe in Europa, jener ultranationalistischen türkischen Organisation, die der deutsche Verfassungsschutz als extremistisch einstuft und beobachtet.

Erdogans gezielte Provokation?

Cetin sitzt für die MHP im türkischen Parlament. Die Rechten koalieren mit Erdogans AKP. Die MHP gilt als Sammelbecken für politische Brandstifter, sie steht für einen unnachgiebigen Kampf gegen die kurdische Minderheit im Land, für panturkistische Großmachtfantasien.

Der außenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Omid Nouripour, sagte dem Hessischen Rundfunk zu dem Händedruck der Kanzlerin, er sehe hier eine gezielte Provokation der türkischen Seite. Sie wolle die MHP international “hoffähig” machen.

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Zwar könne sich die Kanzlerin nicht aussuchen, wem sie in einer ausländischen Delegation begegnet. “Aber umso wichtiger ist es, dass sie die Probleme der deutschen Politik mit der extremistischen Haltung der Grauen Wölfe offen anspricht.”

Bundesregierung verurteilt die Grauen Wölfe

Ob Merkel das tat, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, ob die CDU-Chefin wusste, wem sie in Brüssel die Hand gab.

Einem Vertreter einer Bewegung, über die die Bundesregierung selbst schreibt, sie betreibe eine ”Überhöhung der türkischen Ethnie, Sprache, Kultur und Nation”.

► Ihre Ideologie sei “wesentlich von Feindbildern und Verschwörungstheorien geprägt”, heißt es in einer Antwort auf eine Kleinen Anfrage der Linken.

Und weiter: “Das Spektrum der ‘inneren’ und ‘äußeren’ Feinde reicht dabei von den Kurden, Griechen und Armeniern bis zu den Juden, von den Europäern über die Chinesen bis zu den USA und dem Vatikan.”

Für Merkel war es ein Moment der Schande. 

(ujo)