POLITIK
22/12/2018 09:43 CET

Merkel als Vorbild? Das sagt Grünen-Chefin Annalena Baerbock

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Tristar Media via Getty Images
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Grünen-Chefin Annalena Baerbock bei einem Treffen vor zwei Monaten. 

Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat sich in einem Interview zur Vereinbarung des Berufs als Politikerin mit ihrer Elternrolle geäußert – und dabei auch über Bundeskanzlerin Angela Merkel gesprochen. 

► Baerbock bezeichnete es im Gespräch mit dem “Spiegel” als “kompliziert”, das Familienleben mit dem Beruf zu vereinbaren: “Aber ich will, dass Frau­en in die­sem Land je­den Job ma­chen kön­nen, egal ob sie Kin­der ha­ben oder nicht.” 

► Auf die Frage des “Spiegels”, ob dahingehend Angela Merkel ein persönliches Vorbild sei, antwortete Baerbock:

“Jein. Po­li­tisch hät­te ich sehr viel an­ders ge­macht. Und es wäre gut ge­we­sen, wenn sie die Fe­mi­nis­tin nicht jetzt erst aus­pa­cken wür­de, auf den letz­ten Me­tern im Amt. Aber wie sie die­se tes­to­ste­ron­ge­steu­er­ten Run­den und die vie­len An­grif­fe und Spit­zen auf sich als Frau aus­hält, da­von kann man ler­nen.”

In welchen Momenten Baerbock Merkel Respekt abringt: 

Baerbock lobte ausdrücklich, wie Merkel auf der internationalen Bühne auftrete – etwa, wenn Russlands Präsident Wladimir Putin der Kanzlerin Blumen in die Hand drücke und diese die einfach cool wegpacke. 

“Da den­ke ich: Re­spekt, wie läs­sig! Ich selbst hät­te wahr­schein­lich auf­pas­sen müs­sen, ihm den Strauß nicht vor den Latz zu knal­len”, sagte die Grüne. 

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Was Baerbock über ihre Rollen als Politikerin und Mutter sagte: 

Baerbock sprack konkret zwei Problemfelder an, die sie im politischen Alltag erlebe: 

1. Die Bedeutung der politischen Verantwortung für das Familienleben: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei für Frauen noch immer eine Herausforderung, sagte Baerbock – das sei auch im Bundestag so. Man verpasse oft sehr spontan Momente, die man mit den Kindern verbringen wolle. Aber: “Es gibt Tage, die ge­hö­ren den Kin­dern, kom­me, was wol­le.”

2. Hass und Hetze, denen Politikerinnen ausgesetzt seien: Sie sei erschreckt, wie viel Aggressivität es in der Gesellschaft gebe, die sich vor allem im Netz Bahn breche, sagte Baerbock. Sie lasse vieles nicht an sich heran – doch wenn etwa die eigene Adresse im Netz stehe oder die Kinder erwähnt würden, mache das Sorgen. Baerbock sagte jedoch auch: “Wir dür­fen nicht zu­las­sen, dass so das de­mo­kra­ti­sche Ge­spräch ver­stummt.”

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(ujo)