POLITIK
04/08/2018 10:54 CEST | Aktualisiert 04/08/2018 10:58 CEST

Merkel als "Anführerin der freien Welt"? "Breitbart" wittert Verschwörung

Die rechte Nachrichtenseite ist empört.

Bloomberg via Getty Images
Angela Merkel und Donald Trump.
  • Die bekannte neurechte Seite “Breitbart” ist wütend auf Google, Wikipedia und Angela Merkel.
  • Der Grund: Die Kanzlerin wird auf den Portalen als “Anführerin der freien Welt” geführt.

Im US-Wahlkampf wurde “Breitbart News” auch international bekannt: Nicht wenige Experten sahen in der rechten Nachrichtenseite einen der wichtigsten Treiber für den Wahlerfolg Donald Trumps.

Mit fragwürdigen Meldungen über kriminelle Einwanderer, Minderheiten und Trump-Konkurrentin Hillary Clinton zündelte “Breitbart” bewusst im rechten Milieu. “Breitbart”-Ikone Steve Bannon wurde kurz nach der Wahl von Trump zum Chefstrategen ernannt. Mittlerweile haben sich die beiden überworfen.

► An der Strategie von “Breitbart” hat das wenig verändert.

Noch immer versucht die rechte Seite, die Narrative der Neuen Rechten in den USA in den Diskurs des politischen Mainstreams zu tragen. Am Freitag startete “Breitbart” dazu auch eine Attacke auf die deutsche Kanzlerin Angela Merkel.

 

Google, Wikipedia und die Merkel-Verschwörung

“Google ernennt Angela Merkel zur Anführerin der freien Welt”, gab sich die Nachrichtenseite empört. 

Breitbart

Die Geschichte dahinter ist schnell erklärt: Sucht man in den USA die Phrase “Anführer der freien Welt” zeigt Google nicht etwa ein Bild des US-Präsidenten, der zumindest in den USA traditionell als “leader of the free world” bezeichnet wird, sondern ein Bild der deutschen Bundeskanzlerin.

Wie “Breitbart” korrekt erklärt, liegt das am “Wikipedia”-Eintrag zu “Free World”, der in einem eigenen Abschnitt auf Angela Merkel eingeht.

Diese war in der Vergangenheit von Medien wie der “Time”, “Independent”, CNN und der “New York Times” mit dem Titel in Verbindung gebracht worden. 

Dennoch wittert “Breitbart” eine Verschwörung.

Ein diplomatisches Dilemma?

“Es sagt mehr über die Voreingenommenheit der Medien als über Merkel selbst. Ihre Dominanz über die deutsche Politik steht am Rande des Zusammenbruchs”, heißt es so in dem Artikel.

Breitbart
Diesen Screenshot präsentiert "Breitbart".

 

Dass Merkel die fragliche Rolle als globale Anführerin in der Vergangenheit explizit abgelehnt hat, finde bei Google keine Erwähnung, mokiert “Breitbart” – “seltsamerweise”. 

Wikipedia habe Google vor ein diplomatisches Dilemma gestellt, schreibt die rechte Seite staatstragend. Ändert Google nun die Suchergebnisse und riskiert, die Deutschen zu brüskieren? Oder lassen sie das Bild Merkels als “Anführerin der freien Welt” stehen?

Das, so findet “Breitbart”, wäre ein Affront gegen den US-Präsidenten und seine Anhänger. Eine Anfrage an Google sei bislang unbeantwortet geblieben.