LIFE
19/07/2018 20:34 CEST | Aktualisiert 02/08/2018 08:41 CEST

"Menschen-Zoo" in Paris: Hier wurden früher Menschen ausgestellt

Neben Pflanzen und Tieren wurden damals dort auch Menschen verschiedener Nationen "ausgestellt"

  • Die “Völkerschau” galt vor knapp 100 Jahren noch als alltäglicher Bestandteil eines Zoos. 
  • Der Jardin d’Agronomie Tropicale in Paris ist bis heute erhalten geblieben.
  • Wie es in dem verlassenen “Menschenzoo” heute aussieht, erfahrt ihr im Video oben.

Heutzutage unvorstellbar, aber vor teils weniger als 100 Jahren noch ganz normal: die sogenannte “Völkerschau” oder umgangssprachlich “Menschenzoo”.

In zahlreichen Städten Deutschlands wie Hamburg, Stuttgart, Augsburg oder Berlin, aber auch in London, Paris oder Brüssel war es lange Zeit geläufig in Zoos nicht nur Tiere, sondern auch Menschen verschiedener Nationen zu sehen zu bekommen.

Wie ein lebendes Kuriositätenkabinett

Lange Zeit war die sogenannte Völkerschau in Mode. 1931 gab es auf dem Münchner Oktoberfest die Ausstellung “Kanaken der Südsee”, 1937 ein “Eingeborenendorf” im Düsseldorfer Zoo.

Einer der Zoos mit einer solch rassistischen Ausstellung war der Jardin d’Agronomie Tropicale nahe der französischen Hauptstadt Paris. Von 1899 bis 1907 war es den Besuchern damals möglich, neben außergewöhnlichen Pflanzen und Tieren auch Menschen aus französischen Kolonien zu betrachten.

► Tunesier, Marokkaner oder Sudaner wurden in eigens nachgebauten Dörfern wie in einem lebenden Kuriositätenkabinett ausgestellt.

Mehr zum Thema: Menschenzoos – Der tiefste Punkt der Menschheitsgeschichte

Vorreiter der Reality-Shows

Die Zoos waren eine Art pervertierte Reality-Show: Menschen, die “anders” aussahen, wurden in Gefangenschaft in Ausstellungen wie exotische Tiere präsentiert. Schaulustige Menschen begafften dabei ihre Artgenossen.

 Und kamen in besonders reger Anzahl bei kleinen Sensationen wie Geburten, Todesfällen oder Hochzeiten der Menschen.

Während die meisten Zoos dieser Art nach ihrer Schließung Mitte des 20. Jahrhunderts abgerissen wurden, blieb der Jardin d’Agronomie Tropicale bis heute erhalten.

Das seit Jahren verlassene Gelände ist seit 2003 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich und erinnert so bis heute auf schaurige Art an die Ausstellungen vor über 100 Jahren.

(ll)