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29/07/2018 15:58 CEST | Aktualisiert 29/07/2018 15:58 CEST

„Mensch ärgere Dich nicht“: Das Spiel mit den Erwartungen

Haben Sie’s gewusst? Es gibt tatsächlich eine Weltmeisterschaft im „Mensch ärgere dich nicht“. Im August findet sie in Wiesloch statt. Die Erwartungen aller Teilnehmer sind natürlich hoch, aber gewinnen kann bekanntlich ja nur einer. Aber egal ob der erste oder letzte Platz – die Profis werden es wohl drauf haben: sich nicht zu ärgern.

Und, können Sie das auch? Noch?

Lernfach „Verlieren“

Ja, Sie haben richtig gelesen, „noch“: Denn in der Kindheit haben es die meisten Menschen gelernt, sich nicht mehr über alles zu ärgern. Klar ging das nicht von heute auf morgen. Bei einem Kind ist dies oft ein langer Prozess, der mit Trotzphasen, Wutanfällen und Heulattacken beginnt. Denn wie oft passiert es in diesem Spiel, dass die Figur, die kurz vor dem Ziel steht, von einem Mitspieler vom Feld gekickt wird.

Für Kinder ist dieses Erlebnis anfangs neu und macht sie – so habe ich das schon häufig erlebt – anfangs sauer. Und zwar so richtig: Trotzig schmeißen sie dann die Würfel hin, räumen sämtliche Figuren vom Spielfeld, werfen allen anderen vor, sie würden beschummeln, und ziehen schließlich wie eine beleidigte Leberwurst von Dannen. Klar: Die Erwartung war, zu gewinnen. Und als Verlierer macht das ganze Spiel keinen Spaß!

Vermutlich wird es Ihnen wie mir gehen: Mit der Zeit hat Sie das Spiel „Mensch ärgere dich nicht“ gelehrt, sich eben nicht ständig zu ärgern und mit dem Verlieren umzugehen. Sie haben Freude am Spiel an sich entwickelt, weil es Ihnen wichtiger war, mit Ihren Mitspielern zusammen zu spielen und weil Sie wussten, dass sich das Blatt auch schnell wieder wenden kann.

Wertvolles aus der Kindheit

Und als Erwachsener auf dem Spielbrett des Lebens? Können Sie es dort auch noch? Ich meine, sich nicht zu ärgern, wenn Sie mal nicht als Gewinner hervorgehen?

Das Spiel, das Sie als Erwachsener spielen, ist immer noch das gleiche. Es heißt immer noch „Mensch ärgere dich nicht“, nur das Spielbrett sieht etwas anders aus: Beruf und Karriere, Beziehung und Partnerschaft, Eigentum und Geld, Fitness und Sport … Okay, ich gebe zu: ganz so einfach wie beim Original ist es nicht mehr.

Doch manchmal verläuft das Leben genau wie damals nicht so wie in der Vorstellung. Der eine will im Job besonders glänzen und strebt eine Gehaltserhöhung an – doch der Chef wiegelt ab. Ein anderer will die Joggingrunde unbedingt in seiner Bestzeit laufen, und bei der Gelegenheit gleich dem Ideal „Traumfigur“ näher kommen – doch nichts verbessert sich. Oder wieder andere haben den Anspruch, den perfekten Partner zu finden – nur der ist weit und breit nicht in Sicht.

Es gibt viele Gründe, warum Sie Ihre Ziele nicht erreichen und eben manchmal auf dem Spielfeld Job, Fitness oder Liebe verlieren. Aber: Mensch ärgere dich nicht! Erinnern Sie sich an die Kindheit zurück, in der Ihnen irgendwann klar war: Sie können jetzt sauer sein und die Würfel hinwerfen oder weitermachen und versuchen, bei der nächsten Spielrunde zu gewinnen. Haben Sie Freude am Spiel des Lebens und zwar in allen Facetten.

Portionierte Erwartungen

Und als Erwachsener können Sie noch etwas: Sie haben mittlerweile die Fähigkeit, das Spielfeld von weiter oben zu betrachten und sich selbst reflektieren. Gehen Sie auch einmal auf die Metaebene und machen Sie sich bewusst, warum und vor allem auf wen Sie wirklich sauer sind.

Dann können Sie erkennen, dass der Grund häufig darin liegt, dass Ihre Ergebnisse nicht Ihren eigenen Ansprüchen und Erwartungen entsprechen. Und darin steckt auch schon die Antwort, auf wen Sie eigentlich sauer sind: richtig, auf sich selbst.

Damit Sie das Spiel Ihres Lebens öfter als Gewinn verbuchen, kann ich Ihnen folgende Strategie empfehlen: Weg mit den blöden Idealen! Nieder mit den Erwartungen! Runter mit den hohen Ansprüchen!

Das alles ist Teil des Spiels, das Sie mit sich selbst spielen. Sie haben jedoch die Spielleitung inne und können selbst definieren, wann Sie ein Ergebnis als Gewinn verbuchen. Manchmal sind es eben auch die niedrigen Zahlen auf dem Würfel, die Sie nach vorne bringen können. Zwar mit kleinen Schritten – aber eben vorwärts.

Viel Freude beim Spielen.