LIFE
19/02/2019 13:52 CET | Aktualisiert 19/02/2019 14:22 CET

Mein Selbstwertgefühl hängt von Instagram-Likes ab – und ich fühle mich erbärmlich

Ich weiß, dass es vielen von euch so geht wie mir.

JGI/Jamie Grill via Getty Images
Ich bin abhängig von den Likes fremder Menschen.

Dass Lob oder Komplimente das Selbstvertrauen stärken, ist nicht ungewöhnlich. Aber bei mir ist es regelrecht zu einer Besessenheit geworden: Ich bin abhängig von den Meinungen anderer Menschen, um mich gut zu fühlen.

Ich war nie selbstbewusst. Ich litt an einer Essstörung, war ängstlich und unzufrieden mit meinem Aussehen. Und ich habe eine Trennung hinter mir, bei der Untreue eine Rolle gespielt hat. Das ließ mein Selbstbewusstsein noch tiefer sinken.

Wie also baut sich eine moderne junge Frau wieder auf, die sich durch und durch verabscheut und wertlos fühlt? Nun, ich wandte mich den sozialen Medien zu. Ich bin ein großer Befürworter davon, die sozialen Medien auf positive und konstruktive Weise zu nutzen, anderen mit Offenheit zu helfen, indem man die eigenen Unzulänglichkeiten und inneren Kämpfe teilt.

Ich bin in eine Falle getappt: Ich brauche Likes

So sehr ich auch versuche, dies zu tun, bin ich gleichzeitig in eine Falle getappt: Ich brauche Likes, um das Gefühl zu haben, etwas wert zu sein. Es ist wie eine Sucht. Es hört sich lächerlich an, aber ich bin süchtig nach Likes auf Instagram. Mein Instagram-Account besteht aus lauter Bildern von mir. Ab und zu ein ungewöhnliches Bild meiner Freunde für den Mix, aber im Allgemeinen handelt es sich um einen stetigen Strom von Selfies, Bildern vor dem Spiegel und Schnappschüssen vor dem Ausgehen.

Warum teile ich ein Bild nach dem anderen von mir, auf denen ich möglichst glamourös, durchtrainiert und gut aussehe? Ich brauche die Likes, um weiterzumachen. Es mag erbärmlich klingen, wenn man sagt: “Ich brauche Likes“ anderer Menschen auf Instagram, um weiter zu leben. Aber da ich so wenig von mir selbst halte, geben mir die Komplimente anderer Selbstvertrauen.

Ich weiß, diese Einstellung ist Gift. Aber ich komme davon nicht los.
Es ist völlig normal, Likes für ein neues Instagram-Bild geil zu finden, noch besser ist es, wenn man ein paar nette Kommentare oder gar herzerwärmende Nachrichten bekommt. Aber bei mir hängt davon ab, ob ich am Boden zerstört bin oder Luftsprünge mache.

Abhängig vom Zuspruch anderer Leute 

Wenn du vom Zuspruch anderer Leute abhängst, um dich gut zu fühlen, wenn es wichtig ist, dass Menschen einen Instagram-Post liken und damit sagen: “Ja, du siehst darin gut aus“, steckst du in einem Teufelskreis. Du fühlst dich high, wenn du viele Likes bekommst.

Da ist die Freude, Leute zu kennen, die dich attraktiv finden oder mögen, was du gepostet hast. Aber was passiert, wenn du keine Likes bekommst? Wenn ein Instagram-Post “floppt“, also weniger Likes bekommt, als es im Schnitt der Fall ist, sackt mein Selbstvertrauen sofort in den Keller.

In meinem Kopf beginnt es zu rotieren: Sehe ich auf diesem Bild dick aus? Sehe ich auf jenem Bild hässlich aus? Sieht mein Gesicht seltsam aus? Sehen meine Beine zu dick aus, meine Figur pummelig? Und so weiter, weiter, immer weiter.

Es klingt verrückt, dass man sich wegen ein paar weniger Likes für einen Instagram-Post den Kopf darüber zerbricht, ob etwas mit einem nicht stimmt. Aber wenn du so abhängig von Komplimenten und der Zustimmung anderer bist, kannst du nicht anders. Es trifft dich, wenn du das Gefühl hast, dass die Leute dir die Unterstützung verweigern und nicht den Like-Button drücken.

Die Sucht beeinflusst meinen Alltag 

Wenn du wie ich wirst, süchtig nach dem Klick des Like-Buttons, süchtig nach diesem Gefühl der Selbstbestätigung, wenn dein Instagram-Post gut ankommt, dann kannst du einfach nicht aufhören. Wenn Komplimente anderer Menschen der einzige Weg sind, um dich gut zu fühlen, kannst du nicht mehr stoppen.

Das Verlangen nach Likes in den sozialen Medien strahlt auch auf das “richtige Leben“ jenseits der Online-Welt aus und beeinflusst die Alltagsgestaltung. Zum Beispiel kann ich nicht einfach die Zeit mit meinen Freunden genießen, bevor wir ausgehen. Sie müssen Fotos von mir für meinen Instagram-Account machen. Erst dann können wir uns ins Nachtleben stürzen.

Ich spreche nicht von ein paar Schnappschüssen. Es können schon Hunderte Bilder abgespeichert sein, doch aufgehört wird erst, wenn eines darunter ist, das mir wahrscheinlich die gewünschte Zahl an Likes bescheren wird. Viele junge Frauen machen das so. Doch wenn ich vor dem Ausgehen kein zufriedenstellendes Bild bekomme, macht mich das unglücklich.

Es ärgert mich und ich bin unruhig, weil ich am nächsten Tag nichts hochzuladen habe. Ich bin wirklich besorgt darüber, wann ich das
nächste Mal etwas zum Posten habe.

Was andere Menschen denken, ist ausschlaggebend 

Ich weiß, dass es vielen Mädchen in meinem Alter genauso ergeht, sie brauchen ebenfalls Zuspruch aus der Online-Welt, um sich wertvoll zu fühlen. Und ich denke, es ist nicht verkehrt, sich zu freuen, wenn die eigenen Bilder auf Websites wie Instagram “gut“ performen, so lange man unabhängig davon Selbstvertrauen besitzt.

Aber mein Selbstwertgefühl hängt ausschließlich von der Resonanz in den sozialen Medien ab. Komplimente von Freunden und Verwandten zu meiner Intelligenz, meinem Erfolg, meinen Talenten – all das bedeutet mir nichts, wenn meine Instagram-Posts keine Likes bekommen.

Denn wenn du kein Selbstvertrauen hast, ist das, was andere Menschen denken, ausschlaggebend. Soziale Medien können ein Segen sein für Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl und psychischen Problemen. Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, wie die Sucht nach Likes das Selbstvertrauen und das Leben beeinflussen kann.

Ihr seid mehr als das

Daher an alle, die sich nur mögen, wenn Menschen ihre Online-Präsenz liken: Ihr seid mehr als das. Ihr seid wertvoll und schön – egal ob ihr 10 oder 1000 Likes bekommt. Macht euch nicht von den Statistiken eures Instagram-Accounts abhängig. Liebt euch ohne den Zuspruch anderer. Denn das ist
der Schlüssel, um viel glücklicher und gesünder zu werden.

Das Sprichwort “Ein Lächeln ist das schönste Make-Up, das man tragen kann“ ist so wahr, und echtes Glück in dir selbst wird dein Erscheinungsbild eine Million Mal attraktiver machen als ein aufgesetztes Lächeln. Wenn du Komplimente brauchst, um über die Runden zu kommen, dann geh‘
runter vom Gas bei deinen Social-Media-Aktivitäten.

Lerne, dich selbst zu lieben, ohne den Zuspruch anderer. Es ist ein Prozess, den ich selbst noch nicht wirklich begonnen habe. Aber ich bin fest entschlossen. Denn Selbstliebe ist die wertvollste Art von Zuneigung, die man fühlen kann.

Dieser Text erschien zuerst bei der HuffPost UK und wurde von Sandra Tjong aus dem Englischen übersetzt.