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13/08/2018 14:32 CEST | Aktualisiert 13/08/2018 14:32 CEST

Mein Kumpel, der Rassist: Was tun, wenn Freunde rassistische Sprüche klopfen?

Rassismus beginnt im Alltag – und manchmal sogar unter Freunden.

Nada Assaad

Vor Kurzem hat Nada einen Kumpel einen anderen “Moslem” schimpfen hören. Wirklich wohl war ihr, deren Eltern aus Syrien stammen, in dieser Situation nicht. Aber seinen Freunden rassistisches Denken zu attestieren, ist doch auch nicht in Ordnung, oder?

Freunde – das sind Menschen, bei denen man irgendwann einfach beschlossen hat, sie zu mögen. Meistens, weil sie den einen oder anderen Charakterzug besitzen, der ganz okay ist.

In den meisten Fällen sind Freundschaften von Liebe und Loyalität geprägt. Dem Freund oder der Freundin lässt man aus diesem Grund einige Sachen durchgehen. Aber wann erlebt eine Freundschaft Grenzen? Was ist, wenn dein Freund oder deine Freundin Dinge tun, die dir gehörig gegen den Strich gehen?

Können wir mit Menschen befreundet sein, die rassistische Sprüche machen?

Die Bandbreite der freundschaftlichen Fettnäpfchen ist entsprechend groß. Bei einem Thema allerdings sollten wir uns einig sein, dass man sie auch unter Freunden nicht sagen darf: rassistische Sprüche.

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Viele Menschen merken gar nicht, wenn sie rassistisch sind. Sie verbuchen unangebrachte Sprüche als Witze. Sie sagen, man sei auf der Party betrunken wie zehn Russen gewesen oder sie hätten einen “Polnischen” gemacht. Mit einem “Polnischen” meint man das Verlassen eines Ortes, ohne sich von anwesenden Menschen zu verabschieden.

Die meisten Menschen, die diese Sprüche sagen, meinen das nicht böse. Trotzdem sind sowohl der Russen-Spruch als auch der polnische im Kern negativ konnotierte Vergleiche, die fest in unserer Alltagssprache verankert sind. Der alltägliche Touch lässt sie harmlos erscheinen.

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Während man versuchen kann, derartige Sprüche irgendwie als ironisches Spiel mit vermeintlichen Charaktereigenschaften fremder Nationen zu verbuchen, existieren Dinge, die Handlungsbedarf erfordern – wie zum Beispiel die oben genannte Situation, die Nada erlebt hat. 

Rassismus beginnt im Alltag – und manchmal unter Freunden

Alltagsrassismus ist spätestens seit der #MeTwo-Debatte wieder im Bewusstsein der Menschen angelangt. Viele Menschen beteiligten sich an der Debatte, indem sie Erfahrungen unter dem Hashtag teilten. Der “Spiegel”-Journalist Hasnain Kazim erzählt von Menschen, die ihm “als Sohne Pakistans” attestieren, “es weit gebracht zu haben”. Das ist nur eines von vielen Beispielen für rassistische Äußerungen, die “nett” gemeint sind.

Rassismus beginnt im Alltag. Er beginnt in der Sprache und lässt sich nicht vom Denken der Menschen abkoppeln. Und manchmal beginnt er bei den eigenen Freunden.   

In dieser Folge Spargelstecher&Ölauge gehen wir der Frage nach, wie wir damit umgehen sollen, wenn unsere Freunde rassistische Sprüche klopfen.

Hier könnt ihr unsere neue Folge hören: 

Spargelstecher und Ölauge – ein Podcast der HuffPost

Zwischen Hummus und Gurkensuppe, Mittelmeer und Ostsee treffen sich ein Spargelstecher und ein Ölauge, um über Deutschland und die Welt zu plaudern. Agatha Kremplewski (Deutsch-Polin) und Nada Assaad (Deutsch-Syrerin) dröseln in ihrem Podcast Stereotype auf und fragen sich, was es eigentlich bedeutet, hierzulande mit Migrationshintergrund aufzuwachsen.

Der Spargelstecher 
Agatha Kremplewski, Jahrgang 1987, studierte Literatur, Spanisch und Soziologie. Agatha liebt ihren Hund Bolle, hat sich als Übersetzerin ihre Weltreise finanziert und schaut nachts gerne YouTube-Tutorials.

Das Ölauge 
Nada Assaad, Jahrgang 1990, studierte Literatur- und Musikwissenschaften. Nada hat ein Herz für Freaks und treibt sich gerne auf Konzerten herum. Mit dem Fotografen Anders Petersen würde sie gerne mal einen Kaffee trinken. Ansonsten findet sie Weltfrieden ganz cool.