ELTERN
10/02/2019 10:38 CET

Mein 16 Monate altes Baby ist gestorben – jetzt sehe ich mein Leben mit anderen Augen

Dieser unvorstellbare Verlust brachte mich dazu, alles zu hinterfragen, woran ich bisher geglaubt hatte.

JEN BERGMANN, WJB PHOTOGRAPHY

Vor drei Jahren, am 30. Dezember 2015, durften mein Mann und ich unseren Sohn Brody von der Neugeborenen-Intensivstation mit nach Hause nehmen. Er war dort drei Wochen lang behandelt worden, nachdem die Ärzte bei ihm eine seltene Erbkrankheit diagnostiziert hatte.

Für uns war das die schwierigste Situation, die wir jemals erlebt hatten. Die Diagnose war ein totaler Schock. Und deshalb waren wir unglaublich erleichtert und glücklich, als wir Brody endlich mit nach Hause nehmen durften.

Ein Jahr später feierten wir, wie erstaunlich gut es ihm ging und wie positiv die Aussichten für seine Zukunft waren. Wir starteten voller Hoffnung ins Jahr 2017. Doch kurz darauf endete das Leben unseres Sohnes. Er war damals gerade einmal 16 Monate alt. 

Dieser unvorstellbare Verlust beeinflusste sämtliche Bereiche meines Lebens. Er brachte mich dazu, alles zu hinterfragen, woran ich bisher geglaubt hatte. Und natürlich stellte er mich auch vor die Frage, was im Leben denn eigentlich zählt.

Seit dem Tod meines Sohnes ist viel passiert. Ich habe auf diesem Weg einige Wahrheiten entdeckt, die mir geholfen haben.

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Jeder hat einen bestimmten Lebensmittelpunkt

Unsere berufliche Position oder unser Familienstand und all diese anderen Dinge bestimmen nicht darüber, wer wir sind. Nach außen lebst du vielleicht das Leben deiner Träume.

Doch wenn du innerlich nicht glücklich bist, fühlt sich trotzdem alles falsch an. Eines der wichtigsten Bücher, die ich nach Brodys Tod gelesen habe, war “Die 7 Wege zur Effektivität” des US-Autors Stephen Covey. Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mehr an alle sieben Wege erinnern. Was mich jedoch für immer begleiten wird, sind Coveys Erläuterungen dazu, wie man ein prinzipienorientiertes Leben führt. 

Jeder von uns hat einen bestimmten Lebensmittelpunkt — wie beispielsweise Geld, Arbeit, Religion oder Hobbys. Doch nicht allen von uns ist bewusst, wo genau dieser Mittelpunkt denn eigentlich liegt.

Covey schreibt, dass wir zuerst die Motivation hinter unseren Entscheidungen hinterfragen sollten und dass wir dann unser Leben auf der Basis von bestimmten Werten wie Mut, Integrität, Bescheidenheit oder Liebe neu ausrichten sollten.

Ich würde den Tod meines Babys niemals mit reiner Vernunft betrachten

Durch diesen Prozess, meine Entscheidungen mit bewussten Werten und Überzeugungen in Einklang zu bringen, bin ich auf die zweite wichtige Lektion in meinem Leben gestoßen: 

Wenn du dir Ziele für das Jahr und für dein Leben setzt, denk daran, dass kurzfristige Lösungen niemals zu dauerhaftem Erfolg führen werden. Wenn du jeden Tag müde bist und keine Kraft mehr hast, wirst du all deine Probleme nicht einfach mit einem Urlaub lösen können.

Stattdessen solltest du deine Schlafgewohnheiten verbessern und mehr Sport treiben. Oft suchen wir nur nach einem Pflaster, anstatt mit der seelischen Arbeit zu beginnen, die wir erledigen müssen, wenn wir das Beste aus unserem Leben machen wollen.

Ich würde niemals versuchen, eine schlimme Erfahrung mit reiner Vernunft zu betrachten. Meine eigene Tragödie hat mich jedoch dazu gebracht, mich mit meinem Inneren auseinanderzusetzen und an ungesunden Vorstellungen und Verhaltensweisen zu arbeiten, die mich früher zurückgehalten haben. Warte nicht auf einen dramatischen Wendepunkt in deinem Leben, um neue Ideen zu verfolgen. Du kannst dich innerlich verändern, sobald du bereit bist, deine eigenen Glaubenssätze zu hinterfragen.

Warte nicht auf den dramatischen Wendepunkt

Du kannst dir gewiss vorstellen, dass man nach dem Tod seines Kindes jegliches Gefühl von Sicherheit verliert. Nach Brodys Tod fragte ich mich sehr lange, ob ich mich jemals wieder sicher fühlen würde. Oder ob ich nun den Rest meines Lebens in der permanenten Angst vor der nächsten Tragödie verbringen würde.

Um meinen Frieden zurückzugewinnen, musste ich mir eingestehen, dass ich nicht alle schlimmen Erlebnisse vermeiden konnte. Doch ich konnte mich dafür entscheiden, auf all diese Dinge mit Liebe zu reagieren. Ich habe zu meinem sechsjährigen Sohn schon oft gesagt, dass Liebe die einzige wirkliche Kraft ist, die wir besitzen.

Wir sind so vielen Dingen hilflos ausgeliefert. Doch wir können kontrollieren, wie wir darauf reagieren. Und diese Erkenntnis hilft mir dabei, voller Hoffnung und Mut weiterzugehen, statt den Rest meines Lebens in Angst zu verbringen.

Anfang 2018 habe ich meine erneute Schwangerschaft verkündet

Am Neujahrstag 2018 habe ich in den sozialen Medien verkündet, dass ich mit einem gesunden Jungen schwanger bin. Und während ich heute diesen Text schreibe, habe ich ein Video-Babyphone neben mir stehen, damit ich meinem Baby beim Schlafen zusehen kann. 

Die größten Belohnungen im Leben kommen oft, wenn man Risiken eingeht und etwas Neues ausprobiert.

Ich möchte dich dazu ermutigen, deinen Blick nach oben zu richten und dir zu überlegen, wer du bis zum Ende des Jahres und darüber hinaus sein möchtest. Setze dir ein Ziel, das auf deinen Werten basiert, und nimm es in Angriff. Denn wenn du dich von innen heraus veränderst, wird dieser Wandel auch dauerhaft und authentisch sein. 

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der HuffPost Kanada und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

(ak)