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25/01/2018 12:52 CET | Aktualisiert 25/01/2018 12:52 CET

An einer deutschen Schule lernen Firmenbosse von Schülern

Reverse Mentoring ist keine verrückte Idee mehr.

sturti via Getty Images
Fraglos werden die Digital Natives diese Welt im Laufe ihrer Karriere digitalisieren.

Wer heute einen Eindruck von der digitalen Zukunftswelt braucht, um das eigene Unternehmen in allen Bereichen fit für die Dimension “4.0“ zu machen, muss sich auch an den ganz jungen Menschen orientieren.

Viele Bachelor- oder Masterabsolventen, die heute frisch ins Unternehmen kommen, verstehen schon oft die digitale Welt der Schüler nicht mehr, weil sich die zugrunde liegende Technik und die Vielfalt der durch Algorithmen erzeugten Inhalte innerhalb von zwei bis fünf Jahren rasant verändern.

Die Arbeitswelt wird von den Digital Natives verändert

Beinahe jede Jahrgangsstufe macht ihre eigenen Lernerfahrungen mit den innovativen, oft disruptiven Möglichkeiten der digitalen Welt, sozusagen in einer eigenen digitalen Blase.

Dadurch verändert sich nicht nur das Lern- und Konsumverhalten, die Jugendlichen entwickeln darüber hinaus eigene Regelsysteme und Wertvorstellungen für die digitale Welt.

Damit treffen die Digital Natives kurze Zeit später auf eine noch in vielen Teilen analog gebliebene Arbeitswelt. Fraglos werden sie diese Welt im Laufe ihrer Karriere digitalisieren. Denn Leben, Arbeit und Industrie 4.0 sind für Digital Natives jetzt schon ein natürliches Ganzes, sie leben bereits die Transformation.

Mehr zum Thema: Darum bedeutet Digitalisierung nicht das Ende der Arbeit

Eie Transfermethode zwischen den Generationen

Nicht nur dass ältere Menschen viel von jungen lernen können, wenn Unternehmen diese Entwicklungen berücksichtigen und sich das Erfahrungswissen der jungen Menschen aneignen, können sie auch Konflikte zwischen den Generationen frühzeitig vermeiden.

Um den Unternehmen genau dieses Potenzial aufzuzeigen, initiierte ich im September 2017 ein Pilotprojekt, bei dem Gymnasialschüler Personalvorstände aus Deutschland schulen.

Das Reverse Mentoring als Transfermethode zwischen den Generationen kehrt die Rollen eines traditionellen Mentorings um. Ein Digital Native wird zum Mentor in Sachen digitale Zukunftswelt, der Mentee ist Vorstand eines Großunternehmens.

Es gibt bereits erste Zwischenergebnisse

Für den Erfolg des etwa zweistündigen Reverse Mentorings ist das Themenmatching zwischen Vorstand und Schüler und ein verantwortungsbewusstes Coaching des jeweiligen jungen Mentors elementar wichtig.

So werden die Schülerinnen und Schüler vorher auf den Austausch und die entsprechenden Themen vorbereitet. Wir evaluieren jeden Mentoringtermin, sodass uns die kontinuierliche Verbesserung der Verfahren und Methoden möglich ist.

Erste Zwischenergebnisse liegen uns bereits vor: Die Schüler vermitteln den Führungskräften nicht nur Einblicke in den Umgang mit den sozialen Medien, sie sensibilisieren sie auch hinsichtlich der unternehmenskulturellen Herausforderungen, die sich aus den Transformationsprozessen der Digitalisierung ergeben.

Mehr zum Thema: Die 5 wichtigsten Thesen zur Zukunft unserer Arbeitswelt

Reverse Mentoring ist keine verrückte Idee mehr

Beim Employerbranding, den Konzepten des Marketings, dem Image und der Markenbildung erhalten die Manager von ihren Mentoren unerwartet konkrete Erkenntnisse, die sich unmittelbar auf die Unternehmensstrategie auswirken können.

Reverse Mentoring ist keine verrückte Idee mehr. Es ist Zeit, aus Pilotprojekten wiederkehrende Programme zu machen – in jedem Unternehmen.

Mehr zum Thema: Reverse Mentoring: “This Is The New Shit!” - Wenn Alt von Jung lernt

Die konkreten Endergebnisse dieses Pilotprojekts namens “Jung.digital.innovativ” werden vom Europa-Institut für Erfahrung und Management – Metis Anfang 2018 veröffentlicht. Geplant ist die Ausweitung des Vorhabens auf die Schweiz und Österreich.