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04/06/2018 16:40 CEST | Aktualisiert 04/06/2018 16:40 CEST

Mehr als jeder Zweite lebt in der Stadt

Photo by Ryoji Iwata on Unsplash
Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Die Urbanisierung hat Licht- und Schattenseiten. Wie hier in Tokyo, der größten Stadt der Welt.

New York – Rio – Tokyo. Städte weltweit wachsen rasant. Nach aktuellen Zahlen der Bevölkerungsabteilung der Vereinten Nationen (UNPD) leben heute 55 Prozent der Weltbevölkerung in Städten – also mehr als jeder Zweite! Zum Vergleich: 1950 war es gerade mal jeder Dritte. Und der Stadt-Boom hält an.

Vor allem auf junge Menschen üben Ballungszentren einen ganz besonderen Reiz aus. Besonders in Entwicklungsländern – wo die (städtische) Bevölkerung am schnellsten wächst – erhoffen sich junge Menschen bessere Bildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in der Stadt.

Die Schattenseiten der Stadt

Die Lichter der Stadt haben aber auch ihre Schattenseiten. Begehrter Wohnraum wird knapp und damit teuer. Starker Auto- und Lastwagenverkehr führt zu Luftverschmutzung und Verkehrschaos. Ballungsgebiete heizen sich auf und es entstehen sogenannte Hitzeinseln. Wächst die Stadt ungeplant, kann es zu illegalen Bauten und Slumbildung kommen.

Außerdem braucht die Stadt genügend Bildungsangebote, Arbeitsmöglichkeiten und eine gute Gesundheitsversorgung für ihre wachsende Bevölkerung.

Weitere Herausforderungen sind unter anderem die Infrastruktur, Müllentsorgung, Wasser- und Stromversorgung. Die müssen so organisiert werden, dass sie den steigenden Bewohnerzahlen gerecht werden. Einige Stadtverwaltungen kommen da bereits jetzt an ihre Grenzen.

Wachstum mit Plan

Städte werden weiter wachsen, sagen die Vereinten Nationen voraus. Bis 2050 werden voraussichtlich mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der Weltbevölkerung in städtischen Gebieten leben. Aktuell sind der amerikanische Kontinent und Europa am städtischsten geprägt – doch Afrika und Asien holen schnell auf.

Gerade Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern können von der Urbanisierung profitieren. Vorausgesetzt die Stadtentwicklung wird gut geplant und es wird an den richtigen Stellen investiert. Weil in Städten die Wege zu Gesundheitszentren, Bildungseinrichtungen und anderen öffentlichen Einrichtungen kürzer sind als auf dem Land, reduzieren sich die Kosten. Dadurch kann auch die Versorgung der Bevölkerung mit diesen grundlegenden Angeboten eher sichergestellt werden.

Frische Ideen für die Stadt der Zukunft

Damit aus der Stadt ein lebenswerter Ort und kein stinkender Moloch wird, sind neue Ideen bei der Stadtplanung dringend gefragt. Und es gibt bereits interessante Ansätze für ein nachhaltiges Städtewachstum.

Statt grauer Betonwüsten sollen die Fassaden der Metropolen grün werden. Grüne Architektur macht Hochhäuser nachhaltig, verbessert gleichzeitig die Luftqualität und reduziert den Hitzestau im Großstadtdschungel. Vertikale Gärten trotzen dem horizontalen Platzmangel. Mit Urban Gardening bringen Bewohner das Land in die eigene Stadt. Denn Pflanzen wachsen an jedem noch so kleinen Fleck.

© Jel_ave (CC BY-NC 2.0)
Eine Möglichkeit die Stadt der Zukunft nachhaltig zu gestalten: Der Hochhauskomplex Bosoco Verticale in Mailand.

Auch der Verkehr bleibt im Fluss: Carsharing, öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder stehen bei Jugendlichen jetzt schon hoch im Kurs. In den am stärksten wachsenden Städten in Afrika und Asien können solche Konzepte in Zukunft helfen, den täglichen Verkehrskollaps zu verhindern.

Und wo viele Menschen aufeinander treffen, entstehen auch frische Ideen, Produkte und Dienstleistungen. In Städten konzentriert sich Know-how. Außerdem erleichtert die dort vorhandene Infrastruktur neue Entwicklungen. Dass das in Städten rund um den Globus funktioniert, beweist beispielsweise die rege Start-up-Szene in Kenia.

Bis 2030 wird es nach Schätzungen der Vereinten Nationen 43 sogenannte Megacities geben, die zehn Millionen oder mehr Einwohner haben. Die meisten davon in Entwicklungsländern. Höchste Zeit also, sich Gedanken über die Stadt der Zukunft zu machen!

New York, Rio und Tokyo sind übrigens jetzt schon Megacities.