POLITIK
12/03/2018 21:51 CET | Aktualisiert 13/03/2018 08:26 CET

Medien mit Vertrauensvorschuss für Merkel: "Diese GroKo kann eine gute werden"

Die Presseschau.

JOHN MACDOUGALL via Getty Images

► Es ist keine Liebesheirat, aber sie soll dreieinhalb Jahre lang halten. Union und SPD haben den Vertrag für ihre neue große Koalition unterschrieben.

► Kanzlerin Angela Merkel drängt zur Eile - und erhält einen Vertrauensvorschuss in den Medien. Die kommentieren den GroKo-Start überwiegend positiv.

“Die Welt”: “Merkel sei jeder Erfolg gewünscht”

Die “Welt” in Berlin attestiert der GroKo eine “Kombination aus erfahrenen Kämpfern und jungen Talenten”, die Kraft zu ausgesprochen mutigen Innovationen und mitunter unpopulären Maßnahmen mitbringe.

“Wenn aus ersteren ein Flugtaxi entsteht, dann nur her damit!”, schreibt die Zeitung.

“Dass zu letzteren eine längst überfällige Entschiedenheit bei der Durchsetzung der inneren Sicherheit gehört, ist keine Frage.”

Die dritte schwarz-rote Koalition seit der Wiedervereinigung werde nur obsiegen können, wenn sie diese Realität ins Visier nimmt. “Jetzt sei Angela Merkel und ihrem Team nach aller Skepsis der vorigen Monate jeder Erfolg gewünscht. Was denn sonst?”, schreibt die “Welt”.

“SZ”: “Die neue Regierung kann eine gute werden”

“Die neue Regierung kann eine gute werden”, schreibt die “Süddeutsche Zeitung”.

“Zum einen scheinen Union und SPD die Botschaft der Bundestagswahl verstanden zu haben. Der Koalitionsvertrag ist ein Versprechen für mehr Sicherheit - nicht nur für innere und äußere, sondern auch für soziale”, schreibt die Zeitung.

Dass dies gelingen könne, liege am zweiten Pluspunkt der neuen Regierung: dem Trio an der Spitze.

“Ob eine Koalition funktioniert, hängt ja nicht nur vom Vertrag ab, sondern auch von den Akteuren”, schreibt die “SZ”.

“Fast alle großen Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte waren nicht absehbar, als die jeweiligen Regierungen ihre Koalitionsverträge verhandelt haben. Und so wird es auch in Zukunft sein.”

“Leipziger Volkszeitung”: “Berlin hat verstanden”

“Die SPD hat ihre Spitze ausgetauscht, die CSU ist auf dem Weg dahin - und die Kanzlerin selbst hat einen Weg gefunden, die Endlichkeit ihres politischen Schaffens sichtbar zu machen, indem sie zunehmend betont, dass sie mittlerweile das einzige führende CDU-Kabinettsmitglied jenseits der 60 ist”, schreibt die “Leipziger Volkszeitung” 

“Das politische Berlin scheint also wenigstens oberflächlich begriffen zu haben, was die Lehren aus dem Aufstieg der AfD und der Politikverdrossenheit der Bürger sind. Aber hat sie es auch inhaltlich verstanden?”

“TZ”: “Nervender Dauerzoff und Uneinigkeit”

Die “TZ” in München warnt vor “nervendem Dauerzoff und Uneinigkeit”, wenn Parteistrategen wie SPD-Vize Ralf Stegner von einer “Zuspitzung und klarer Abgrenzung” spricht.

Um nicht wieder in einer GroKo-Soßeeingerührt und dann vom Wähler als ununterscheidbarer Eintopf pauschal abgestraft zu werden, wolle die neue Regierung Trennkost servieren.

“Doch ob das den Appetit der Wähler auf Union und SPD wirklich erhöht?”, fragt die “TZ”.

Bisher galt die Regel, dass die Deutschen Streit in der Regierung nicht leiden können.