POLITIK
16/12/2017 22:18 CET

Medien kritisieren die "Scheinheiligkeit" auf dem CSU-Parteitag

dpa / huffpost
Um Einigkeit bemüht: Horst Seehofer mit Erzfeind und Erbe Markus Söder
  • Horst Seehofer und Markus Söder sollen die CSU als Doppelspitze zum Erfolg bei der Landtagswahl 2018 führen
  • Doch können die beiden Rivalen miteinander harmonieren?
  • Die Medien sind sich einig: Das Überleben der CSU hängt davon ab

Horst Seehofer wähnt sich im Paradies - zumindest an diesem Tag in Nürnberg. “Bayern ist das Paradies, das können wir uneingeschränkt sagen”, ruft der Mann in der Menge, der noch bayerischer Ministerpräsident ist und erneut Chef der CSU geworden ist.

Harmonisch ging es in diesem Paradies zuletzt nicht zu. Seehofer und sein innerparteilicher Rivale Markus Söder beharkten sich hart nach dem miserablen Ergebnis bei der Bundestagswahl.

Nun soll der Machtkampf beigelegt sein. Am Parteitag bestätigten die Delegierten Seehofer als Vorsitzenden – und wählten den bayerischen Finanzminister Söder fast einstimmig zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im Herbst 2018.

Die Doppelspitze, von manchen als “Söderhofer” verballhornt, soll es richten. Aber ob das gut geht? Diese Frage stellen sich nach diesem Wochenende auch die Medien.

Die meisten Kommentatoren sind sich einig: Das nächste Jahr entscheidet über das Überleben der CSU.

Die “professionelle Scheinheiligkeit” der CSU

“Was für ein Schauspiel”, schreibt ein Kommentator für den SWR über den Parteitag. Die CSU habe den Personal-Wechsel als “große Harmonie-Show” inszeniert, dass es fast schon unheimlich gewirkt habe. 

Die “Süddeutsche Zeitung” spricht von einem Parteitag der “professionellen Scheinheiligkeit”.

“Schließlich hat Seehofer den Weg für Söder ja nicht frei gemacht, weil er auf einmal von dessen politischer und vor allem charakterlicher Einzigartigkeit überzeugt wäre”, heißt es in dem Kommentar. Seehofer habe nur aufgegeben, weil er sonst seinen Rückhalt in der Partei völlig verloren hätte.

Söder spreche nun nur wohlmeinend über Seehofer, weil er dessen Zirkel für die Landtagswahl noch brauche. 

Dennoch muss auch der Kommentator der “Süddeutschen Zeitung” zugeben: Die CSU hat sich an diesem Parteitag geschlossen präsentiert. 

Auch “Spiegel Online” berichtet: “Fürs Erste ist wenigstens der heftige Streit der vergangenen Wochen und Monate beigelegt.” Schiebt allerdings skeptisch hinterher: “Jedenfalls an der Oberfläche.”

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Söder, der Aufputscher

Weitgehend einig sind sich die Kommentatoren in einem: Die CSU hatte eine Veränderung an der Spitze bitter nötig. Und Söder scheint den Medien nicht der schlechteste Kandidat zu sein, wie er mit seiner Rede am Samstag bewies.

“Er putscht sich selbst und die über 900 Zuhörer auf. Was für ein Unterschied zum 68 Jahre alten Seehofer”, schreibt die “Welt” über Söder.

“Söder hat als einziger beim Parteitag so etwas wie Begeisterung entfacht”, kommentiert der Bayerische Rundfunk (BR). “Dafür gab es Standing Ovations. Vor dem Start ins Wahljahr ist das keine schlechte Voraussetzung.”

Wird mit dem 50-jährigen Söder also alles gut?

Mit zwei Alphatieren an der Spitze

“Eine Doppelspitze aus zwei Alphatieren, die eine herzliche Abneigung verbindet – ob dieses durchsichtige taktische Manöver gut geht?”, fragt der Kommentator des SWR. Alles hänge nun vom Ergebnis der Landtagswahl 2018 ab. 

“Bis dahin wird der Burgfrieden halten”, glaubt der SWR. Sollte Söder allerdings die Messlatte von 40 Prozent und mehr reißen, “werden die Karten im bayerischen Machtkampf neu gemischt.”

Auch die “Süddeutsche Zeitung” geht davon aus, dass die “Zeit des selbstzerstörerischen Politik-Spektakels in der CSU” vorerst vorbei sei – “zumindest bis zum Abend der Landtagswahl”.

Die “Bild”-Zeitung kommentiert: “2018 wird für die CSU das Jahr der Entscheidung.” Es gehe um das Überleben der Partei mit ihrer Sonderstellung als alleinige Vertretung Bayern.

“Geht die Landtagswahl krachend verloren, ist das der Anfang vom Ende der CSU. Söder und Seehofer wären die Totengräber”, schreibt die “Bild”.

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