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22/05/2018 14:23 CEST | Aktualisiert 23/05/2018 11:14 CEST

Was uns eine 90-jährige McDonalds-Mitarbeiterin über Glück beibringen kann

Mit ihrer Arbeitsmoral und Freundlichkeit reißt sie im Ort alle mit.

  • Die 90-jährige Alice Pirnie arbeitet seit 26 Jahren bei McDonald’s im amerikanischen Broken Bow
  • Mit ihrer Abeitseinstellung begeistert sie Kollegen und Kunden.
  • Oben im Video seht ihr einen amüsanten Vorfall bei McDonald’s: Mann steht lässig an der Kasse – dann knöpft ein Dreijähriger ihn sich vor.

Alice Pirnie aus Broken Bow im US-Bundesstaat Nebraska ist eine viel beschäftigte Frau.

Als wir sie am Anfang angerufen haben, ist sie nicht ans Telefon gegangen. Auf ihrem Anrufbeantworter hörten wir den Spruch: “Egal ob grauer oder blauer Himmel, es ist immer nett von dir zu hören.”

Ihr sonniges Gemüt begleitet sie 26 Jahre als Empfangsdame und Kassiererin bei McDonald’s. Pirnie arbeitet seit der Eröffnung am zweiten Dezember 1992 in der Filiale und hat gerade zum ersten Mal eine ungewollte Pause eingelegt – wegen eines Fettbrandes im Restaurant im April.

“Gerade renovieren sie die Räumlichkeiten nach dem Feuer. Die Lobby wird bald wiedereröffnet”, erzählt sie. “Ich bin schon etwas nervös, wieder zu arbeiten.”

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Alice Pirnie
Ein Foto aus Alice Pirnies Fotoalbum.

Alice Pirnie liebt ihre Arbeit

Pirnie arbeitet zur Mittagszeit an Dienstagen und Donnerstagen. Und sie geht zu Fuß zur Arbeit. “Ich wohne in der Nähe. Ich kann laufen, wenn es kein schweres Gewitter gibt”, sagt sie.

Kürzlich zwang sie ein Sturm zur Arbeit zu fahren, aber am Ende regnete es nicht mehr und nach Schichtende lief sie heim. Ihr Auto hatte sie komplett vergessen.

“Ich bin dann wieder in den Laden gegangen und habe den jungen Leuten, mit denen ich arbeite, gesagt, dass ich mein Auto vergessen habe. Einer der Jungen sagte: ’Wir wussten gar nicht, dass du Autofahren kannst!’ Sie sehen mich halt immer nur laufen”, erzählt sie lachend.

Alice Pirnie
Alice Pirnie zeigt einige ihrer Erinnerungsstücke von McDonald's.

Drei Jahrzehnte in der Gastronomie und in der Kundenbetreuung zu arbeiten, klingt fast so traurig wie ein Happy Meal ohne Spielzeug. Aber nicht für Pirnie. Als selbsterklärte “Menschenfreundin” sagt sie, würde ihr keine einzige “schlimme Sache” an der Arbeit im Restaurant einfallen.

“Ich liebe es, die Bestellungen der Menschen aufzunehmen”, sagt sie. “Wenn ich mal einen Kunden ohne Lächeln sehe, dann schenke ich ihm eines.”

Wie sie das macht? “Viel Lächeln”, sagt sie. “Ich lächle sie an, bis sie zurück lächeln. Ich sehe gern glückliche Leute. Das Leben ist besser, wenn man freundlich sein kann. Um Freunde zu haben, muss man freundlich sein. Ich liebe es einfach, Leute zu sehen.”

Sie führt Buch über ihre Arbeit. Oder zumindest über die ersten zehn Jahre, in denen sie Zeitungsausschnitte über die Restauranteröffnung und eine Liste mit den Bundesstaaten und Ländern, aus denen ihre Kunden kamen, in einem Album sammelte.

Die inoffizielle McDonald’s-Historikerin von Broken Bow

“Ich schätze, ich bin wohl die inoffizielle Historikern unseres McDonald’s in Broken Bow”, sagt sie.

Ihre Liebe zu den Menschen und der Arbeit wankt nie. Als die Frage nach ihrem Ruhestand aufkommt, sagt Prinie, dass sie darüber nicht nachdenken würde. “Jeder Tag, den ich habe, ist ein Geschenk Gottes”, sagt sie. “Und ich liebe meine Arbeit. Ich werde arbeiten, solange mir Gott gute Gesundheit schenkt und ich werde solange weitermachen, bis er mir sagt, dass es Zeit ist aufzuhören.”

Alice Pirnie
Ein Bild aus Alice Pirnies Fotoalbum.

Ihre Arbeitsmoral reicht für Jahrzehnte. Erst arbeitete sie als Lehrerin. Dann nahm sie sich eine Auszeit, um eine Familie zu gründen – sie hat vier Töchter, vier Stiefsöhne und elf Enkelkinder.

Danach arbeitete sie mit ihrem Mann in einem Altersheim, das er mit vier Kollegen in Broken Bow gegründet hatte sowie bei einem Pflegedienst und in einem betreuten Wohnheim.

Ihre Arbeitsmoral hat sie an ihre Töchter weitergegeben. Die eine ist seit 33 Jahren Krankenschwester, die andere seit 31 Jahren Stewardess. Alle leben über das Land verstreut, aber kamen kürzlich in Broken Bow zusammen, um Pirnies Geburtstag zu feiern. Es kamen über 100 Gäste. 

Am liebsten is(s)t sie bei McDonald’s

Geschichten über Menschen, die so alt werden wie Pirnie, haben oft ein Ernährungsgeheimnis. Pirnie erzählt keine Einzelheiten über ihre Ernährung, aber sagt, was sie bei McDonald’s am liebste esse. Denn sie bekommt jede Schicht eine Mahlzeit gratis.

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“Ich liebe das knusprige Buttermilch-Sandwich”, sagt sie. “Wir haben leckere Salate und unsere Hühnchenstreifen sind gut. Alles ist gut.”

‘Alles ist gut.’ Pirnies Einstellung zum McDonalds-Menü entspricht auch ihrer Lebenseinstellung. Und davon können wir alle etwas lernen, oder?

Dieser Artikel ist zuerst bei Huffpost US erschienen und wurde von Moritz Diethelm ins Deutsche übersetzt.

(kap)