POLITIK
15/06/2018 09:11 CEST | Aktualisiert 15/06/2018 10:55 CEST

"Maybrit Illner": CSU-Mann redet Asyl-Streit schön – Politologe rastet aus

"Das eigentliche Argument der CSU ist doch, dass in vier Monaten Landtagswahl ist."

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Politiologe Albrecht von Lucke warf der CSU im Asylstreit Wahlkampfmanöver vor.
  • Im ZDF-Talk “Maybritt Illner” ging es am Donnerstagabend um den Asylstreit zwischen Kanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer.
  • Dabei kamen sich vor allem Politologe Albrecht von Lucke und CSU-Staatssekretär Stephan Mayer wiederholt heftig in die Haare.

“Die CSU will die Kanzlerin an die Wand stellen”, ereiferte sich Publizist und Politologe Albrecht von Lucke.

“Das stimmt doch gar nicht!”, unterbrach ihn Stephan Mayer, Staatssekretär im von CSU-Chef Horst Seehofer geführten Bundesinnenministerium, sogleich energisch.

Das Thema des ZDF-Talks “Maybritt Illner” lautete am Donnerstagabend “Seehofer gegen Merkel – zerreißt der Streit die Regierung?”. Insbesondere von Lucke und Mayer bekamen sich in der Diskussion zum unionsinternen Asylstreit immer wieder in die Haare.

Neben den beiden Streithähnen begrüßte Moderatorin die folgenden Gäste:

► Tobias Hans (CDU), saarländischer Ministerpräsident

► Malu Dreyer (SPD), rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin

► Robin Alexander, Hauptstadt-Korrespondent der “Welt”

CSU-Staatssekretär Mayer: “Es geht uns nur darum, in der Sache das Richtige zu machen.”

“Es geht hier nicht um Merkel, sondern darum, dass wir in der Sache das Richtige zu machen”, sagte der aufgebrachte Mayer. Man müsse an den deutschen Grenzen endlich Recht und Gesotz – ääh, Gesetz – durchsetzen. 

Wollte der Staatssekretär hier versehentlich “Gesocks” sagen? Schließlich werfen nicht wenige seiner CSU eine AfD-nahe Gesinnung vor. Der “Asyl-Tourismus” müsse in jedem Fall beendet werden, zitierte Mayer den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

Die Christsozialen seien bestrebt, eine Asylwende einzuleiten – der von Innenminister Seehofer vorgestellte Masterplan, welcher unter anderem die Zurückweisung bereits in anderen Ländern registrierter Flüchtlinge vorsieht, sei hierfür essentiell.

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CSU-Staatssekretär verteidigte die Pläne seines Chefs Horst Seehofer vehement.

Politologe von Lucke wirft der CSU Wahlkampfmanöver und “bewusste Konfrontation” vor

Von Lucke zeigte sich von dieser Erklärung nicht überzeugt: Das eigentliche Argument für die CSU sei doch, “dass in vier Monaten die Landtagswahl in Bayern stattfindet”, kritisierte er.

“Das musste ja noch kommen”, erwiderte Mayer kopfschüttelnd.

Von Lucke ließ sich nicht beirren und legte sofort noch einen drauf: “Die Asyl-Debatte ist das einzige Thema, mit dem die CSU aktuell wirksam Wahlkampf machen kann.” CSU-Chef Seehofer warf er im gleichen Zuge vor, einen “bewussten Konfrontationskurs” zur Kanzlerin einzuschlagen und sowohl ihr als auch der Unions-Bundesfraktion damit geflissentlich zu schaden.

Mayer, nun deutlich erbost mit bayerischem Einschlag, wiederholte, dass es dem Innenminister einzig und allein um den Schutz der deutschen Außengrenzen ginge – was schließlich eine seiner Kernaufgaben sei.

“Welt”-Korrespondent Robin Alexander sprang ihm dabei zur Seite: “Jede Volkspartei sollte sich, auch wenn es teilweise populistisch erscheinen mag, Gedanken über die Stimmung im Lande machen.”

Bei der “Allianz der Willigen” kommt Malu Dreyer “das Gruseln”

Von Lucke blieb jedoch bis zum Schluss bei seinem konfrontativen Kurs, kritisierte die von Seehofer ins Spiel gebracht Grenzschutz-Allianz der “Willigen” mit Österreich, Italien und Ungarn.

Die SPD-Ministerpräsidentin Malu Dreyer sagte dazu: “Es gruselt mich, wenn ich das höre.” Und von Lucke prognostizierte ein “Endspiel” zwischen CDU und CSU.

Mayer wiederholte daraufhin schlichtweg sein Mantra: “Uns geht es wirklich nur um die Sache.” Überzeugend klang das immer noch nicht. 

(jg)