POLITIK
16/02/2018 07:12 CET | Aktualisiert 16/02/2018 21:13 CET

"Illner": Scholz träumt vom Kanzleramt – Journalistin wird deutlich

Ein Ende des SPD-Chaos ist nicht in Sicht.

Screenshot / ZDF
Olaf Scholz und Claudia Kade
  • In der Talkshow “Maybrit Illner” betonte der kommissarische SPD-Chef Scholz erneut, er wolle seine Partei ins Kanzleramt führen
  • Eine Journalistin führte ihm vor Augen, warum so große Pläne utopisch sind

Olaf Scholz wollte nicht über die vergangenen Tage reden.

Der neue kommissarische SPD-Chef war am Donnerstagabend in die ZDF-Talkshow von Maybrit Illner eingeladen und sollte eigentlich über das Chaos in seiner Partei und die sinkenden Umfragewerte sprechen.

Scholz versuchte stattdessen, diese Debatte mit seinem Mantra “Wir blicken jetzt nach vorne” zu übergehen – doch anderen Studiogäste ließen ihm das nicht durchgehen.

Ein paar “Sachen”, ein paar Probleme

“Ja”, gab Scholz zu, der Machtkampf zwischen Martin Schulz und Sigmar Gabriel habe der Partei geschadet. 

Schulz hatte Gabriels Außenministerposten für sich beansprucht. Gabriel zitierte daraufhin in einem Interview wütend seine Tochter, die Schulz als “Mann mit den Haaren im Gesicht” beschrieben habe.

Scholz sagte, es gebe da auch “einige Sachen”, die die Sozialdemokraten wohl ändern müssten, damit es wieder klappe mit dem Einzug ins Kanzleramt.

► Scholz hielt bei “Illner” weiter an seiner Vorstellung fest, die SPD könne bei der nächsten Bundestagswahl den Kanzler stellen – während es in den Umfragen derzeit nur nach unten geht und die AfD immer näher an die Werte der SPD heranrückt. 

Bis ein Sozialdemokrat aber wieder Kanzler sein kann, müssen die SPD-Mitglieder zunächst über den Koalitionsvertrag abstimmen. Bis dahin müsse die Partei über Inhalte, nicht über Personen sprechen, betonte Scholz.

“Welt”-Journalistin gibt Kontra

► Hier wurde die “Welt”-Journalistin Claudia Kade deutlich: “Wenn Sie sagen, Sie wollen über Inhalte sprechen”, sagte Kader an Scholz gerichtet, “dann sollten Sie die Personalfragen vorher klären, solange können Sie diese Debatten nicht für beendet erklären.”

Tatsächlich bricht die Diskussion, wer es von den Sozialdemokraten wohl ins neue Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schafft, nicht ab. Erst am Mittwochabend hatte sich etwa die geschäftsführende Familienministerin Katarina Barley als Ministerin ins Gespräch gebracht.

► Scholz ging auf Kades Einwand nicht ein, sondern lächelte die Journalistin lediglich süffisant an.

“Wollen die Leute nicht wissen, wer Minister wird?”, fragte Illner den kommissarischen SPD-Chef. Der verwies nur auf die “sehr guten Minister” im aktuellen Kabinett.

► Das klang nicht nach Erneuerung, wie auch Journalistin Kade bemerkte.

“Erneuerung kann auch in einer Regierung gelingen”

Scholz begann dann – ein wenig in einem jammernden Tonfall – über die Erfolge im Koalitionsvertrag zu sprechen, die in der öffentlichen Wahrnehmung bei all dem Chaos untergehen würden. “Es gibt niemanden, der nicht sagt, da hat die SPD viel für die Bürgerinnen und Bürger erreicht”, betonte er.

Er begann aufzuzählen: Erwerbsminderungsrente, Sozialwohnungen, Erhöhung des Kindergeldes. Illner warf ein: “Bitte nicht alles aufzählen!”

► Scholz wollte jedoch klarstellen: Eine strukturelle Veränderung in Deutschland sei erst möglich, “wenn die SPD das Kanzleramt stellt, wenn sie aus der nächsten Wahl als stärkste Partei hervorgeht.”

Neben Scholz saß Juso-Mitglied Wolfgang Gründinger, der an dieser Stelle widersprach: Es gebe keinen Automatismus, aus einer Regierung gestärkt herauszugehen.

Der aktuelle SPD-Vorsitzende hatte als einzige Antwort nur parat: “Erneuerung kann auch in einer Regierung gelingen, das hat Willy Brandt 1966 bis 1969 (in der ersten großen Koalition, Anm. d.Red.) vorgemacht.”

Wie diese Erneuerung – personell und programmatisch – aussehen soll, für diese Herausforderung hatte Scholz an diesem Abend keine Lösung im Gepäck. 

 (sk)