POLITIK
09/03/2018 09:44 CET | Aktualisiert 09/03/2018 19:57 CET

"Illner": Beim Tafel-Talk zeigt Grünen-Chefin CDU-Mann den Mittelfinger

"Das ist doch unfair!"

  • Maybrit Illner hat mit ihren Gästen am Donnerstag die Frage diskutiert: “Streit um die Tafeln – wenn die Hilfe nicht für alle reicht”
  • Vor allem Grünen-Chefin Annalena Baerbock und JU-Chef Paul Ziemiak stritten mehrfach miteinander
  • Die Szene aus der Sendung seht ihr im Video oben

Der Streit um die Essener Tafel hält an. Seit dem Aufnahmestopp für Menschen mit ausländischem Pass diskutieren Medien, Politiker und Ehrenamtliche darüber, ob die Entscheidung richtig war.

Auch Moderatorin Maybrit Illner will am Donnerstagabend bei ihrer Sendung im ZDF den Fall noch einmal verhandeln. Wie zu erwarten, wird es eine hitzige Diskussion.

Besonders die Grünen-Chefin Annalena Baerbock und der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak, geraten im Verlauf des Abends immer wieder heftig aneinander – bis Baerbock dem CDU-Mann nicht ganz ernst gemeint den Mittelfinger zeigt, um etwas klarzustellen.

Zu Gast bei “Maybrit Illner”: 

► Leni Breymaier, Vorsitzende der SPD Baden-Württemberg

► Annalena Baerbock, Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen

► Friederike Sittler, Initiatorin der Aktion “Laib und Seele”

► Paul Ziemiak, Vorsitzender der JU

► Rudi Löffelsend, Caritas Flüchtlingshilfe Essen

► Bernhard Matheis, CDU-Bürgermeister von Pirmasens

Baerbock und Ziemiak: Nie einer Meinung

Gleich zu Beginn wird klar: Baerbock und Ziemiak nehmen – wenig überraschend – beim Streit um die Essener Tafel ganz unterschiedliche Positionen ein.

Die Grünen-Chefin betont: “Es geht um ein grundsätzlicheres Problem: Warum kommen so viele an die Tafeln?” Sie hält die Armut in Deutschland für das eigentliche Problem – und Moderatorin Illner verspricht mehrmals in der Sendung, darüber ausführlich reden zu wollen.

Zunächst aber dreht sich das Gespräch der “Illner”-Runde vor allem um Flüchtlinge – und die Entscheidung der Tafel, vorerst keine Flüchtlinge mehr aufzunehmen.

Ziemiak verteidigt den Schritt. Die Anfeindungen gegen die ehrenamtlichen Helfer der Tafel fand er “unsäglich”. Der JU-Chef hält die Unterscheidung zwischen “deutschem oder ausländischen Pass” zwar nicht für richtig, sagt aber auch: Es habe an der Tafel – wie auch ein Einspieler zeigt – eben Probleme gegeben.

Screenshot
Baerbock zeigt den Mittelfinger – um etwas zu demonstrieren. 

Die Essener Tafel und der Mittelfinger

In einer Videoaufnahme hatten Besucher und Mitarbeiter der Essener Tafel von Beschimpfungen und Rangeleien an der Ausgabe erzählt.

► Eine Mitarbeiterin schildert, jemand habe ihr den Mittelfinger gezeigt, weil es keine Brötchen aus Weißmehl gegeben habe.

Der Mittelfinger sollte noch wichtig werden. Ziemiak kommt später in der Sendung auf die Aussage dieser Mitarbeiterin zurück.

Dann zeigt Baerbock Ziemiak den Finger

Moderatorin Illner schildert noch einmal, wie sich Tafel-Chef Jörg Sator in einigen Interviews über Flüchtlinge geäußert hatte. Eine fehlende “Anstellmentalität” und überzogene Erwartungshaltungen attestierte er ihnen.

“Gerade junge männliche Flüchtlinge benehmen sich daneben”, fasst Illner die Position Sartors zusammen. “Sind wir Alteingessenen eigentlich immer so ein gutes Vorbild?”, will die Moderatorin von Ziemiak wissen.

► Ziemiak verweist auf den Einspieler: “Wenn einer sich nicht anstellen kann, wenn einer da den Mittelfinger zeigt, wie das da gezeigt wurde, dann hat der da nichts zu suchen”, betont der JU-Chef.

Hier unterbricht ihn Baerbock: “Darf ich da mal kurz was fragen? Warum muss dann der Nachbar auch raus?

► Ziemiak dreht sich zu ihr um, Baerbock spricht weiter: “Wenn Sie mir jetzt den Mittelfinger zeigen”, sagt sie, und zeigt Ziemiak kurz den Mittelfinger, “warum muss ich dann auch raus, nur weil ich die gleiche Nationalität habe? Das ist doch unfair!”

Ziemiak blickt Baerbock sprachlos an, er blickt zu Illner, schaut wieder zu Baerbock und grinst dann. “Aber das habe ich doch gar nicht gesagt!”, protestiert er und verlangt von Baerbock, ihm keine Aussagen in den Mund zu legen

Ihm gehe es um konkrete Gruppen von Menschen in den Tafeln, die sich nicht benehmen könnten. Nicht um Menschen bestimmter Nationalität.

Bekommen Flüchtlinge zu viel?

Auch im weiteren Verlauf der Sendung geht es hitzig zu bei der Frage: Kriegen Flüchtlinge zu viel vom deutschen Staat? CDU-Bürgermeister Bernhard Matheis sagt, das sei “eindeutig nicht” der Fall.

► Auch Ziemiak betont: “Es ist nicht mehr und auch nicht zu viel. Es reicht ganz, ganz knapp zum Leben.” Er halte es aber für wichtig, dass die Flüchtlinge nach ihrer Ankunft vor allem Sachleistungen erhalten sollen. Es sollte “möglichst wenig Anreize” geben, “dass Mittel ungebunden ausgeben werden”.

Sein Argument: Manche Menschen würden Geld an ihre Angehörigen schicken – und am Ende des Monats bleibe zu wenig übrig und Flüchtlinge gingen an die Tafel.

“Deutschland first!”

“Was bleibt denn da übrig?”, fragt SPD-Politikerin Leni Breymaier empört. Sie gibt Ziemiak auf Nachfrage Recht, dass Flüchtlinge Geld in die Heimat schicken würden, hält die Sozialleistungen in Deutschland aber allgemein für gering. 

Auch die rbb-Journalistin und Initiatorin von “Laib und Seele”, Friederike Sittler, greift Ziemiak dann an: “Was ist das für ein Menschenbild? Die deutsche Rentnerin darf sparen und an die Tafeln gehen, um der Enkelin etwas abzugeben. Aber der Flüchtling kriegt nur Sachleistungen, weil unser deutsches Geld nicht ins Ausland soll.”

► Die brachte ihre Kritik auf die knappe Formel: “Deutschland first steht für mich nicht in den Menschenrechten.”

Ziemiak wies zurecht daraufhin, dass die Sachleistungen nicht für alle Flüchtlinge gelten sollten – sondern nur für Neuankömmlinge. “Von Deutschland first kann keine Rede sein!”, stellte Ziemiak klar.

Fazit: 

Die Gäste bei “Illner” stritten leidenschaftlich über den richtigen Umgang mit Flüchtlingen, verstanden sich manchmal falsch, griffen zu trumpschen Floskeln oder ihrem Mittelfinger – eine konkrete Antwort auf die Armut im Land blieben sie aber schuldig. 

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(ben)