POLITIK
09/11/2018 08:17 CET

"Maybrit Illner": Kramp-Karrenbauer gerät wegen Homo-Ehe-Aussage unter Druck

FDP-Mann Kubicki bei "Maybrit Illner": "Wenn die Union Wahlen gewinnen will, wird sie Merz wählen."

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer bei "Maybrit Illner".
  • In ihrer Sendung am Donnerstagabend hat sich Maybritt Illner der politischen Zukunft Deutschlands gewidmet.
  • Unter anderem mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, die im Rennen um den CDU-Parteivorsitz steht, diskutierte Illner über das Thema “Was folgt auf Merkel?”.

Wie sieht die politische Landschaft in Deutschland nach der Ära Merkel aus? Maybrit Illner hat in ihrem TV-Talk am Donnerstagabend einen Blick in die Zukunft gewagt.

Geladen hatte sie daher die amtierende CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer, die sich um die Nachfolge Angela Merkels als Parteivorsitzende bewirbt.

So ging es in der Sendung zum größten Teil um das Profil der Bewerberin, die als enge Vertraute der Kanzlerin und Vertreterin ihres Kurses gilt.

Bereits zu Beginn richtete Illner die Frage an Kramp-Karrenbauer, ob ihre Kandidatur mit Hinblick auf einen Neuanfang nicht eher langweilig sei.

Karrenbauer entgegnete:

“Nein, sie ist ganz und gar nicht langweilig. (...) Wir sind in der glücklichen Position, dass es unterschiedliche Kandidaten mit unterschiedlichen Profilen und Vorstellungen gibt.”

Auch auf die Frage der ZDF-Moderatorin, ob Kramp-Karrenbauer Kanzlerin könne, antworte sie diplomatisch:

“Also zuerst einmal ist es so, dass wie eine Kanzlerin haben. Und solange sie die Mehrheit der Unionsfraktion und der SPD-Fraktion im deutschen Bundestag hinter sich hat, wird sie auch Kanzlerin bleiben.”

Über die Möglichkeit einer Kanzlerschaft als Parteivorsitzende sei sie sich bewusst, letztlich liege dies aber in der Hand der Wählerinnen und Wähler.

So souverän Kramp-Karrenbauer mögliche Konflikte umschiffte, kampfeslustig wirkte sie nicht.

Kubicki: Wenn die Union Wahlen gewinnen will, wählt sie Merz

Das bemerkte auch der stellvertretende FDP-Vorsitzende Wolfgang Kubicki, der neben Juso-Chef Kevin Kühnert, der Linken-Politikerin Janine Wissler und dem Autor Michael Spreng platz am Diskussionstisch genommen hatte.

Kubicki giftete:

“Wenn die Union Wohlbefinden haben will, wird sie Frau Kramp-Karrenbauer wählen. Wenn sie Wahlen gewinnen will, wird sie Friedrich Merz wählen. Wenn sie nicht gewinnen will, find ich das auch gut.”

Auch der Journalist und ehemalige CDU-Berater Michael Spreng attestierte Kramp-Karrenbauer, dass sie zwar die “Kandidatin der Herzen” sei, Friedrich Merz aber “der Kandidat der Machtvernunft”.

Kramp-Karrenbauer vergleicht Öffnung der Ehe mit Inzucht?

Später am Abend griff Spreng Kramp-Karrenbauer dann noch schärfer an.

In Bezug auf die gleichgeschlechtliche Ehe, der sich die Generalsekretärin verweigert hatte, kritisierte er:

“Frau Kramp-Karrenbauer hatte ja gesagt, wenn man das mache, dann könnten auch Forderungen aufkommen wie nach Polygamie, der Ehe mit mehreren Partnern, oder Ehe unter Verwandten”.

► An dieser Stelle wäre es an der Zeit klarzustellen, ob sie die gleichgeschlechtliche Ehe damals wirklich mit “Polygamie und Inzucht” vergleichen wollte.

Das hatte sie mehrfach getan, etwa in einem Interview im Jahr 2015.

Kramp-Karrenbauer revidierte ihre Aussage nicht. Dies sei ein “ordnungspolitisches Argument” für sie.

Denn nehme man die “Geschlechtlichkeit” als Kriterium einer Ehe weg, so würde nach ihrer Ansicht Raum für weitere Möglichkeiten geschaffen.

“Das war meine Position. Das ist meine Position”, hielt sie fest.

Juso-Chef Kevin Kühnert sagte, dass man gerade an diesem Thema merke, “mit welcher Partei man es bei der Union immer noch zu tun” habe.

“Mit Verlaub und bei aller Sympathie” sagt Kühnert: Bei den “Windungen und Wendungen”, die er als schwuler Mann zum Thema Eheöffnung und deren Auswirkungen gehört habe, fühle er sich “befremdet”.

Schließlich käme das von einer Partei, die ja behaupten würde, sich zu modernisieren.