POLITIK
27/11/2018 20:02 CET

Starke Auswirkungen auf Deutschland: Macron präsentiert Energieplan

Auf den Punkt

POOL New / Reuters
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron

Es ist eine kleine Revolution für Frankreich. Präsident Emmanuel Macron will die Atomkraft beträchtlich zurückfahren – wenn auch später als noch in der Vergangenheit angekündigt. Die Pläne sind Teil seiner Umwelt- und Energiestrategie.

Dazu muss man wissen: Derzeit bezieht Frankreich etwa Dreiviertel seines Stroms aus der Kernenergie, so hoch ist der Anteil in keinem anderen Land der Welt. Jahrzehntelang pflegte die Regierung eine sehr Atomkraft-freundliche Politik. Mit dem Mantra bricht Macron nun – wenn auch nur zaghaft. Er will den Anteil der Kernenergie bis 2035 auf 50 Prozent reduzieren und dazu auch mehrere Atommeiler schließen.

Die umfangreichen Reformpläne Frankreichs im Energiesektor werden wohl auch massive Auswirkungen auf Deutschland haben. Wie diese und die Pläne Macrons aussehen – auf den Punkt gebracht.

Wie Macrons Energiestrategie aussieht:

► Macrons Energiestrategie sehe laut HuffPost Frankreich vor, im Zeitraum 2025 bis 2035 insgesamt 14 Atomreaktoren zu schließen. Er bestätigte damit bisherige Ankündigungen aus der Regierung, wonach der Zeitplan für eine Energiewende hin zu weniger Atomstrom gestreckt wird.

► Das gesetzliche Ziel, den Atomanteil an der Stromproduktion auf 50 Prozent zu senken, ist aber auf 2035 verschoben worden – zunächst war von 2025 die Rede gewesen. “Die Verminderung des Nuklearanteils ist nicht der Verzicht auf die Nuklearenergie”, betonte Macron. Dabei dürfte er auch die sozialen Folgen im Blick haben: Landesweit sollen 220.000 Menschen in der Atom-Industrie arbeiten.

► Macron bekräftigte zudem, dass die Kohlekraftwerke des Landes schon bis 2022 geschlossen werden sollen.

► Gleichzeitig sagte der Staatschef zu, die Förderung erneuerbarer Energien von derzeit 5 Milliarden Euro “auf 7 bis 8 Milliarden Euro pro Jahr” zu erhöhen. Macron will bis 2030 die Leistung von Windkraftanlagen verdrei- und die von Photovoltaikanlagen verfünffachen. 

► Ursprünglich gehörte auch eine Erhöhung der Mineralölsteuer zu Macrons Umweltstrategie. Angesichts der seit Mitte des Monats andauernden Massenproteste gegen die Steuererhöhungen auf Diesel und Benzin hat Frankreichs Präsident nun aber eine Kurskorrektur angekündigt. Die Kraftstoffsteuern sollen nun künftig an die Entwicklung des Weltmarktpreises für Öl gekoppelt werden.

► Die folgende Karte der französischen Ausgabe der HuffPost zeigt die Lage, das Alter und die Leistung der insgesamt 58 französischen Atomreaktoren an den derzeit 19 Standorten:

Legende: Die Farben zeigen das Alter des Atommeilers: rot – älter als 30 Jahre; orange - zwischen 20 und 30 Jahre alt; grün – zwischen 10 und 20 Jahre alt; braun – Anlagen, die älter als 30 Jahre alt sind und die laut Macron abgeschaltet werden sollen. Die Formen entsprechen der Leistung: Quadrat (weniger als 2000 Megawatt), Raute (2000 bis 3000 Megawatt), Kreis (3000 bis 4000 Megawatt), ) und Stern (mehr als 5000 MW).  

Welche Auswirkungen Macrons Pläne für Deutschland haben:

► Frankreich ist aufgrund seiner sehr niedrigen Erzeugungskosten (bedingt durch den großen Anteil Kernenergie) der weltweit größte Nettoexporteur von Strom. Das Land ist zudem einer der Vorreiter in der Kerntechnik, Reaktoren und insbesondere Brennstoffprodukte und sind ein wichtiges Exportgut. 

► Aus deutscher Sicht ebenfalls wichtig: Macron will das umstrittene Atomkraftwerk Fessenheim im Elsass, dass nur wenige Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt steht, im Sommer 2020 endgültig abschalten. Kritikern gilt der älteste Atommeiler Frankreichs schon seit Jahrzehnten als Sicherheitsrisiko. Und: Das Kraftwerk sollte eigentlich schon 2016 vom Netz.

► Auch deshalb ist Macrons Ausstiegsszenario weit weniger ambitioniert als Umweltschützer erhofft hatten.

► Dazu bemängelte die Grünen-Atomexpertin im Bundestag, Sylvia Kotting-Uhl, es gebe bei Marons Atomplänen zum zweiten grenznahen Atomkraftwerk Cattenom “keine konkrete Aussage”. Dieses Kraftwerk ging 1986 an Netz und gilt ebenfalls als sehr störanfällig.

► Frankreichs neue Energiestrategie in jedem Fall Auswirkungen auf den deutschen Strommarkt haben: Neben Österreich ist Frankreich der wichtigste Stromexporteur für den deutschen Markt. Diese beiden Länder gehören auch umgekehrt zu den größten Stromabnehmern Deutschlands.

► Laut dem Frauenhofer Institut verkaufte Deutschland in diesem Jahr bisher 11,6 Terawattstunden Strom nach Frankreich und kaufte von dort 5,8 Terawattstunden. 

► Eine Verschiebung der Energieträger in Frankreich könnten so mitunter auch massive Auswirkungen auf den Strommarkt der Bundesrepublik haben – einerseits, weil vergleichsweise preiswerter Atomstrom aus Frankreich wegfällt und andererseits, weil Deutschland, wie schon mitunter in der Vergangenheit als in Frankreich viele Meiler ausfielen, mehr Strom ins Nachbarland exportieren kann. 

Michele Tantussi via Getty Images
Das französische Atomkraftwerk Fessenheim steht direkt am Rhein.

Frankreichs Energieplan auf den Punkt gebracht:

Frankreichs Präsident kündigte an, sukzessive über ein Dutzend Atomkraftwerke abzuschalten. Denn ab 2035 soll nur noch die Hälfte des französischen Energiemixes aus Kernkraft bestehen – das ist aber nach wie vor ein enormer Anteil. 

Bereits in der Vergangenheit hatte sich gezeigt, dass bei verminderter Leistung der französischen Reaktoren Deutschland einspringen musste. Das heißt: Der Strommarkt der Republik muss sich in jedem Fall umstellen.  

Mit Material vom dpa.