POLITIK
13/12/2017 08:10 CET | Aktualisiert 13/12/2017 08:13 CET

"Kinder werden mit Judenhass großgezogen": Journalist erklärt bei "Lanz", wie Antisemitismus unter Muslimen bekämpft werden kann

Schärfere Gesetze seien nicht der richtige Weg, sagte Elmar Theveßen.

Screenshot / ZDF
Elmar Theveßen bei "Markus Lanz" am Dienstagabend.
  • Der ZDF-Journalist Elmar Theveßen hat sich bei “Markus Lanz” gegen eine Gesetzverschärfung bei Flaggenverbrennungen ausgesprochen
  • Er erklärte, was wirklich getan werden sollte, um Judenhass bei Muslimen zu begegnen

Seit der umstrittenen Jerusalem-Entscheidung von US-Präsident Donald Trump diskutiert Deutschland wieder einmal über den Antisemitismus in der Gesellschaft.

Am Wochenende hatten Demonstranten bei pro-palästinensischen Protesten ihre Wut gegen die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA gezeigt. Sie verbrannten israelische Flaggen und riefen antisemitische Parolen.

Politiker mehrere Parteien forderten daraufhin eine strenge Antwort und verlangten härtere Gesetze bei Fahnenverbrennungen

Aber ist das der richtige Weg, um dem Antisemitismus auf den deutschen Straßen zu begegnen? Journalist Elmar Theveßen war in der ZDF-Sendung “Markus Lanz” am Dienstagabend anderer Meinung.

“Da werden Kinder mit Judenhass großgezogen”

Theveßen hat sich für die ZDF-Dokumentation “Das Drehbuch des Terrors - Wie gefährlich sind Europas Islamisten?” intensiv mit Islamismus beschäftigt. 

Die Politik müsse gegen die “Geisteshaltung” vorgehen, die hinter dem Antisemitismus stecke, der sich am Wochenende auf den Demonstrationen gezeigt hat. “Das geht nur, wenn man das Engagement, den Kontakt, die direkte Konfrontation sucht”, sagte Theveßen in der Sendung.

Die Regierung könne sich mit einer bloßen Gesetzesverschärfung nicht aus der Verantwortung stehlen, das Gespräch zu suchen. Denn das Problem sitze tiefer - und beginne früh im Kindesalter.

“In Berlin und anderswo in Deutschland kann man den Hisbollah-Fernsehkanal empfangen. Über den werden Verschwörungstheorien und das Schlimmste verbreitet, das über Juden zu sagen”, sagte Theveßen. Die Hisbollah ist die schiitische Terror-Organisation im Libanon - und ein Erzfeind des israelischen Staates.

“Da werden Kinder schon im Kinderprogramm in einen Judenhass hineinerzogen”, erklärte der Journalist. Daher sei es so wichtig, mit den Familien und Kindern den Kontakt zu suchen.

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Markus Lanz ist skeptisch

Hier warf Moderator Markus Lanz ein: “Waren wir in den vergangenen Jahren dann nicht hoffnungslos naiv? Und was macht uns so sicher, dass die Integration dieses Mal besser klappt?”

Die in Berlin lebende Autorin Deborah Feldman hatte zuvor gesagt, die anti-jüdischen Vorurteile würden bei Muslimen auch zur Abgrenzung vom Rest der Gesellschaft dienen.

Diesen Gedanke griff Theveßen wieder auf, um Lanz’ Frage zu beantworten. Die muslimische Gemeinschaft fühle sich benachteiligt und ausgegrenzt. “Umso mehr haben sie dann das Bedürfnis, andere zum Opfer zu machen”, bekräftigte Theveßen.

“Es geht am Ende nur, miteinander umzugehen. Eine islamische, jüdische und christliche Gemeinde zusammenbringen.”

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(jg)