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08/11/2018 18:15 CET

Markus Lanz zeigt in Doku: Das bedeutet "Heimat" für die Deutschen

Der Riss durchs Land scheint tief zu gehen.

ZDF
Markus Lanz besuchte für seine Dokumentation Menschen aus verschiedenen Teilen Deutschlands. 
  • Für seine ZDF-Dokumentation bereist Markus Lanz Deutschland.
  • Er trifft sich mit Menschen unterschiedlicher Herkunft und Schichten, um mit ihnen darüber zu sprechen, wie sie ihr Land erleben.

Deutschland scheint zerrissen: Während über 80 Prozent der hierzulande Lebenden in Umfragen angeben, mit ihrem Leben grundsätzlich zufrieden zu sein, fühlen sich dennoch viele Menschen abgehängt und blicken pessimistisch in die Zukunft. 

Wie sich die widersprüchlichen Gefühle auf Deutschland auswirken und ob dieses Land von seinen Einwohnern überhaupt noch als Ort der Heimat wahrgenommen wird, erforscht Markus Lanz in der ZDF-Dokumentation “Markus Lanz – Deutschland! Gespräche über Einigkeit und Recht und Heimat”. 

Die ZDF-Doku zeigt: Der Riss durchs Land geht tief

In der Sendung reist Lanz mit einem Kamerateam durch Deutschland, spricht unter anderem mit Kohlearbeitern im Ruhrgebiet, Adligen in Bayern und Aussteigern in Mecklenburg-Vorpommern.

Gemeinsamkeiten lassen sich zwischen diesen so verschiedenen Menschen kaum finden: Der Riss durch unser Land scheint tief zu gehen.

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Lanz’ erste Station ist das Ruhrgebiet – aufgrund seiner wirtschaftlichen Kraft die einstiege Vorzeige-Region Deutschlands.

Seit Abbau der Kohleindustrie befindet sich der Ruhrpott allerdings im Niedergang: Die dortige Arbeitslosenquote befindet sich bei fast neun Prozent, das ist höher als in Ostdeutschland

Von der Politik sind die Menschen enttäuscht – auch von der AfD

Von der Politik zeigen sich die Menschen, mit denen Lanz spricht, enttäuscht, von der Wirtschaft abgehängt. Ein Bauhelfer erklärt, er hätte bei der letzten Wahl deshalb AfD gewählt – aber auch diese Partei hätte ihn enttäuscht: 

“Die haben keine Ahnung, die haben nur noch gesagt: ‘Ausländer raus, Ausländer raus’, aber die sind ja alle gar nicht gleich.”

Dem Mann ist es wichtiger, dass sich die Parteien wieder auf “den kleinen Mann” konzentrieren würden – eine Abneigung gegen Ausländer spielt dabei keine Rolle. Zu Hause fühlt er sich am meisten im Ruhrpott – er sei wohl mal ein Jahr nach Hessen gezogen, aber: “Da ist es genau dasselbe.”

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Markus Lanz spricht mit einem Arbeiter im Ruhrgebiet. 

Ein Heimatgefühl, das aus der Hoffnungslosigkeit geboren wird. Für viele Menschen, die in der Dokumentation zu Wort kommen, bietet das Ruhrgebiet keine Chancen mehr.

Vor allem die Kohlearbeiter fühlen sich vom Abbau der Kohleindustrie bedroht – weil damit auch der Verlust eine Kultur einhergeht, wie ein Arbeiter im Gespräch mit Lanz betont. Die Heimat verlassen kommt für die meisten von ihnen dennoch nicht infrage, zu tief liegen die Wurzeln.

Das System zerstören, um neu anzufangen – die einzige Lösung für manche

Anders war es für Svenja aus Schleswig-Holstein: Ihre Verzweiflung über die deutschen Verhältnisse trieben sie so weit, dass sie der bürgerlichen Gesellschaft weitgehend den Rücken kehrte.

Mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern lebt sie nun, gemeinsam mit anderen Familien, in einer Art Kommune in Mecklenburg-Vorpommern.

Arbeiten geht Svenja nicht. Der Grund dafür sind nicht nur ihre Kinder – sondern auch eine Art Protesthaltung gegen die Migrationspolitik:

„Wofür soll ich mir den Arsch Wundarbeiten, wenn die (Flüchtlinge, Amn. d. Red.) sowieso finanziert werden? Dann kann ich es doch genauso machen.“

Svenja sieht in ihrem Heimatland keine Hoffnung mehr, in ihrer Kommune hätte sie wenigstens Menschen um sich, auf die sie sich verlassen kann, sagt sie zu Lanz in der Dokumentation. 

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Svenja kapselt sich von der Gesellschaft ab.

Obwohl die junge Mutter einerseits bemängelt, auf Deutschland nicht stolz sein zu dürfen, ohne in die Nazi-Ecke gedrängt zu werden, findet sie auf Nachfrage von Lanz keinen Aspekt mehr an Deutschland, den sie wirklich schätzt.

Ihr Lösungsansatz, um Deutschland zu retten, ist: Das System zerstören, “auf Reset drücken”, um alles neu aufzubauen.

Lanz bemerkt dazu in Hinblick auf Svenjas Haltung: “Mein Deutschland ist ein völlig anderes als deins”. “Weil wir von oben angeguckt werden”, antwortet die junge Frau. Und hat damit gar nicht Unrecht.

“Das ist schon toll, dieses zusammengewachsene Europa”

Im Vergleich zu Svenja und ihrer Familie leben die Adligen der Familie von Trebra-Lindenaus aus Bayern in einem vollkommen anderen Deutschland: Familienvater Clemens von Trebra-Lindenau spricht in der Dokumentation begeistert darüber, wie positiv sich sein Heimatland gewandelt habe.

Das erläutert er am Beispiel seiner beiden Urgroßonkels, die im Ersten Weltkrieg gefallen seien:

“Die beiden Urgroßonkels sind in Frankreich gefallen und unsere Kinder machen ‘échange’ in Frankreich und haben französische Freunde – zwei Generationen später. Das ist schon toll, dieses zusammengewachsene Europa.”

Die Adelsfamilie sieht sich in ihrer Heimat tief verwurzelt, ihre Ländereien bewohnen sie seit zehn Generationen. Obwohl sie doch einen so starken Kontrast zu den Arbeitern im Ruhrpott oder Menschen wie Svenja aus Mecklenburg-Vorpommern bilden, tragen auch sie zum deutschen Gesamtbild bei. 

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Deutschland ist ein Land voller Wiedersprüche – ob diese Tatsache als Chancenvielfalt für die Zukunft oder Grund für ein weiteres Auseinanderdriften wahrgenommen wird, wird sich zeigen.

 “Markus Lanz – Deutschland! Gespräche über Einigkeit und Recht und Heimat” kommt am Donnerstag, 8. November, um 23.15 Uhr im ZDF.

(jg)