POLITIK
08/03/2018 11:48 CET | Aktualisiert 08/03/2018 19:29 CET

"Markus Lanz": SPD-Mann Thierse zeigt mit Formel Weg aus Flüchtlingskrise

Es ging darum, wie die Integration von Flüchtlingen gut gelingen kann.

  • Bei “Markus Lanz” ist am späten Mittwochabend der SPD-Politiker und ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse zu Gast
  • Als es um das Thema Flüchtlinge geht, bringt Thierse kurz und prägnant auf den Punkt, wie deren Integration gelingen soll
  • Im Video oben: “Dann geben wir unser Land auf” – Bosbach wütet bei Lanz gegen Flüchtlinge

Einfache Antworten, sagt Wolfgang Thierse, würden in der Politik nicht reichen. Der SPD-Politiker sitzt im ZDF-Talk “Markus Lanz” und diskutiert darüber, wie die AfD das Land verändert habe. 

Eben durch diese einfachen Antworten, die sie den Menschen verspreche, mit Populismus, sagt Thierse. “Vielleicht müssen die auch nie was von einer Sache verstehen, wenn die Provokationen reichen”, sagte der ehemalige Präsident des Bundestags. 

“Weil deren Wähler halt nicht unbedingt sachliche Alternativen von ihnen erwarten.” Sondern eben: Einfache Antworten. Und das vor allem auf die Flüchtlingskrise

Auch auf diese kommt Thierse bei “Lanz” zu sprechen. Der SPD-Politiker glaubt zu wissen, wie die Integration der Flüchtlinge in Deutschland gelingen kann. Nicht mit einfachen Antworten, aber anhand einer einfachen Formel – deren Kern Thierse in zwei Sätzen zusammenfasst. 

Thierse: “Natürlich war das ein Fehler”

Thierse trug diese Formel als Antwort auf die aufgebrachte Anmerkung des ARD-Moderators Reinhold Beckmann vor, der bemängelt hatte, dass die Ehrenamtlichen in Deutschland damit überfordert seien, die Integration der Flüchtlinge alleine stemmen zu müssen. 

“Da entsteht Erschöpfung und Frustration, weil die Politik nicht zur Seite gestanden hat”, sagte Beckmann – und erhielt Zuspruch von Thierse. 

“Die große Aufgabe, die wir Integration nennen, ist eine doppelte Aufgabe”, sagte der 74-Jährige. Um sie zu meistern, brauche es einen doppelten Blick, den Thierse in zwei Sätzen so zusammenfasste: 

 “Erstens: Die zu uns Gekommenden, wenn sie hierbleiben, sollen heimisch werden können im bisher fremden Land.” 

► “Zweitens: Den Einheimischen soll das eigene Land nicht fremd werden.”  

Das werde die große Herausforderung werden, glaubt Thierse. Und fügt hinzu: “Natürlich war es ein Fehler, nach der großen Öffnung nicht sofort zu sagen, dass das eine Herausforderung für den Staat und die Bürger ist.” 

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Thierse: “Die große Freude, das ist nicht der Alltag”

Es sei tatsächlich so, dass die Zivilgesellschaft Fehler und Versäumnisse des Staates ausgeglichen habe. Und der Staat komme nun erst nach und nach hinterher. 

Thierse schließt ab mit einem Vergleich. Er habe sich sehr über die Willkommenskultur in Deutschland gefreut. “Aber dann kam mir eine Erinnerung in die Quere.” 

Nämlich die an die Öffnung der innerdeutschen Grenze. Die große Freude, mit der die Ostdeutschen begrüßt wurden, sagt Thierse, “da war mir damals schon klar: Das ist nicht der Alltag.” 

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Die herzliche Willkommenskultur sei schön und das Engagement der Menschen groß, aber eben nicht von ewiger Dauer. Es müsse wieder staatliche Routine geben, Regeln und Begrenzungen. 

Und eben nicht bloß: Einfach Antworten. 

(mf)