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07/09/2018 07:26 CEST | Aktualisiert 07/09/2018 07:38 CEST

"Markus Lanz": Nach dem Länderspiel platzt Ewald Lienen der Kragen

"Wir haben den Fußball kaputt gemacht", schimpfte er in der Sendung.

Screenshot / ZDF
"Markus Lanz": Lienen in Rage. 
  • Im Anschluss an das erste Spiel der Deutschen Nationalmannschaft nach der WM-Pleite hat der ZDF-Moderator “Markus Lanz” zum Fußball-Talk geladen.
  • Es entbrannte eine Diskussion über Kommerz im Fußball – auch der Fall Özil kochte nochmal hoch.

Auf ein nüchternes 0:0 beim Einstandspiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft beim Auftakt des neuen UEFA-Turniers Nations League folgte am Donnerstagabend bei Markus Lanz eine ernüchternde Debatte über die Entwicklung des Fußballs an sich.

Über das erste Spiel des deutschen Teams nach dem miserablen Abschneiden bei der WM wurden im ZDF bei “Markus Lanz” nur wenige Worte gewechselt. Von leidenschaftlichem Fußball-Talk also keine Spur.

Vielmehr zog die Kommerzialisierung des Fußballs den Zorn von Studiogast und Ex-Trainer Ewald Lienen auf sich. Auch den Fall Özil wärmten die Gäste wieder auf. 

Die Gäste bei “Markus Lanz”:

Patrick Owomoyela: Ex-Fußballprofi

Ewald Lienen: Ex-Fußballtrainer

Marcel Reif: Journalist

Katja Kraus: Ex-Fußballprofi

Michael Horeni: Journalist

Keine Begeisterung bei “Markus Lanz”

Es sei die “persönliche Bestleistung” der Deutschen Nationalmannschaft dieses Jahres gewesen, fasste ein Twitternutzer das Unentschieden sachlich zusammen.

Nicht schlecht, oder? Schließlich ging es gegen Weltmeister Frankreich.

Doch Begeisterungsstürme löste das erste Nations-League-Spiel des deutschen Teams auch bei Markus Lanz Gästen aus:

Die Reaktionen reichten von Marcel Reifs nüchternem Kommentar “Okay, die deutsche Mannschaft hat nicht verloren”, über Michael Horenis Zusammenfassung “Immerhin nicht verloren, hätte schlimmer kommen können”, bis hin zu einem angestrengtem “Uff” des Ex-Trainers Ewald Lienen.

Nicht das Spiel von Donnerstagabend stand bei Lanz im Fokus, sondern eine Diskussion über den Kommerz und die schwindende Fan-Nähe – sprich, die Veränderung der ganzen Fußballkultur.

Markus Lanz betrieb mit seinen Gästen Ursachenforschung

Gerade Ex-Trainer Lienen war wütend. 

So beklagte er die Last der heutigen Fußballer-Generation: “Wir überfordern die Spieler permanent”. Thomas Müller hätte an die “500 Spiele in den Beinen”. Man habe gesehen, dass er “nicht mehr derselbe” war. Nur dem Bundestrainer sei das nicht aufgefallen, wetterte der Ex-Trainer gegen Löw. 

Screenshot / ZDF
Die Runde bei "Markus Lanz". 

Er konstatierte: Man gönne den Spielern keine Pause. Immer müsse es neue Wettkämpfe geben. “Wir haben das Produkt aufgepumpt und wir machen es kaputt”, sagte Lienen.

Für Lienen stellt das neue Turnierformat der Nations League das Sinnbild der kommerziellen Ausschlachtung des Fußballs dar: “Alle Wettbewerbe werden aufgepumpt. Die Nations League ist die logische Konsequenz.”

Auch Ex-Fußballprofi Katja Krauss betonte die enorme Belastung der Sportler: “Wir überhöhen die Bedeutung dieser jungen Menschen.”

Wo bleibt der Spaß?

Seit ihrem Karriereende berät die Ex-Spielerin aktive Fußballer in der Social-Media-Vermarktung. Ihre Expertise nutzte Lanz zunächst, um die Debatte um den zurücktretenden Nationalspieler Mesut Özil aufzuwärmen.

Die Marketingberaterin Krauss rechtfertige die Tendenz der Spieler zur “Ich-AG”, was nicht verwerflich sei: “Spieler nutzen als Einzelunternehmner die Chance, ihre Karriere maximal möglich zu kapitalisieren”.

Lanz hakte nach: “Wo bleibt der Spaß?”

Kraus entgegnete, dass es sich nun mal um junge Menschen handle, die den “Höhepunkt ihrer finanziellen Karriere bereits am Anfang ihres Lebens” haben würden. Deswegen sei es “nicht verwerflich”, sich um die Zukunft zu kümmern.

Schwindende Fan-Liebe durch den Kommerz

Lanz beklagte dagegen, dass Spieler und Vereine heute nur mehr Marken wären. Er vermisse eine Nähe zu den Fans, die der Manager der Deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff, als Konsequenz der mauen Weltmeisterschaft versprochen hatte.

Kommentator Marcel Reif schloss sich Lanz an und kritisierte die “geheimen Trainingscamps”: “Wieviel geheime Raketenwissenschaft wird den Spielern denn dort eingetrichtert? Gebt doch mal paar Autogramme, zeigt euch ein bisschen... Das hätte etwas, ein bisschen Anfassbares“.

(ll)