POLITIK
16/05/2018 05:53 CEST | Aktualisiert 01/08/2018 15:30 CEST

"Markus Lanz": Marcel Reif rechnet mit Özil und Gündogan ab

"Gestern habe ich aufgegeben."

  • Bei “Markus Lanz” echauffiert sich Sportkommentator Marcel Reif über das Erdogan-Foto der deutschen Nationalspieler.
  • Die Aktion sei “ungehörig”, sagte Reif.
  • Im Video oben seht ihr das Treffen der Spieler mit Erdogan und wie Angela Merkel darauf reagiert hat.

89 Mal spielte Mesut Özil für Deutschland, 24 Mal sein Mittelfeldkollege Ilkay Gündogan. Beide stehen im vorläufigen WM-Aufgebot des DFB-Teams.

Und beide sorgen jetzt für einen Eklat: Mitten im türkischen Wahlkampf posieren die Fußballer mit dem umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Huldigen diesen im Falle Gündogan gar als “Ihrem” Präsidenten.

► Im ZDF-Talk “Markus Lanz” rechnete Fußballkommentator Marcel Reif am Dienstagabend mit den Nationalspielern ab. “Gestern habe ich aufgegeben”, sagte Reif, der die Profis sonst stets in Schutz nehme.

Warnung vor der politischen WM

Reif erinnerte daran, dass die Weltmeisterschaft in Russland ohnehin ein äußerst politisch aufgeladenes Schauspiel werde. “Diese WM findet in Putin-Country statt, ihr wisst wie man dort mit Pressefreiheit umgeht, Ostukraine, Krim, Syrien”, zählte er auf.

ZDF
Die umstrittenen Bilder von Mesut Özil, Ilkay Gündogan und Recep Tayyip Erdogan.

Das werde nun auf äußerst junge Sportler abgeladen. “Ich wollte sie eigentlich schützen davor”, erklärte der Experte. “Bitte nicht überfordern, die können die Probleme dort nicht lösen.”

Das Foto mit Erdogan jedoch brachte Reif geradezu auf.

Reif über Gündogan: “Ziemlich helle Kerze”

Gündogan halte er eigentlich für eine “ziemlich helle Kerze auf der Torte”. Lanz erinnerte: Der Deutschtürke habe ein Einser-Abitur.

Das mache die Sache noch schlimmer, stimmte Reif zu. “Was schreibt der da?”, polterte der über die Signatur des Ex-BVB-Profis auf dem Trikot Erdogans.

“Hochachtungsvoll an meinen Präsidenten”, hatte der unterzeichnet.

Mehr zum Thema: An Özil und Gündogan: Wie tief kann der deutsche Fußball sinken?

Reif überlegte: “Hilft das was, dass er zwei Staatsbürgerschaften hat? Nee, hilft immer noch nicht.”

►  Wenn es schon sein Präsident sei, weil er beide Staatsbürgerschaften habe, müsse der Fußballer zumindest wissen, für was Erdogan stehe, sagte der Kommentator und spielte damit wohl auf die massiven Menschenrechtsdefizite in der Türkei an.

►  “Das ist so ungehörig, dass es eigentlich nicht geht”, urteilte Reif.

Huth: “Integration nicht komplett gescheitert”

Auch der “Welt am Sonntag”-Journalist Peter Huth sprang Reif zur Seite. Mittelfeldspieler Emre Can habe das Treffen mit Erdogan abgesagt, berichtete er. “Das zeigt, dass das durchaus geht.” (Can findet sich nicht im WM-Kader von Jogi Löw wieder.)

►  Cans Entscheidung sei auch deshalb gut, da sie der “rechtspopulistischen Propagandamaschine die Spitze nimmt”, befand der Journalist. Die AfD hatte gefordert Özil und Gündogan aus der Nationalmannschaft zu werfen und dabei implizit die Loyalität von Spielern mit Migrationshintergrund in Frage gestellt.

“Es ist nicht so, dass die Integration komplett gescheitert ist, nur weil Herr Özil und Herr Gündogan dieses Foto gemacht haben”, fand Huth klare Worte.

(jg)