ENTERTAINMENT
04/04/2018 14:06 CEST | Aktualisiert 04/04/2018 18:44 CEST

Markus Lanz vergisst seine Gäste im Studio – und hält ausgedehnten Monolog

Und wenn der Sendeschluss ihn nicht aufhält, dann schwadroniert er noch heute.

Screenshot / ZDF
Was Markus Lanz am liebsten macht: Er redet. Und spricht. Und floskelt. Und palavert. Und schwadroniert. Und quatscht.  
  • Markus Lanz redet gern – als Moderator erweist sich diese Eigenschaft aber auch manchmal als Nachteil
  • Das war am Dienstagabend im ZDF zu sehen, oder besser: zu hören

Markus Lanz hatte sich am Dienstagabend in seiner ZDF-Sendung einige Themen vorgenommen. 

Das Unbehagen am kapitalisierten und globalisierten Fußball etwa. Oder die Schwierigkeiten, denen Lehrer in Klassen mit einem hohem Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund gegenüberstehen.

Dazu hakte der Moderator wie gewohnt konsequent nach. Und versuchte, seinen Gästen immer wieder Privates zu entlocken. 

Ab einem Moment zur Mitte der Sendung hin hatte Lanz aber offenbar keine Lust mehr, Fragen zu stellen. Er wollte auch mal seine Meinung zum Thema Integration an Schulen darstellen – und ließ sich bei seinem langatmigen Monolog nicht von einer störenden Zwischenbemerkung eines Gastes durcheinanderbringen.

Laber-Lanz schlägt zu

Vielleicht war ihm die Debatte zwischen dem Grundschullehrer und Ex-Fußballprofi Knut Reinhardt und der Ex-Lehrerin Ingrid Freimuth nicht fruchtbar genug. Die beiden stritten darüber, wie integrationsfähig Kinder von Migranten wirklich sind.

Mehr zum Thema: Warum scheitert Integration an Schulen? Zwei Lehrer streiten bei “Markus Lanz” über die wahren Gründe

Erkenntnisgewinn für die Zuschauer: so mittel. Doch dann kam Markus. Man müsse bei den Kindern früh anfangen, hatte Reinhartt noch betont.

Lanz nickte und legte los:

Ich kann einfach manchmal nicht nachvollziehen, wenn so Klagen kommen, das bezieht sich jetzt gar nicht auf Sie, sondern generell, wenn man sagt, man hat es hier mit Kindern zu tun, die sind jahrelang hier und die sprechen kein Deutsch. Dann denke ich mir immer, verdammt noch einmal, dann kümmert euch darum, dass diese Kinder rauskommen aus diesem Kokon, in dem sie gerade unterwegs sind. Sorgt dafür, dass Kindergärten verpflichtend sind, sorgt dafür, dass die Schule wirklich verpflichtend ist, dass man nicht Abwesenheiten hat von morgens bis abends, sorgt dafür, dass diese Kinder schlicht und ergreifend Deutsch lernen. Dann tun die das auch, dann funktioniert das auch, da bin ich mir hundertprozentig sicher…

Hier, das war aus dem Off zu hören, wollte sich ein Gast ebenfalls zu Wort melden. Legitim, nachdem der Moderator – das Wort kommt aus dem Lateinischen “moderare”, zu deutsch “lenken” – eine halbe Minute palavert hatte.

Lanz ließ seinen Gast jedoch nicht zu Wort kommen, sondern beendete seinen Redeschwall mit dem Argument: Kinder wollten dazugehören, sie würden sich, aus einem natürlichen Instinkt heraus, integrieren wollen.

Liebe dich selbst, so wie Lanz sich selbst liebt

Natürlich ist es auch das Recht von Lanz in seiner Sendung seine Sicht der Dinge darzulegen. Ein Moderator muss das Gespräch führen – und dazu auch einmal länger sprechen.

Doch der Moment ist bezeichnend für den Talkinator Lanz. Einem Art sprechenden Androiden, der darauf programmiert ist, seinen Gästen das zu entlocken, was er hören will. Dazu holt Lanz gerne weit aus und hält Monologe. Nach dem Motto: Wenn du es nicht sagst, sage ich es.

Oder er bohrt nach. Mechanisch. Und meist unpräsize. Zum Leidwesen seiner Gäste versteift sich Lanz gerne auf ein Themengebiet und beharrt mit seinen Fragen darauf, damit in seiner Sendung auch ja über nichts anders gesprochen wird.

Vielleicht war dieser kurze Lanz’sche Moment aber auch ein Anschauungsbeispiel, wie Selbstliebe und -akzeptanz geht: Liebe dich selbst, so wie Lanz sein eigenes Gelaber liebt.

(jg)