POLITIK
23/08/2018 07:17 CEST | Aktualisiert 23/08/2018 08:40 CEST

"Markus Lanz": Journalist geißelt Grünen-Flüchtlingspolitik – Göring-Eckardt wird laut

"Das finde ich zynisch!", wütete die Grünen-Politikerin in der ZDF-Talkshow.

  • Bei “Markus Lanz” sind die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und der Journalist Dirk Schümer aneinander geraten.
  • Der Streitgrund: die Einstellung der Grünen bei der Flüchtlingspolitik. 
  • Im Video oben seht ihr die aktuellen Umfragewerte der Grünen. 

Der Abend bei “Markus Lanz” hatte so harmlos begonnen. Die erste halbe Stunde der ZDF-Talkshow gehörte am Mittwoch dem Schauspieler Terence Hill und seinen Westernfilmen. 

Zur Mitte der Sendung aber wurde es politisch – und konfliktreich. Eingeladen waren die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt und der Journalist Dirk Schümer.

Laut Moderator Markus Lanz hatte Schümer vor der Sendung bereits angekündigt: Er wolle die Grünen mit ihren “Lebenslügen” konfrontieren. Und so dauerte es nicht lange, bis sich Göring-Eckardt und der Journalist in der Sendung stritten – über das Thema Zuwanderung und Flüchtlinge

Göring-Eckardt fordert bei “Markus Lanz” mehr Radikalität 

Schümer kritisierte, die Politik der Grünen sei nicht ausgeglichen. “Sie sagen, die Leute, die vor der Klimakrise fliehen, die müssen wir auch noch alle aufnehmen.”

“Ich finde es auch gut, wenn in Europa emissionsfrei produziert wird und emissionsfreie Autos fahren würden”, sagte Schümer. “Ich bin aber hoffnungslos, dass das irgendwann kommt.”

Göring-Eckardt hielt natürlich dagegen. Ihr Argument: Wenn Deutschland als reiches Industrieland nicht Vorreiter beim Klimaschutz ist, wer dann?

“Diese Weltgemeinschaft hat sich darauf verständigt, das machen wir gemein. Und momentan sind wir in einer Situation, wo ausgerechnet Deutschland das vergeigt”, kritisierte die Grünen-Frau. 

Die große Koalition von Union und SPD hat etwa das Klimaziel für 2020 bereits aufgegeben. Göring-Eckardt forderte hier – wie zuletzt in Interviews mehrfach – mehr Radikalität beim Klimaschutz.

Ihre Forderung: “Deswegen sage ich nicht, wir machen in Deutschland mal eine Diesel-Verordnung oder wir steigen mal ein bisschen aus der Kohle aus. Nein, das machen wir weltweit.”

Markus Lanz: Leiden die Grünen unter Größenwahn? 

Lanz legte Göring-Eckardt dann ein Zitat des deutschen Historikers Heinrich August Winkler vor: “Die Grünen leiden unter moralischem Größenwahn.”

Die Grünen-Politikerin verteidigte sich: “Je länger wir bei der Klimakrise warten, desto radikaler müssen die Antworten sein.” 

Der Klimawandel werde sonst auch zu mehr Flüchtlingen weltweit führen, sagte Göring-Eckardt. 

Hier hakte Journalist Schümer wieder ein:

“Wenn Sie sagen, wir müssen den Tatsachen ins Auge schauen: Die Leute, die über Lampedusa einreisen, kommen alle aus Ländern, in denen kein Krieg herrscht. Wenn der Kriegsgrund nicht zieht, soll es jetzt der Klimagrund sein? Da kann man doch nicht sagen, dass diese Menschen alle das Recht haben, in Deutschland zu leben.”

Screenshot / ZDF
Journalist Schümer gab bei "Markus Lanz" den Gegenpart zu Göring-Eckardt. 

Schümer wetterte dann noch gegen die Seenotrettung auf dem Mittelmeer. “Am besten wäre doch, es würde gar kein Boot losfahren, dann könnte man sich die Leute dort aussuchen. Wenn zehn Prozent elendig ersaufen, dann kann man sich doch als Retter nicht auf die Schulter klopfen und sagen, ich fahre an der Küste hin und her. Das ist doch ein zynisches Rennen, das die Weltgemeinschaft unterbinden muss.”

Mehr zum Thema: Mit dieser Grafik argumentieren Kritiker der Seenotrettung – doch sie irren sich

Eine krude Abrechnung mit den Seenotrettern. Göring-Eckardt widersprach heftig: “Ich finde zynisch, was Sie sagen.”

Was Göring-Eckardt in der Flüchtlingspolitik fordert

Die Politikerin forderte ein Einwanderungsgesetz, damit die Flüchtlinge Bescheid wissen, ob sie eine Bleibechance haben. 

Und sie sprach über die Maghreb-Staaten und das Problem, das Abschiebungen meist an den Behörden dort scheitern. “Ich möchte das Problem lösen – und das mache ich nicht, indem ich das Schild ändere und sage, das sind sichere Herkunftsländer.”

Sie kritisierte zudem den Vorschlag von Schümer, mit Militär-Schiffen zu verhindern, dass Boote mit Migranten Libyen verlassen. “Dort werden Menschen gefoltert, dort werden Frauen vergewaltigt in den Lagern. Und da sage ich nicht, die zwinge ich mit militärischen Mitteln, dass sie dort bleiben.”

Eine Lösung, was Europa stattdessen machen sollte, hatte Göring-Eckardt allerdings nicht parat. 

Am Ende von “Markus Lanz” stand eine andere Erkenntnis: Göring-Eckardt könnte sich eine Koalition aus CSU und Grüne offenbar vorstellen. Laut den aktuellen Umfragewerten vor der Landtagswahl im Oktober ist das durchaus realistisch. 

“Ich wünsche den Bayern, dass dort endlich mal eine progressive Politik passiert”, sagte Göring-Eckardt.

(ame)