POLITIK
07/03/2018 05:58 CET | Aktualisiert 08/03/2018 12:26 CET

Kühnert bei "Markus Lanz": Juso-Chef schießt gegen Sigmar Gabriel

Kühnert setzte sogar eine kleine Spitze gegen den neugierigen Moderator.

  • Bei “Markus Lanz” hat Juso-Chef Kevin Kühnert die Beweggründe für sein öffentliches Coming-Out erklärt
  • Es blieb nicht die einzige bemerkenswerte Aussage des Sozialdemokraten – er äußerte sich auch zu Sigmar Gabriel
  • Im Video oben seht ihr die Szenen aus der Talkshow

Wer an Andy Warholes sprichwörtliche 15 Minuten Ruhm glaubt, würde Juso-Chef Kevin Kühnert wohl ein pessimistisches Zeugnis ausstellen. Die No-GroKo-Kampagne des jungen Sozialdemokraten ist gescheitert, der Hype um Kühnert flaut ab.

Dass der Jungpolitiker aber noch lange nicht am Ende ist, dass Kühnert trotz GroKo-Erfolg viel zu sagen und zu bewegen hat, bewies der Berliner in der ZDF-Talkrunde “Markus Lanz” am Dienstagabend.

Mit zwei klaren Aussagen brachte er Moderator Lanz gar ein wenig aus dem Konzept.

Lanz: “Das ist mal ’ne klare Ansage”

Als es um die personelle Erneuerung der SPD ging, kam das Gespräch auf den scheidenden Außenminister Sigmar Gabriel. Noch immer wird Gabriel – trotz jüngster Eskapaden – auch als erneuter Chef des Ressorts gehandelt.

►  Kühnert fand dazu eindeutige Worte: “Wenn wir jetzt sagen, wir erneuern uns, dann brauchen wir neue Gesichter und dann muss da auch ein neuer Stil einziehen.”

Jemand der in eine harte politische Auseinandersetzung seine Tochter hineingezogen habe, stehe “jetzt nicht für den Stil, mit dem wir wahrgenommen werden wollen die nächsten vier Jahre.“

Kühnert erteilte Gabriel aus seiner Sicht eine Absage. Und der sonst nie um ein Wort verlegene Lanz war kurz beeindruckt. “Das ist mal ’ne klare Ansage.”

 

Kühnert spricht über seine Homosexualität

Auch über seine Homosexualität sprach Kühnert völlig offen – und setzte sogar eine kleine Spitze gegen den neugierigen Moderator. 

Der stellte sich naiv: Ob es auch im Jahre 2018 noch immer ein Thema sei, ob ein Politiker schwul sei. Ob ein öffentliches Outing wirklich noch eine große Sache sei, wollte Lanz wissen.

Kühnert befand: “Wir sind immer noch in Zeiten, in der jüngere Menschen in der Outingphase dringend darauf angewiesen sind, dass Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, signalisieren: Das ist in Ordnung.“

►  Und er wurde noch deutlicher: “Wir sind verdammt nochmal in der Verantwortung auch darüber zu sprechen, um denen zu widersprechen, die so tun, als sei das immer noch ein besonders aufregendes Thema.“

Besonders aufregend fand es am Dienstagabend vor allem Lanz.

Der Juso-Chef nannte das Outing des ehemaligen Berliner Bürgermeisters, Klaus Wowereit, als Paradebeispiel: “Ich bin ihm zutiefst dankbar, dass er das gemacht hat.“

SPD-Vize Lauterbach packt aus

Kühnert blieb nicht der einzige Sozialdemokrat, der sich bei Lanz auskunftsfreudig zeigte. Auch SPD-Vize und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach packte aus – er sprach vor allem über die Koalitionsverhandlungen mit der Union.

ZDF
Kühnert und Lauterbach

Lanz, der erfahren hatte, dass Lauterbach in seiner Freizeit Kampfsport betreibt, wollte wissen, gegen wen der Rheinländer die Techniken gerne einmal anwenden würde. 

Kühnert frotzelte von der Seite: Bei den Koalitionsverhandlungen sei das doch sicher der Fall gewesen. Und Lauterbach gab ihm Recht.

Lächelnd gab er zu: “Es gab Momente, da dachte man: Wenn jetzt einer ausfiele, wäre das auch okay.“ Später spezifizierte er seine Aussage gar noch einmal: “Wenn Scheuer den Raum verließ, haben wir auch nicht geklagt.“

Den CSU-Mann, der Verkehrsminister werden soll, ließ Lauterbach nicht aus dem verbalen Würgegriff.

Auf die Frage, ob er wisse, dass Scheuer nun ein Ressort übernehme, antwortete Lauterbach mit bissiger Ironie: “Das habe ich wahrgenommen. Wir freuen uns alle.“

(mf)