POLITIK
12/07/2018 11:57 CEST | Aktualisiert 12/07/2018 12:54 CEST

"Markus Lanz": Dunja Hayali macht Merkel und Seehofer schwere Vorwürfe

"Das versteht man einfach nicht mehr, was sie da tun."

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Kritisierte den Stil der Union im Asylstreit: Moderatorin Dunja Hayali. 
  • Dunja Hayali hat bei “Markus Lanz” den politischen Stil der Union im Asylstreit in eindringlichen Worten kritisiert. 
  • Sie warf Merkels CDU und Seehofers CSU vor, mit ihrem machtpolitischen Gezänk die Politikverdrossenheit im Land zu vergrößern. 

Es ist eine ruhig vorgetragene Anklage, die die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali am Mittwochabend in der Sendung “Markus Lanz” erhebt. 

In der geht es – mal wieder, immer noch? – um den Asylstreit und vor allem das Verhalten der führenden Akteure in diesem. Gerade erst hat der größte politische Stunkmacher des Landes, Innenminister Horst Seehofer (CSU), für Schlagzeilen gesorgt, weil er sich über die 69 Abschiebungen an seinem 69. Geburtstag freute. 

Schon zuvor waren vor allem von Seiten der CSU Begriffe wie “Asyltourismus”, “Anti-Abschiebeindustrie” und “Belehrungsdemokratie” in den Diskurs eingebracht worden.

Für Hayali bei “Lanz” ein Anlass, Klartext zum Thema politischem Anstand zu reden. 

Hayali über Stil im Asylstreit: “Das war verantwortungslos”

Zunächst einmal stellte die Journalistin klar: Dass es in der Politik auch um Macht gehe, sei an und für sich kein Problem. 

“Ich finde, dass Machtfragen in der Politik legitim sind”, sagte Hayali. “Jeder Politiker hat den Drang, Macht ausüben zu wollen, gestalten zu wollen.”

Das müssten Politiker auch, das könne man so auch “Seehofer, Söder, Dobrindt, Merkel und wie sie alle heißen” nicht vorwerfen.

Was Hayali diesen Personen vorwirft, ist der politische Umgang im Asylstreit

“Ich finde diesen Streit, den wir vier, fünf Wochen jetzt beobachten mussten, vom Stil her wirklich Note 6. Das war verantwortungslos”, sagte sie.

Und führte aus: “Wir sagen die ganze Zeit, Sprache ist ein wichtiges Stilmittel. Wir müssen genau überlegen, wie wir was formulieren. Wir Journalisten greifen oft genug auch die AfD an, wenn sie sich im Ton vergreift.”

Und jetzt vergriffen sich auch die etablierten Parteien im Ton. Das gehöre sich nicht.

Hayali fürchtet Politik- und Parteienverdrossenheit

Hayali ärgerte sich vor allem über das fatale Signal an die Bürger, das vom Asylstreit ausgehe.

“Die Menschen sind wieder interessiert an Politik, sind politisiert. Die wollen über Inhalte, Sachfragen und Lösungen sprechen”, sagte sie. “Nicht nur beim Thema Flucht und Migration, auch bei der Pflege, bei der Bildung, bei der Digitalisierung.” 

Dahingehend sei der Streit in der Union vollkommen überflüssig. “Da versteht man einfach nicht mehr, was sie da tun. Das führt nur weiter zu Politikverdrossenheit, zu Parteien- und Politikerverdrossenheit”, sagte Hayali. 

In der Politik solle über Sachfragen diskutiert werden. Sie nannte als Beispiel den sogenannten “Masterplan Asyl”, den Innenminister Seehofer über weite Teile des Streits unter Verschluss hielt. 

“Wir haben über etwas diskutiert, das nur nebulös in der Welt rumhing und erst seit ein paar Tagen auf dem Tisch liegt”, sagte Hayali. “Das ist auch absurd.” 

Seehofer hatte den Plan ursprünglich am 12. Juni vorstellen wollen. Tatsächlich hatte es dann vier Wochen länger gedauert.

CDU-Mann Bosbach und Philosoph Eilenberger geben Hayali Recht

Neben Hayali saß bei “Lanz” der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. Er hatte vor Hayalis Einwurf noch die Union und auch Seehofer im Asylstreit verteidigt – zumindest in der Sache. 

Auf Hayali und die Tatsache eingehend, dass selbst der Bayerische Landtag über den “Masterplan” abstimmte, ohne ihn gesehen zu haben, sagte Bosbach: “Ich finde es schon besser, wenn man weiß, worüber man abstimmt.” 

An dieser Stelle hakte der ebenfalls eingeladene Philosoph Wolfram Eilenberger ein. Er redete über die politischen Energie der Menschen, die Hayali angesprochen habe.

“Die wird nun sediert, durch einen Konsens, der eigentlich keiner ist, von zwei Leuten, die nicht miteinander können und wollen”, sagte Eilenberger über den Asyl-Kompromiss zwischen Merkel und Seehofer.

Mehr zum Thema: Asyl-Experte zerreißt bei “Markus Lanz” Merkels und Seehofers Asyl-Kompromiss

“Wo geht dann diese Energie hin? Sicher nicht in die Parteien”, sagte der Philosoph – und ließ die Befürchtung einer politischen Radikalisierung der Gesellschaft unausgesprochen in der Runde wirken. 

Wieder war es Bosbach, der reagierte. 

“Die Menschen fragen sich: ‘Was machen die da eigentlich? Beschäftigen die sich mit sich selber? Oder beschäftigen die sich mit den Problemen, die ich in meinem Alltag habe?’”, sagte er.

Und warnte: “Wenn die Menschen das Gefühl bekommen, das ist ein Paralleluniversum, dann müssen wir uns nicht wundern, wenn die etablierten Parteien an Vertrauen verlieren.”

(sk)