POLITIK
05/09/2018 07:12 CEST | Aktualisiert 06/09/2018 10:15 CEST

"Markus Lanz": AfD-Funktionär soll Programm erklären – Lanz ist fassungslos

"Im Ernst?", fragte der Moderator Markus Lanz.

  • “Markus Lanz”-Gast Hinrich Lührssen ist Journalist – und in der AfD.
  • Moderator Lanz will verstehen, warum – und kann teilweise nicht fassen, welche Antworten er erhält.  
  • Im Video oben seht ihr die Szene und die harten Worte, die Lanz für Lührssen findet. 

Der Fall Hinrich Lührssen hat für Aufsehen gesorgt.

Früher war der Fernseh-Journalist Reporter bei “Stern TV”, Anfang Juni trat er in die AfD ein und sitzt mittlerweile im Bremer Landesvorstand.

In der ZDF-Talkshow “Markus Lanz am Dienstagabend soll Lührssen sich erklären. Ein TV-Reporter bei der Partei, die fast jeden Tag gegen die sogenannte Lügenpresse wettert? Lührssen verteidigt in der Sendung strikt die AfD – ein Offenbarungseid aber ist einmal mehr, was er zum Programm der Partei zu sagen hat. 

Zu Gast bei “Markus Lanz”: 

► Heinz Buschkowsky (SPD), Berliner Ex-Bürgermeister

► Olaf Sundermeyer, Journalist

► Hinrich Lührssen, Journalist und AfD-Funktionär

► Dagmar Pauli, Ärztin

Lanz: “Satz ist eine Beleidigung für deine Intelligenz”

Lührssen erklärt seine Mitgliedschaft in der AfD mit wenigen Worten. “Ich finde die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel wirklich furchtbar”, sagt er. “Dazu kam jetzt noch die Überlegung der Union, mit der Linkspartei, einer Partei mit wirklich blutiger Vergangenheit, eine Koalition zu bilden.”

Die Flüchtlingspolitik vergleicht Lührssen mit dem Bild einer offenen Tür. Seine eigene Wohnung würde auch jeder absperren und nur nach Prüfung einen Gast hereinlassen. 

Screenshot / ZDF
Hinrich Lührssen bei "Markus Lanz". 

Markus Lanz fehlt schon hier das Verständnis: “Hinrich, eigentlich ist so ein Satz eine Beleidigung an deine Intelligenz. Das ist eine Standardphrase, die ich von AfD-Leuten immer höre, dieser krude Vergleich.”

Danach will der Moderator von seinem Gast wissen: “Was macht die AfD dagegen? Gegen steigende Mieten? Gegen das Umweltproblem? Für oder gegen Elektroautos?” Lanz gibt ihm drei Minuten Zeit. 

Beim Thema Miete spricht Lührssen bei Lanz über Flüchtlinge 

Jetzt muss Lührssen das Programm der AfD präsentieren. Beim ersten Punkt kommt er noch ohne das Thema Asyl und Zuwanderung aus – immerhin hat Lanz danach auch nicht gefragt.  

Lührssen sagt also: “Die AfD sagt, unter diesen Umständen sollte man erstmal beim Diesel bleiben. Nichtdestotrotz sollte man neue Technologien fördern.” Verbote wie in Hamburg lehnt er ab. 

Schon beim zweiten Punkt spricht der AfD-Funktionär aber über das große Thema seiner Partei: die Flüchtlinge.

“Steigende Mieten, großes Thema”, sagt Lührssen. “Jedenfalls hängt es auch damit zusammen, dass über eine Millionen Flüchtlinge untergebracht werden müssen und der Wohnraum dadurch reduziert wird.”

Hier fehlt Lanz vollends das Verständnis. “Im Ernst?”, ruft er und legt dann nach:

“Du merkst an der Art und Weise der Argumentation: Wir reden doch hier eigentlich über Globalisierung, internationales Kapital, internationale Spekulanten. Über Menschen, die ihre Geldströme rund um den Globus jagen. Diese Antworten sind genauso verzweifelte Antworten, wie die der etablierten Parteien auch.”

Er habe etwas Neues, einen “Kracher” erwartet, betont der Moderator.

Lanz spricht über Gewalt auf Journalist in Chemnitz 

Lanz lenkt das Gespräch dann noch auf die Ereignisse in Chemnitz. Am Wochenende hatte hier die AfD gemeinsam mit Pegida-Mitgliedern demonstriert, am Rande der Kundgebung war es zu Angriffen auf Journalisten gekommen. 

Lanz zeigt Lührssen einen Ausschnitt aus dem Video einer “Stern”-Reporterin, die attackiert wurde. 

“Ja schlimm”, sagt der Studiogast.

“Wie geht es dir, wenn du siehst, wenn Leute, Spitzen-Funktionäre wie Björn Höcke, mit denen gemeinsame Sache machen?”, hakt Lanz nach.

Die Antwort von Lührssen: “Ich habe jetzt nicht gesehen, dass Björn Höcke da zugeschlagen hat.” Raunen im Publikum.

Lanz hält entgegen: “Diese Art der Verkürzung geht nicht.” Die gewaltbereiten Rechtsradikalen surften auf der “Welle einer Atmosphäre”, die auch die AfD unterstütze.

Auch Journalist Olaf Sundermeyer, ein Kenner der rechtsradikalen Szene,  kritisiert Lührssen und den sogenannten “Schweigemarsch” der AfD am Wochenende in Chemnitz. “Das ist ein Format”, sagt er. “Diese Leute warten darauf, dass es dafür einen Anlass gibt.”

Screenshot / ZDF
Olaf Sundermeyer bei "Markus Lanz". 

Die AfD sei keine “lustige konservative Reform-Partei”, erklärt Sundermeyer weiter. “Das ist eine Bewegungspartei, der sich mittlerweile ein Großteil der rechtsextremistischen Szene in Ostdeutschland angeschlossen hat.” 

Lührssen will das nicht sehen. “Sie können mich doch beim besten Willen nicht für Ausschreitungen bei diesen Demonstrationen verantwortlich machen.”

Sundermeyer beharrt darauf: “Doch.” Die AfD instrumentalisiere die Wut mancher Bürger und der Rechtsradikalen – was die Gewalt befördere, so seine Argumentation.

Lührssen aber zeigt dafür kein Verständnis. “Niemand in der AfD marschiert mit Menschen, die den Hitlergruß zeigen.” Das Publikum lacht, Bilder haben in den vergangenen Tagen anderes gezeigt. 

(ame)