LIFE
16/08/2018 14:38 CEST | Aktualisiert 16/08/2018 20:08 CEST

"Männer sind Müll"-Debatte: Liebe Twitter-Feministinnen, ihr seid das Problem!

Radikale Feministinnen im Netz machen gerade alles falsch.

Getty/Twitter/HuffPost
Wütende Frauen vereinen sich im Netz gegen Männer. 

Liebe Twitter-Feministinnen, 

ihr seid der Ansicht, ihr würdet für die Rechte der Frauen kämpfen. Männern mutig und provokant die Stirn bieten, selbstbewusst auftreten und damit die Gleichberechtigung vorantreiben. 

Doch die Wahrheit ist: Ihr erreicht genau das Gegenteil. Unter dem Hashtag ”#MenAreTrash”, also “Männer sind Müll”, wütet ihr aktuell gegen Männer. So trotzig, stur und nutzlos wie kleine Mädchen, die mit dem Fuß aufstampfen, weil ihnen ein Junge den Lolli weggenommen hat. 

Schon an der Wahl eures Hashtags zeigt sich: Euch radikalen Feministinnen geht es gar nicht um eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema Sexismus. Es geht euch vielmehr darum, euren Frust über Männer loszuwerden. Frust, der manchmal berechtigt ist. Dann zum Beispiel, wenn ihr aufzählt, wie und wo Frauen heute immer noch benachteiligt werden. Oder wenn ihr erzählt, wie ihr sexuell belästigt wurdet.

Ich finde es gut und wichtig, auf diese Missstände aufmerksam zu machen. Ich weiß, dass Frauen im Schnitt unbereinigt immer noch 21 Prozent weniger verdienen als Männer. Oder dass 40 Prozent der Frauen schon körperliche oder sexuelle Gewalt erlebt haben.

Auch mich haben Männer schon belästigt – genauso wie 43 Prozent aller Frauen, wie eine Umfrage des Instituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergeben hat. Erst vor kurzem haben mir fremde Männer nachts auf offener Straße in München Geld für Sex angeboten.

Ich würde solche Geschichten trotzdem nicht unter einem Hashtag teilen, der Männer als “Müll” bezeichnet. Und zwar nicht nur wegen des naheliegenden Arguments, dass es unter den vielen sexistischen Männern auch viele Männer gibt, die keine Sexisten sind. 

Sondern, weil ich nicht glaube, dass ein solcher Hashtag uns Frauen dabei hilft, ernster genommen zu werden. Und weil Feminismus sich für Gleichberechtigung einsetzt. Nicht für Hass. Euer Hashtag aber ist nichts anderes, als unreflektierter, beleidigender und plumper Hass. 

Mehr zum Thema: Nur weil ich Feministin bin, bin ich keine Männerhasserin

Stellt euch nur vor, was los gewesen wäre, wenn Männer den Hashtag #womenaretrash ins Leben gerufen hätten. 

Ihr seid männerhassende Frauen, keine Feministinnen

Bevor ihr mich falsch versteht: Ich würde mich selbst als Feministin bezeichnen. Schließlich bedeutet der Begriff nichts anderes, als gegen die Benachteiligung der Frau und für Gleichberechtigung zu sein. 

Frauen, die über sich sagen, keine Feministin zu sein, halte ich deshalb vor allem für schlecht informiert. Möglicherweise sind sie aber auch abgeschreckt. Abgeschreckt von Frauen wie euch: Radikalen Feministinnen auf Twitter, die aus Feminismus Männerhass machen. Deshalb seid ihr für mich keine Feministinnen. Ihr seid männerhassende Frauen. 

Euer beleidigender Hashtag ist für mich weder ein Aufschrei noch ein Zeichen von Selbstbewusstsein. Ganz im Gegenteil, für mich zeigen Beleidigungen immer vor allem: Unsicherheit, Unprofessionalität und fehlende Seriösität. 

Ihr erreicht, dass Männer uns nicht ernst nehmen 

Mir geht es bei diesem Thema aber um eine ernsthafte Auseinandersetzung, und nicht um Beleidigungen.

Darum, dass Männer und Frauen in der Arbeitswelt wie im Privatleben gleichberechtigt sind.

Darum, dass andere junge Frauen nicht belästigt werden.

Darum, dass keine Frau Angst haben muss, wenn sie alleine unterwegs ist, auch nachts nicht.

Darum, dass Männer so viel Respekt vor Frauen haben, dass sie es niemals wagen würden, einer Frau auf offener Straße Geld für Sex anzubieten.

Darum, dass sie nicht einmal an so etwas denken, weil sie Frauen nicht als Ware betrachten, sondern sie schätzen und respektieren. 

Ich glaube kaum, dass Männer mehr Respekt vor Frauen bekommen, wenn wir sie öffentlich beleidigen und als “Müll” bezeichnen. Natürlich soll der Hashtag bewusst provozieren. Aber Provokation ist nicht immer die richtige Methode. Alle Männer in meinem Umfeld, die ich dazu befragt habe, haben das gleiche gesagt: Sie finden den Hashtag vor allem beleidigend und dumm.

Einer meiner Kollegen wollte eigentlich einen Text darüber schreiben, befürchtete aber, dann als Sexist zu gelten. Anstatt dass Männer uns ernst nehmen, haben sie nun Angst davor, uns zu kritisieren. Selbst dann, wenn es gerechtfertigt ist. 

Das ist gefährlich. Denn: Eine offene Kommunikation gehört auch zur Gleichberechtigung. Wenn Männer und Frauen nicht ebenbürtig miteinander sprechen können – wozu auch zählt, sich kritisieren zu können – sind wir nicht da, wo wir sein wollen. 

Also liebe Twitter-Feministinnen, wenn ihr wirklich etwas erreichen wollt: Verhaltet euch so, wie ihr selbst behandelt werden wollt. Mit dieser Meinung bin ich, glücklicherweise, nicht alleine.