LIFE
07/12/2018 15:23 CET | Aktualisiert 07/12/2018 15:27 CET

Männer packen aus: So fühlt es sich an, wenn man nur noch Sex hat, um ein Baby zu zeugen

Am schwersten sei nicht der getimte Sex, sondern die Unsicherheit, die darauf folge.

with his two daughters Helen and Izzy.
Wenn das Zeugen an erster Stelle steht, geht oft die Leidenschaft verloren.

Sobald ein Pärchen sich dazu entscheidet, ein Kind zu bekommen, sind alle Augen sofort auf die Frau gerichtet. Für den Mann ist das Ganze ja eh ein Riesenspaß, denken viele. Denn so viel Sex wie möglich zu haben, ist doch der vermeintliche Traum eines jeden Mannes. 

Klingt gut, oder? Ganz viel Sex! Keine Kondome mehr! Und allgemein: Nicht mehr besorgt sein, aus Versehen schwanger zu werden. 

► Aber wenn du wirklich aktiv versuchst, eine Frau zu schwängern, ist Sex nicht mehr dieser leidenschaftliche, spontane Spaß, der es mal war. Sehr oft wird der Sex auf einmal präzise geplant, um genau zu wissen, wann die Frau fruchtbar ist. 

Es dauerte fast ein Jahr, ein zweites Kind zu bekommen

► Noch schlimmer aber: Wenn die Frau einfach nicht schwanger wird, kann das sehr belastend sein – sowohl für die Frau als auch für den Mann.

“Um ganz ehrlich zu sein, würde ich sagen, dass dieser Prozess sehr oberflächlich ist”, sagt John Adams, Vater von Helen, neun Jahre alt, und Izzy, fünf. 

“Klar kann man auch dabei romantische Candle-Light-Bäder machen oder zusammen übers Wochenende wegfahren, aber wenn man all das macht, mit dem Ziel, dass die Frau schwanger wird, nimmt das automatisch jede Romantik.”

Adam sagt, wie glücklich er und seine Frau seien, dass ihre beiden Töchter auf natürliche Weise gezeugt werden konnten. Trotzdem dauerte es bei der ersten Tochter viele Monate und bei der zweiten sogar etwas weniger als ein Jahr.

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Das Schlimmste war das Warten

Adam befürchtete, es könnte Probleme geben, weil er als Teenager eine Operation hatte vornehmen lassen, um einen Eingeweidebruch zu beheben. Nach der Operation bekam er Komplikationen: geschwollene Genitalien. Zwar wurde ihm gesagt, dass es seine Zeugungsfähigkeiten nicht beeinflussen würde, aber trotzdem war es immer in seinen Gedanken. 

“Außerdem war ich schon in meinen Dreißigern als ich Vater wurde, fast 40, als Izzy zur Welt kam”, sagt er. “Meine Ehefrau ist noch ein bisschen älter, schon bei der ersten Schwangerschaft war sie fast 40. Wir waren nicht gerade die Jüngsten und das hatte ich auch immer im Kopf, wenn wir gerade dabei waren.” 

► Aber das Schlimmste für Adam war das Warten. “Ich habe es gehasst und dann erst die Enttäuschung, wenn meine Frau wieder nicht schwanger war”, erzählt er. “Trotzdem waren wir dafür noch relativ schnell mit unseren Kindern und dankbar dafür.” 

Die Belastung war sehr schlimm für das Paar

Andere Paare haben weniger Glück. Brandon Barnes, 38, ist Vater eines achtjährigen Jungen, Jackson, und einer knapp zweijährigen Tochter, Lauren. Jackson kam schon nach wenigen Versuchen, aber danach hatte seine Frau mehrere Fehlgeburten.

► Auf die Fehlgeburten folgte eine Totgeburt: ihr Sohn Holis. “Es war eine lange und schwere Zeit”, sagt der Vater.

Brandon Barnes
Brandon Barnes mit seiner Familie.

Barnes sagt, am schwersten war nicht der getimte Sex, sondern die Unsicherheit, die darauf folgte. “Immer planen wir, wie Dinge sein sollen. Aber das Leben funktioniert auf diese Weise nicht”, sagt er.

“Abgesehen von unserem Ältesten war unser Sex mit dem Gedanken, ein Baby zu bekommen, emotional wie austrocknend. Du siehst, wie all deine Freunde und deine Verwandten ohne Probleme Babys bekommen. Wir waren zerstört. Verletzt. Wie betäubt.”

Hat er sich jemals Sorgen darum gemacht, dass es nie passieren wird? “Die ganze Zeit”, sagt er. Die Belastung war für Barnes und seine Frau sogar so schlimm, dass sie sich für eine Leihmutter entschieden.

► Seine Schwägerin bot an, das Baby für sie auszutragen. So wurde 2016 ihr zweites Kind Lauren geboren.

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Die Dynamik zwischen dem Pärchen verändert sich

Stuart Powell, 43, war in seinen späten Zwanzigern, als er mit seiner Frau Lucy versuchte, ein Baby zu bekommen. Die Entscheidung eine Familie zu gründen, veränderte seine Ansichten über Sex.

“Sex ist spontan, aber wenn du versuchst ein Kind zu zeugen, kann es sein, dass alles etwas strukturierter wird, du auf einmal den Zyklus beobachtest und dann Bücher darüber liest”, sagt er. “Es kann ein bisschen stressig werden. Die Dynamik untereinander verändert sich einfach.”

► Der aufreibende Teil für Powell war, wie bei den anderen Vätern, das Ungewisse. Das Geduldspiel. “Und was du nicht kennst, kannst du nicht kontrollieren”, fügt er hinzu. “Das ließ mich plötzlich viele Dinge in Frage stellen.”

Stuart Powell
Stuard Powells Kinder.

► Powell und seine Partnerin versuchten 18 Monate lang ein Baby zu bekommen. Dann machen beide einen Fruchtbarkeitstest und er fand heraus, dass er unfruchtbar war.

Sie versuchten es sogar zwei mal mit künstlicher Befruchtung mit Hilfe des staatlichen Gesundheitsdienstes, doch auch das scheiterte. Erst durch eine lokale Klinik, zu der das Paar von den Schwangerschaftspezialisten von “Oxford Fertility” vermittelt wurde, konnten sie ihren Schwangerschaftswunsch verwirklichen.

► Sie empfingen ihre Tochter Josie und vier Jahre später die Zwillinge Freddie und Jessie.

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Eigentlich wäre er gerne Vater geworden

Powells Erfahrung war ganz anders als die von Robin Hadley. Hadley ist kein Vater, aber er versuchte mit seiner ersten Frau ein Kind zu bekommen. Später heiratete er erneut, aber seine zweite Frau, die älter war als er, wollte keine Kinder.

► Das führte ihn dazu, Studien über unfreiwillig kinderlose Männer durchzuführen und was dieser Umstand für einen Einfluss auf ihr Leben hatte.

Obwohl, oder vielleicht sogar wegen des Wegs, den sein Leben eingeschlagen hat, hält Hadley die Erinnerung, ein Kind mit seiner ersten Frau zu bekommen, für etwas ganz besonderes. 

Für ihn brachte es mehr “Tiefe und Schärfe” beim Sex. “Sex, um ein Baby zu zeugen war für mich eine der intensivsten und emotionalsten Zeiten meines Lebens”, sagt er. “Wir hatten nicht einfach nur Sex – wir waren dabei unser Leben zu verändern.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost USA und wurde von Martina Zink aus dem Englischen übersetzt.

(ame)