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22/12/2017 11:58 CET | Aktualisiert 22/12/2017 12:01 CET

Männer sollen Szenen aus Pornos vorlesen - danach verlassen sie schockiert den Raum

Das Filmprojekt hat die Männer sichtlich verändert.

  • Für ein Filmprojekt haben zwei Regisseure Männer Szenen aus Pornos vorlesen lassen
  • Die Männer mussten raten: Handelt es sich um wahre Geschichten von sexueller Gewalt oder um Pornoszenen?

“Ich masturbiere und der Freund meines Bruders kommt in mein Zimmer. Es ist mir unangenehm. Er sagt, dass er mich heiß findet und fragt mich, ob ich Hilfe brauche. Wir haben Sex.”

Das hört sich an wie eine typische Pornoszene - und das ist es auch.

Aber was ist hiermit?

“Ich komme spät von einer Party nach Hause. Mein Stiefvater wartet in der Küche auf mich. Er ist sauer auf mich, weil ich zu spät bin und will mich bestrafen. Er sagt mir, ich solle leise sein, damit mich niemand im Haus hören kann. Er hat in der Küche Sex mit mir.”

Auch das ist eine Szene aus einem Porno. Der Mann, der die Geschichte vorliest, weiß das aber nicht. Er denkt, er solle erraten, welche der Szenen, die er vorliest, aus einem Porno sind - und in welchen Geschichten Frauen im echten Leben Opfer von sexueller Belästigung oder Gewalt geworden sind.

Er tippt darauf, dass es sich um eine #MeToo-Story handelt.

“Männer sollen Teil der Debatte sein”

Der Mann, der die Geschichte vorliest, ist Teil des Videoprojekts “Be Frank” von zwei niederländischen Regisseuren. Damayanti Dipayana und Camilla Borel-Rinkes haben das Projekt ins Leben gerufen, um zu zeigen, welche Rolle Männer im Kampf gegen sexuelle Gewalt spielen können.

“Das Projekt soll die Lücke schließen und Männern ermöglichen, Teil der Debatte und der Lösung zu sein”, sagte Dipayana der HuffPost.

Teil des Projekts ist das Porno-Ratespiel. Obwohl den Männern zum Schluss verraten wird, dass es sich bei all den Szenen um Pornos handelt, haben sie alle Probleme damit, Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden.

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Und das ist kein Wunder. Laut Recherchen der beiden Regisseure enthalten fast 88,2 Prozent aller Pornoszenen irgendeine Form von physischer Gewalt gegen Frauen.

Die Art und Weise, wie Frauen in den meisten Pornos dargestellt werden, ist schon lange ein umstrittenes Thema. Nicht zuletzt, weil 90 Prozent aller Jugendlichen heute erst einen Porno sehen, bevor sie zum ersten Mal Sex haben. Sie lernen über Sex nicht im Schulunterricht oder von ihren Eltern - sondern aus Pornos.

Pornos könnten Gewalt gegen Frauen fördern

Das könne sehr gefährlich sein, warnt Julia Long, Soziologin an der Anglia Ruskin University in Cambridge, in der “Washington Post”. Ihrer Ansicht nach etablieren die meisten Pornos eine Vergewaltigungskultur - und fördern letztlich Gewalt gegen Frauen.

Das muss natürlich nicht für alle Pornos gelten. Denn immer mehr Frauen produzieren sogenannte feministische Pornos, in denen ein weit realistischeres Bild von Sex dargestellt wird.

“Die Statistiken und die #MeToo-Storys sind entmutigend und überwältigend, aber haben auch dazu geführt, dass ich etwas tun will und helfen möchte, Lösungen zu finden”, sagt “Be Frank”-Regisseurin Borel-Rinkes.

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“Damayanti und ich glauben beide fest daran, dass die Geschichte nicht nur von Frauen erzählt werden sollte. Es gibt viele konkrete Dinge, die ‘gute Kerle’ tun können, um zu helfen, das Klima für die Frauen um sie herum zu verbessern. Die Zeit ist gekommen, dass sie sich der Debatte anschließen.”

Zumindest für die Männer im Video scheint klar, dass sie das jetzt auch tun. Denn sie sind sichtlich schockiert von den Szenen, die sie vorlesen sollen.

Einer stellt fest, dass “wir in einer Vergewaltigungskultur” leben - und alle sind sich am Ende einig: Auch Männer müssen aufstehen und etwas tun, um sexuelle Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. 

(lk)