LIFE
05/10/2018 20:25 CEST | Aktualisiert 06/01/2019 20:15 CET

Mann war bereits neun Mal klinisch tot – so war es für ihn

"Bist du vergangen Woche wieder gestorben?"

  • Ein Australier war bereits neun Mal in seinem Leben klinisch tot.
  • Nun erzählt er, wie er mit seiner Krankheit lebt und wie er seine “Tode” bislang erlebt hat. 
  • Im Video oben: “Himmlische Musik und grünes Tal” – Ein Arzt beschreibt seine eigene Nahtod-Erfahrung.

Der Australier Jamie Poole war in seinem Leben bereits neun mal klinisch tot. Der in London lebende Mann leidet an hypertropher Kardiomyopathie. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die das Herz schwächt und häufigen Herzstillstand zur Folge haben kann.

Wie die britische Zeitung “Daily Mail” berichtet, hat der heute knapp 30-Jährige seit fast zehn Jahren immer wieder damit zu kämpfen, dass sein Herz einfach zu schlagen aufhörte. Und obwohl er es bis jetzt überlebt hat, meinen Ärzte dem Bericht zufolge, sein Herz könnte in fünf Jahren komplett aufgeben.

Poole versuche deshalb, sein Leben so ausgiebig zu genießen, wie nur möglich. Er und seine Mutter würden es teilweise sogar mit Humor nehmen. Wenn sie anrufe, sei einer ihrer ersten Sätze meist: “Bist du vergangene Woche gestorben?”

Treppen sind seine “Todfeinde”

Die Krankheit betrifft nur ungefähr einen von 5000 Menschen und wird durch eine partielle Verdickung des Herzmuskels hervorgerufen. Das erschwert es dem Herzen, das Blut richtig durch den Körper zu pumpen.

Manche Betroffenen können gut damit leben, andere laufen aber ständig Gefahr, dass das Herz es nicht schafft, Blut zu transportieren. Diesen Menschen ist es eigentlich streng verboten, Sport zu machen. Poole, der zu dieser Gruppe gehört, nenne Treppen deshalb seine “Todfeinde”. Er habe es sich bislang aber trotzdem nicht nehmen lassen, die ganze Welt zu bereisen und in den Alpen Snowboarden zu gehen.

Momentan trägt er der Zeitung zufolge auch ein elektronisches Gerät in sich, das sein Herz automatisch wieder zum Schlagen bringt, sobald es zu Komplikationen kommt. Einen implantierten Defibrillator, kurz ICD.

“Acht-Sekunden-Tode”

Das erste Mal hörte sein Herz auf zu schlagen, als Poole 20 Jahre alt war, heißt es in der Zeitung. Er sei 45 Minuten lang wiederbelebt worden, eine Woche lang im Koma gelegen und könne sich an nichts erinnern.

Das zweite Mal besuchte er demnach gerade seinen Cousin, als ihm plötzlich schwindelig wurde. Er erinnert sich noch daran, wie er aufwachte und dachte, er wäre nie bei seinem Cousin gewesen.

Dann blieb ihm das laut “Daily Mail” ganze zweieinhalb Jahre lang erspart. Als er dann aber nach London gezogen sei, sei es gleich vier Mal in drei Wochen passiert.

“Ich habe meinen ersten Herzstillstand in London nicht ernst genug genommen. Ich bin einfach wieder zur Arbeit gegangen. Also hatte ich innerhalb einer Woche bereits den nächsten”, erzählt er der Zeitung.

Poole denkt, er habe bereits jede erdenkliche Nahtoderfahrung gemacht, die ein Mensch haben könne. Er erinnere sich an eine außerkörperliche Erfahrung, an ein weißes Licht oder an ein goldenes Licht. Er nenne es inzwischen seine “Acht-Sekunden-Tode”.

“Das war mir peinlich”

Das siebte Mal passierte, als es in London regnete und er ein klein wenig joggte, um in einem Café Schutz zu suchen, heißt es in dem Artikel. Als er dann wieder ins Büro gekommen sei, sei es schon wieder soweit gewesen. Er wachte der Zeitung zufolge auf und alle seine Kollegen standen besorgt um ihn herum. 

Weiter erzählt Poole: “Das achte Mal war fast ein wenig peinlich. Ich war in einem Flughafen in Australien und die Sanitäter mussten mich anscheinend vor allen Menschen rasieren, damit sie die EKG-Elektroden anbringen konnten.”

Das neunte und letzte Mal trug sich demnach glücklicherweise in einem Krankenhaus zu. Der ICD sei wurde für einen Test abgestellt worden und Poole habe auf einem Laufband rennen sollen. Noch während der Test lief, sah er demnach den zuständigen Arzt auf einen SOS-Knopf drücken und um Hilfe schreien. Dann kollabierte Poole wieder.

“Es ist schon seltsam”

Poole versucht laut dem Bericht nun wieder, Sport zu meiden, um Schlimmeres zu verhindern. “Es ist schon seltsam, einen Arzt sagen zu hören, man soll keinen Sport machen. Das geht gegen alles, was normalerweise passieren sollte.”  Solang es ihm aber helfe, gesund und am Leben zu bleiben, könne es sicherlich kein schlechter Rat sein. 

(sk)