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26/09/2018 14:02 CEST | Aktualisiert 26/09/2018 18:33 CEST

Trotz Tourette und Asperger: Stefan hat nur einen Wunsch für die Zukunft

Der 44-Jährige hatte noch nie einen dauerhaften Job.

Vox
Am wohlsten fühlt sich Stefan auf der Bühne.
  • Bei “Ich, einfach unvermittelbar” stellt Vox Menschen mit Tourette, Asperger oder Autismus vor und hilft ihnen bei der Jobsuche.
  • Einer der Protagonisten ist Stefan: Trotz der Tourette- und Aspergersyndrom erfüllt er sich seinen größten Wunsch. 

Der 44-jährige Stefan ist hochintelligent und hat eine feine Auffassungsgabe – und doch hatte er in seinem Leben noch keinen dauerhaften Job.

Der Grund: Stefan hat das Tourette- und Asperger-Syndrom.

In der letzten Folge der ersten Staffel von “Ich, einfach unvermittelbar” versuchen die Macher der Vox-Doku-Serie, Stefans Talente herauszufinden und ihm eine Arbeitsstelle zu vermitteln

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Stefans Tourette äußert sich in neurologisch bedingten, mechanischen Ticks – das heißt, er zuckt zum Beispiel unregelmäßig zusammen oder macht unkontrollierte, plötzliche Bewegungen.

Durch sein Asperger-Syndrom, einer abgeschwächten Form von Autismus, braucht er feste Strukturen, die in seinem Fall geradezu in Zwangshandlungen ausarten.

Durch sein Asperger-Syndrom braucht Stefan feste Strukturen und Ordnung

In seiner Wohnung muss alles seine Ordnung haben – er kann nicht einmal in seinem Bett schlafen, sobald er es frisch bezogen hat. “Wichtig ist für mich, das Ordnung hier herrscht, dass meine kleine Welt hier nicht kaputt gemacht wird”, sagt er in der Doku.

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Stefans Wohnung ist tadellos aufgeräumt.

Einen Schulabschluss hat er nie gemacht:

“Ich konnte aus gesundheitlichen Gründen keinen Beruf machen, weil ich zu 80 Prozent nur im Krankenhaus gelegen habe. Ich hab an mir selbst gezweifelt.”

Seine Syndrome wurden spät diagnostiziert – erst als er 13 war, wurde sein Tourette erkannt: “Man wird gemobbt, die Kindheit war die Hölle”, sagt Stefan. 

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Trotz Tourette will Stefan Sänger werden

Doch nun bekommt Stefan die Chance, sich seinen größten Traum zu erfüllen: Am liebsten möchte er Sänger oder DJ werden – oder zumindest als Techniker hinter der Bühne arbeiten.

Deswegen verschaffen ihm die Macher von “Ich, einfach unvermittelbar” ein Bewerbungsgespräch bei einer Künstler- und Veranstaltungsagentur.

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Beim Bewerbungsgespräch ist Stefan nervös – das anschließende Probearbeiten meistert er aber.

Als Tontechniker darf er sich beim Probearbeiten bei einem Konzert beweisen – und siehe da: Durch seine schnelle Auffassungsgabe und Konzentration brilliert Stefan bei dieser Aufgabe.

Kein Wunder – schließlich hat Stefan einen IQ von 119, damit lege er weit über dem Durchschnitt, wie ihm Karriere-Coach Dr. Eva Brandt nach einem vorangegangenen IQ-Test versichert. 

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Am Ende erfüllt sich Stefan seinen größten Wunsch

Eine hohe Intelligenz bringt Stefan für einen Job also mit. Es stellt sich nun die Frage, ob er sich auch mit einem stressigen Arbeitsumfeld voller fremder Menschen und unvorhergesehenen Ereignissen umgehen kann.

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Stefan beweist sein Können als Tontechniker.

Beim Probearbeiten scheint er sich zumindest nicht verunsichern zu lassen und erfüllt sich am Ende des Konzerts sogar noch seinen größten Wunsch: Er darf auf die Bühne und gemeinsam mit der Band ein Lied singen.

“Es ist einfach toll, wenn die Leute mich angucken”, sagt Stefan nach seiner Gesangseinlage. “Musik ist meine Medizin.”

Eine feste Stelle hat er bei der Agentur leider nicht erhalten, wie wir am Ende der Folge erfahren – Stefan befindet sich weiterhin auf Jobsuche. Zumindest ist er seinem Karrierewunsch allerdings nun einen Schritt näher.

(nmi)