POLITIK
26/09/2018 18:25 CEST | Aktualisiert 27/09/2018 08:55 CEST

"Maischberger": Titel der ARD-Talkshow sorgt für Empörung – so reagiert die Redaktion

“Missbrauch in der katholischen Kirche: aufklären oder vertuschen?”

  • Am Mittwochabend diskutiert Sandra Maischberger mit ihren Gästen über das Thema “Missbrauch in der katholischen Kirche”.
  • Doch die Frage im Untertitel, “Aufklären oder vertuschen?”, hat in den sozialen Medien für Aufregung gesorgt. So reagiert die “Maischberger”-Redaktion auf die Kritik.
  • Oben im Video: Darum ging es bei “Maischberger” – Katholische Kirche bittet um Entschuldigung für Missbrauchstaten.

Am Mittwochabend spricht Sandra Maischberger mit ihren Gästen über das Thema “Missbrauch in der katholischen Kirche: aufklären oder vertuschen?”

In der ARD-Talkshow werden unter anderem Bischof Stephan Ackermann und Claudia Mönius, die Opfer sexuellen Missbrauches durch Geistliche wurde, aufeinandertreffen.

Ein sehr ernstes Thema wie sehr aktuelles Thema. Laut einer aktuellen Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche von 1946 bis 2014 sind 3677 Minderjährige Opfer sexueller Übergriffe durch Geistliche geworden – mindestens 1670 Kleriker sollen sich an Kindern und Jugendlichen vergangen haben.

Am Dienstag hatte Kardinal Reinhard Marx die Studie in Fulda vorgestellt.

ullstein bild via Getty Images
Die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger.

Der Titel der Sendung sorgt für Häme im Internet:

Doch in den sozialen Medien hagelt es derzeit Häme über den mehr als ungeschickt formulierten Titel. Denn der suggeriert, es stehe überhaupt eine Wahl zwischen der Aufklärung der schrecklichen Taten und ihrer Vertuschung zur Debatte.

 So kam der Satiriker Shahak Shapira kam nicht umhin, den Titel der geplanten “Maischberger”-Sendung zu kommentieren:

“Hallo an die Expertenrunde, hätte auch gerne folgende Fragen beantwortet: ‘Polizeigewalt: bekämpfen oder mitfiebern?’

‘Mord in der Familie: kann man das eventuell auch anders klären?’

‘Vergewaltigung: lassen oder durchziehen?’ Es ist alles so schwer!”

Und Shapira ist nicht der einzige dem die Zweideutigkeit im Titel aufgefallen ist.

Ein Twitternutzer stellte die Frage: “Wer von den Diskutanten vertritt denn die ‘Vertuschen’-Seite?”

Screenshot

Der Journalist und Filmemacher Mario Sixtus erstellte gar eine Abstimmung zu dem Thema auf Twitter: “Was sagt Ihr? Soll man den Missbrauch in der katholischen Kirche aufklären oder vertuschen?”

Das sagt die Maischberger-Redaktion über den zweideutigen Titel:

Doch was sagt die ARD-Sendung zu den Vorwürfen? Auf die Frage, ob der Titel angesichts der Ernsthaftigkeit des Themas missglückt sei, teilte die Redaktion der HuffPost mit:

“Das Thema ist in der Tat ernst. Ziel des Titels ist es, die Pole im Diskussionsstand um die Missbrauchsstudie widerzuspiegeln.”

Denn auch die herausgegebene Studie gebe Anlass weitere Vertuschungsaktionen nicht auszuschließen:

“Nach dem gegebenen Informationsstand kann nicht ausgeschlossen werden, dass Vertuschung bei der Aufarbeitung weiter eine Rolle spielt. Dass in der Vergangenheit vertuscht wurde, räumte Kardinal Reinhard Marx bei der Vorstellung der Studio gestern in Fulda bereits ein.”

Folgende Pole sollen demnach in der Talkshow gegenüber gestellt werden:

► Maischberger gebe dem Missbrauchsbevollmächtigten der Deutschen Bischofskonferenz Stephan Ackermann “die Möglichkeit, die Position der katholischen Kirche zur Aufklärung darzustellen”.

Denn der Opferverband kritisierte die Studie. Die tatsächliche Zahl der Menschen, die von Missbrauch betroffen sind, sei viel höher als die Studie suggeriere.

Auch auf die Probleme der Studie weist die Redaktion hin:

► “Die Forscher hatten keinen direkten Zugang zu Originalakten. Dreßing (Harald Dreßing, Leiter Forensische Psychiatrie am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Anm. der Redaktion) weist auf das enorme Dunkelfeld hin: Nur etwa die Hälfte der von der Bischofskonferenz entschädigten Fälle fänden sich in Personalakten, Akten fehlten oder seien unvollständig.”

Die Forscher erklärten zudem, dass in zwei Bistümern Akten sogar manipuliert worden sein sollen.

Laut Dreßing sei weiterhin ungeklärt, ob die katholische Kirche bereit sei, “sich die Missbrauchsproblematik umfassend von einer unabhängigen Kommission auch mit direktem Zugang zu allen Originalakten untersuchen zu lassen”.

Es sind also tatsächlich noch immer viele Fragen offen. Die einer Vertuschung gehört nicht dazu.

(mf)