POLITIK
22/11/2018 12:18 CET

"Maischberger": Sohn von Raser-Opfer wird emotional – Ex-Raser antwortet ihm

"Bei jedem neuen Detail kommt das Ganze wieder hoch."

ARD
Maximilian Warshitsky erzählt bei "Maischberger" über den Raser-Prozess.
  • Am Mittwochabend ging es bei “Maischberger” um Raser, Rüpel und Drängler auf Deutschlands Straßen.
  • Doch das brisante Thema des ARD-Polittalks wurde diesmal ohne Politiker diskutiert. Stattdessen sprach Sandra Maischberger mit einem Ex-Raser und dem Hinterbliebenen eines Opfers.

Im Januar 2017 hat ein Gericht Raser – erstmals in der deutschen Rechtsgeschichte – wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch das Urteil wurde aufgehoben.

Vor drei Tagen wurde der Prozess um die Ku’damm-Raser, deren illegales Straßenrennen einem Mann das Leben kostete, wieder aufgerollt.

Das nahm Sandra Maischberger zum Anlass, um über den Wahnsinn auf Deutschlands Straßen zu diskutieren.

Der Polittalk kam diesmal ohne Politiker aus. Stattdessen diskutierte die ARD-Moderatorin zu dem Thema “Raser, Rüpel, Drängler: Werden Autofahrer immer aggressiver?” mit einer Psychologin und einer Rechtsexpertin, sowie mit einem Polizisten und einem Ex-Raser.

Außerdem dabei: der Sohn des Opfers der Ku’damm-Raser, Maximilian Warshitsky.

Die Gäste bei Maischberger:

► Maximilian Warshitsky: Sohn eines Opfers eines illegalen Straßenrennens

► Gigi Deppe: ARD-Rechtsexpertin 

► Panagiota Petridou: TV-Moderatorin 

 Ute Hammer: Verkehrspsychologin

► Nico Klassen: Kfz-Mechaniker und ehemaliger Raser

► Stefan Pfeiffer: Verkehrspolizist

“Achterbahn der Gefühle”

Warshitsky ist direkt beteiligt an dem erneuten Prozess gegen die Raser. Bei “Maischberger” erzählt er von der “Achterbahn der Gefühle”, die er erlebe.

“Bei jeden neuen Details, bei jeder Kleinigkeit, wo ich die Fotos sehe, wo ich die Berichtserstattung wieder sehe, kommt das Ganze wieder hoch. Die ganzen Erinnerungen, die ganzen Gefühle. Das ist halt nicht irgendjemand, es betrifft meinen Vater, meine Familie”

Der Prozess schmerze und sei einfach nur sinnlos, sagte Warshitsky. Er ist davon überzeugt: “Es war Mord! Sie haben den Tod meines Vaters billigend in Kauf genommen.”

Die Angeklagten seien ihm beim Prozess “vollkommen gleichgültig” und “ignorant” vorgekommen. Bis heute habe sich keiner der Täter bei ihm entschuldigt.

Beide Täter seien nur auf ihren “Kick” aus gewesen und hätten dabei alles andere ausgeblendet, vermutet Warshitsky:

“Die Tat, das ist halt nicht normal. Bewusst über sieben Kilometer, über elf rote Ampeln fahren und über sämtliche Kreuzungen”. 

Warshitskys Appell: “Rote Ampeln sind nicht dazu da, um die Straßen zu beleuchten”, sie sind kein ‘Discolight’, sondern sie sind dazu da, dass Risiko von Verkehrsunfällen zu minimieren.”

Daraufhin fragte Maischberger nach, wie Warshitsky damals die Verkündigung des Urteils auf Mord aufgenommen habe und ob es ihn erleichtert hätte. Warshitsky entgegnete: “Kein bisschen.”

Es sei egal, ob die Tat als Mordfall oder Tötung gehandelt werde, der Tod seines Vaters könne nicht wieder ungeschehen gemacht werden. Für ihn persönlich werde das Geschehene dadurch nicht einfacher zu verarbeiten, sagte Warshitsky.

“Während der Fahrt gerät man in einen Rauschzustand”

Mit dem Ex-Raser Nico Klassen kam in der Sendung dann auch die andere Seite zu Wort. In den 90er-Jahren nahm Klassen selbst an illegalen Rennen teil. Auch ihn fragte Maischberger, ob er das Urteil auf Mord für richtig hält.

Klassen stellte klar, dass er dies nicht beurteilen könne, da er kein Richter sei. Dafür gab er einen Einblick in die Erlebniswelt der Raser:

“Ich weiß nur, dass man irgendwann, wenn du so ein Rennen fährst, in so eine Art Rauschzustand kommst. Das heißt, du blendest eigentlich alles aus, was um dich herum ist. Du siehst vielleicht deine zwanzig Meter vor deinem Auto”

Man achte nur noch darauf, erklärte Klassen, was der Kontrahent macht, und “das sei das Gefährliche”. “Der eine fährt über rot. Ich auch, weil ich gewinnen will”. Es gehe um Geld und Ehre, schilderte Klassen.

Maischberger hakte nach, ob das Urteil in der Raser-Szene angekommen sei. Der antwortete bestimmt: “Nein. Der Abschreckungseffekt ist überhaupt nicht da.” Selbst gesetzliche Verschärfungen hätten nichts gebracht.

Eine traurige Erkenntnis angesichts des Leides, die Angehörige wie Warshitsky erleben müssen.

(jg)