POLITIK
14/06/2018 09:07 CEST | Aktualisiert 14/06/2018 15:07 CEST

"Maischberger": Roth findet Kritik an Özil und Gündogan scheinheilig

"Langsam sollte es reichen."

  • Grünen-Politikerin Claudia Roth kritisierte im ARD-Talk “Maischberger” die WM-Vergabe nach Russland.
  • Hinter den anhaltenden Anfeindungen gegenüber Mesut Özil und Ilkay Gündogan vermutet sie Rassismus.
  • Ausschnitte aus der Sendung seht ihr im Video oben.

Claudia Roth kommt gleich zu Beginn in Fahrt: “Die Fußball-Weltmeisterschaft hätte nicht nach Russland vergeben werden dürfen.”

Die Grünen-Politikerin war am Mittwochabend die dominante Figur im ARD-Talk “Maischberger” – und kritisierte neben der WM-Vergabe auch die anhaltenden Hasstiraden gegenüber den deutschen Nationalspielern Mesut Özil und Ilkay Gündogan.

Neben Roth diskutierten die folgenden Gäste mit Moderatorin Sandra Maischberger zum Thema “WM in Russland: Stresstest für den Fußball?”:

Harald “Toni” Schumacher, ehemaliger Fußball-Nationaltorwart

Reinhold Beckmann, ARD-Sportmoderator

Fritz Pleitgen, Journalist und früherer Moskau-Korrespondent der ARD

Malene Lufen, TV-Moderatorin (Sat1)

Markus Merk, früherer FIFA-Schiedsrichter

Roth befürchtet Rassismus hinter der Kritik an Özil und Gündogan

Die Bundestags-Vizepräsidentin bekräftigte ihre Meinung, dass sie die Kritik am Treffen Özils und Gündogans mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, das Beckmann charmant als “Bockmist” bezeichnete, nach wie vor teile: “Ich fand es bescheuert, dass sie solche Fotos gemacht haben.”

Aber Roth sagte auch: “Langsam sollte es reichen – die beiden müssen sich auf das Sportliche konzentrieren können.” 

Sie vermutet teilweise “Rassismusgründe” für die Abneigung, die den beiden türkischstämmigen DFB-Kickern nun entgegenschlage. Dies sei “kein gutes Zeichen für das, was sich in unserem Land gerade abspielt.”

Die 63-Jährige brachte zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel ins Spiel: Auch die habe 2015 “Wahlkampfhilfe für Erdogan geleistet” – ein Vorwurf, der Özil und Gündogan aktuell gemacht wird. In Merkels Fall sei damals scheinbar “alles in Ordnung gewesen”, kritisierte Roth in der Talkrunde.

Ohnehin seien die Politiker, die nun auf die beiden Nationalspielern einschlagen würden, auch diejenigen, die “einen Flüchtlingsdeal mit Herrn Erdogan eingehen und Rüstungsgeschäfte abschließen”.

Die Grünen-Politikerin kritisiert die WM-Vergabe nach Russland

Zur am heutigen Donnerstag beginnenden Fußball-WM in Russland hatte Roth ebenfalls einiges zu sagen. 

Sie kritisierte die Vergabe: “Das Sportliche ist hier nicht von der politischen Dimension zu trennen.” Die von Ex-Moskau-Korrespondent Fritz Pleitgen aufgeworfene Frage, ob man eine Veranstaltung wie die Weltmeisterschaft “politisieren sollte”, könne sich im aktuellen Kontext nicht stellen.

Menschenrechte, Pressezensur, Agentengesetz, dazu das Verbot “homosexueller Propaganda” – Roths Kritikliste war lang. Sie selbst werde nicht nach Russland reisen: “Da habe ich keine Lust drauf.”

Die deutschen Politiker, die sich dafür entschieden, sollten vor Ort Gespräche mit der Opposition sowie nichtstaatlichen Akteuren suchen und dazu “auf freie Presseberichterstattung hinwirken.”

(ben)