POLITIK
28/06/2018 07:20 CEST | Aktualisiert 28/06/2018 11:16 CEST

"Asyltourismus": Seehofer erzürnt Maischberger mit AfD-Sprech

"Die CSU betreibt Wortvergiftung."

  • Innenminister Horst Seehofer hat sich im ARD-Talk “Maischberger” zum unionsinternen Asylstreit und der Zukunft der Regierungskoalition geäußert.
  • Dabei gebrauchte er das Wort “Asyltourismus” – woraufhin Moderatorin Sandra Maischberger den CSU-Chef zurecht wies.
  • Im Video oben seht ihr die Szene aus der Sendung.

“Das Spiel ist aus”, eröffnete Sandra Maischberger am Mittwochabend ihre Sendung. Damit meinte sie allerdings erstmal nur die deutsche Fußball-Nationalmannschaft – wie es denn mit der Bundesregierung weitergehe, hänge entscheidend von ihrem heutigen Gast ab.

Solorunde also für Horst Seehofer: Der Bundesinnenminister stellte sich im ARD-Talk “Maischberger” den Fragen der Moderatorin zum Thema “Schicksalstage für die Regierung: Was plant Horst Seehofer?”

Seehofer: “Sollte der europäische Weg scheitern, muss die CSU handeln”

“Ich wünsche mir wie kein anderer, dass eine europäische Lösung zustande kommt”, sagte der CSU-Vorsitzende in Bezug auf den Asylstreit um die Zurückweisung bereits in einem anderen EU-Land registrierter Migranten an der deutschen Grenze: “Glauben Sie mir, wenn Angela Merkel solch eine Lösung gelingt, bin ich hochzufrieden.”

Maischberger wollte ihn jedoch nicht so glimpflich davon kommen lassen und hakte wiederholt nach, warum Seehofer der Kanzlerin in ihrer aktuellen Situation nicht den Rücken stärke.

Der Minister entgegnete süffisant: “Wir haben schon auch herzliche Momente miteinander erlebt” – sollte Merkels europäischer Weg jedoch scheitern, müsse die CSU “schauen, wie es weiter geht.” Im Klartext: Ein Alleingang beim Grenzschutz wäre äußerst wahrscheinlich.

Innerhalb seiner Partei kenne er jedoch “niemanden, der die Kanzlerin stürzen will”, beteuerte Seehofer sogleich. 

Für ihn persönlich sei es jedoch ein “emotional schwieriger Moment” gewesen, als Merkel in Bezug auf die Asylfrage mit ihrer Richtlinienkompetenz gedroht habe.

Ohne seine CSU könne die aktuelle Bundesregierung schließlich “gar nicht bestehen.”

CSU-Chef kritisiert “Asyltourismus” – Maischberger greift ein

Seehofer bediente sich in dem einstündigen Gespräch allerdings auch strittigen Vokabulars: Dem “Asyltourismus” nach Deutschland müsse ein Ende bereitet werden, sagte er.

Eine Aussage, mit der in dieser Form auch schon sein Staatssekretär im Innenministerium, Stephan Mayer, sowie der bayerische Ministerpräsident Markus Söder für Aufsehen sorgten – und die AfD, die über eine Verschiebung der “Grenze des Sagbaren” frohlockte, erfreut haben.

Maischberger reagierte verwundert auf die Wortwahl: “Tourismus” sei in diesem Zusammenhang dann doch ein schwieriges Wort. Auf Seehofers Einwand, sie solle sich doch bitte nicht als “Sprachpolizei” gerieren, reagierte die ARD-Talkmasterin ebenso spitzzüngig: Die CSU betreibe in dieser Thematik doch auffallend häufig “Sprachvergiftung”.

Der ansonsten so debattierfreudige Parteichef steckte dann doch überraschend bereitwillig zurück: “Na gut, ich ziehe das Wort zurück.” Maischberger darauf: “Na das ging jetzt aber schnell.”  

(lm)