POLITIK
11/10/2018 06:24 CEST | Aktualisiert 11/10/2018 08:11 CEST

"Maischberger“: Beim Thema Flüchtlinge wird Kabarettist Priol böse

"Die Menschen mussten sich beschimpfen lassen."

ARD
Urban Priol

Drei Tage sind es noch, bis die Wähler in Bayern an die Urnen treten – und dem Freistaat nicht weniger als eine kleine Revolution bescheren könnten. Die CSU steht in Umfragen historisch schlecht da, zwischen 30 und 40 Prozent scheint derzeit jedes Ergebnis möglich.

► Von der angestrebten absoluten Mehrheit ist man meilenweit entfernt!

“Bayern wählt, Berlin zittert: Droht ein politisches Beben?“, fragte Sandra Maischberger in ihrer Talkshow am Mittwochabend.

Zu Gast:

► Robin Alexander (“Welt“-Korrespondent und Unionskenner)

► Urban Priol (Bayerischer Kabarettist)

► Joseph Hannesschläger (Bayerischer Schauspieler, “Rosenheim-Cops“)

► Claudia Jung (Schlagerstar, ehemals im Landtag für die Freien Wähler)

► Hans Rudolf Wöhrl (Unternehmer)

Viele traditionelle CSU-Gegner und ein Unterstützer

Maischberger war bemüht, einen Querschnitt durch die bayerische Gesellschaft zu ziehen. Mit Schauspieler Joseph Hannesschläger hatte sie ein echtes bayerisches Original geladen. Der Fernsehstar verriet allerdings: Er habe nie CSU gewählt, schon seine Münchener Familie sei immer für die SPD gewesen.

Der Mythos des Erfolgsmodells, das die CSU verkörpere, bröckele auch, findet der Fernseh-Kommissar. Er habe im vergangenen Jahr in einer Tafel mitgearbeitet. “Es ist erschreckend, zu sehen, wie viele da kommen. (...) Auch ganz normale Menschen und viele Rentner, die sich nicht mehr ernähren können.“

Auch Kabarettist Urban Priol machte keinen Hehl um seine Abneigung gegen die CSU. Er sei mit Franz-Josef Strauß großgeworden – gewählt habe er ihn aber nie. Aber Priol betonte: “Die Bayern sind leidensfähig.“ Dass die Christsozialen überhaupt noch über dreißig Prozent der Stimmen bekämen, zeige das.

Er gab dem ehemaligen CSU-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber in Teilen Recht, der gesagt hatte, die vielen Zugezogenen würden seiner Partei ein schlechtes Ergebnis bescheren, weil sie nichts über die Verdienste der CSU wüssten.

“Ich glaube schon, dass viele gerne in Bayern leben würden, aber nicht unbedingt...“, Priol imitierte jetzt mit einem wirren Silben-Kauderwelsch den bayerischen Dialekt. Die Menschen würden beim Zuzug nämlich keine “CSU-Wahlpflicht“ unterschreiben.

Dagegen hielt Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl. Er sehe gar keine Alternative zu Markus Söder. Die Protestwahl gegen die CSU empfindet er als gefährlich – vor allem für die Wirtschaft.

► Sein Tipp: Die Konservativen holen am Sonntag immerhin 38,2 Prozent.

Der große Streit: Das Flüchtlingsthema

Natürlich im Fokus der Diskussion: Der Kurs der CSU in der Flüchtlingskrise.

Der Journalist und Unionsexperte Robin Alexander analysierte treffend: “Bayern galt immer als das am besten verwaltete Land in Deutschland. (...) Und ich glaube das stimmt sogar.” 

ARD

 

In der Flüchtlingskrise habe man sich in der SPD den Witz erzählt: “Wenn die Balkanroute in NRW enden würde, dann wäre die Grenze in zwei Wochen dicht.” Bayern aber habe die Krise bewältigt – wegen einer herausragenden Verwaltung.

► “Die CSU hat die Flüchtlingspolitik politisch bekämpft, aber mit Ihrer Verwaltung erst möglich gemacht, dass niemand verhungert oder erfroren ist”, sagte Alexander.

Ganz anderer Meinung war Priol. 

► Die Flüchtlingskrise sei bewältigt worden, weil so viele Menschen sich ehrenamtlich engagiert hätten. “Die müssen sich jetzt in diesem Land auch als treue CSU-Wähler von der CSU beschimpfen lassen – als Semi-Schlepperhelfer. (...) Das hat vielen unglaublich vor den Kopf gestoßen.”

Ein Vorwurf, der schwer wiegt.

Auch Schauspieler Hannesschläger bestätigte die schlechte Außenwirkung der CSU. “Was kriege ich als einfacher Bürger mit?”, fragte er.

Trotz Wirtschaftsboom seien die Renten nicht sicher, alle Polizisten, die er kenne, müssten einen Nebenjob machen, es gebe einen Pflegenotstand. Die AfD gebe den Flüchtlingen die Schuld.

Und auch die CSU habe sich auf das Thema versteift: “Dann kommt der Seehofer und sagt die Migration ist die Mutter aller Probleme.”

► Als einfacher Mensch sei das kaum verständlich.

Die Prognose:

Eine detaillierte Wahlprognose lieferte zum Abschluss der “Welt”-Journalist Alexander.

Er glaubt: 

In Niederbayern und Franken werde die CSU viele Wähler verlieren, in Oberbayern weiter gute Ergebnisse und alle Mandate holen. Oberbayern: Das ist die Heimat von Ilse Aigner. Das würde Aigner – als Söder-Nachfolgerin gehandelt – natürlich weiter in den Fokus rücken,

Alexander führte weiter aus: CSU und Grüne könnten auch zusammen regieren, wenn beide sich bewegen.

► Im Bund würden die Grünen ohnehin bereits “mitregieren” – als “Stützrad der Regierung”.

(vw)