POLITIK
20/09/2018 10:26 CEST | Aktualisiert 20/09/2018 10:50 CEST

Schauspieler Jaenicke rechnet bei "Maischberger" mit Regierung ab

"Es gibt Dritte-Welt-Länder, die sind weiter als wir."

Hannes Jaenicke wütet in der ARD-Sendung "Maischberger" gegen die Plastik-Lobby.
  • Ganz Deutschland schaut auf die GroKo-Krise. Bei “Maischberger” drehte sich am Mittwochabend dagegen alles um ein globales Problem: Die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll.
  • Für Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke handelt es sich um “die Pest des 21. Jahrhunderts”. 

Das ganze Land richtet dieser Tage ihren Blick auf das politische Geschehen in Berlin: Die Menschen beobachten ungläubig die “Quasi-Beförderung” des scheidenden Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen.

Doch bei “Maischberger” drehte sich am Mittwochabend alles um ein globales Problem. Die ARD-Moderatorin Sandra Maischberger diskutierte mit ihren Gästen über das Thema “Der Plastikfluch: billig, praktisch, gefährlich”.

Ein Thema, das Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke regelrecht in Rage versetzte.

Die Gäste bei “Maischberger”:

Ursula Heinen-Esser (52, CDU): NRW-Umweltministerin

Hannes Jaenicke (58): Schauspieler und Umweltaktivist

Ranga Yogeshwar (59): ARD-Moderator und Wissenschaftsredakteur

Rüdiger Baunemann (57): Cheflobbyist bei PlasticsEurope Deutschland e.V.

Kerstin Etzenbach-Effers: Verbraucherschützerin

Prof. Dr. Gilbert Schönfelder (50): Mediziner und Toxikologe

Die Pest des 21. Jahrhunderts

Zu Beginn der Sendung hält Sandra Maischberger fest: Jeder Deutsche wirft pro Jahr 38 Kilogramm Verpackungen auf den Müll. Hochgerechnet sind das jährlich 3,1 Millionen Tonnen, die in Deutschland anfallen.

Zwar gebe es Recycling-Systeme, doch die Moderatoren stellt die Frage: “Warum begegnet uns der Mist dann immer wieder in Flüssen oder an unseren Urlaubsstränden?”

Maischberger zeigt erschütterndr Bilder von riesige Müllmassen, gegen die Umweltschützer an Stränden zu kämpfen haben.

Der Einspieler zeigt auch den Schauspieler Hannes Jaenicke an einem mit Müll übersäten Strand in Kroatien. Während seine Begleiter Müll sammeln, schießt es aus Jaenicke heraus:

“Man kann nur sagen, der Mensch ist eine dumme Sau! Es ist zum Heulen!”

Dann merkt Maischberger an, dass es laut einer Studie 2050 mehr Plastik als Fische in den Meeren geben wird. Eine Wahnsinnszahl.

Der Umweltaktivist Jaenicke empört sich: “Die fressen das auch, weil es nichts anderes mehr gibt.”

In manchen Gebieten würde “sechs Mal soviel Mikroplastik, wie Plankton herum schwimmen. Da bleibe den Meerestieren irgendwann nichts anderes mehr übrig, als genau diese Plastikpartikel zu essen”, erklärte er.

Für Jaenicke stellt Plastik “die Pest des 21. Jahrhunderts” dar.

Auch der Wissenschafts-Moderator Ranga Yogeshwar bestätigt die Missstände. Er erzählt von Schildkröten, die Plastiktüten fressen, weil sie diese mit Quallen verwechseln. Daran ersticken die Tiere dann, laut dem “Quarks”-Moderator.

ARD

Weil der Kunststoff zum Teil 500 Jahre brauche, bis er abgebaut wird, würden wir “Sünden anhäufen”. Und langsam würden wir merken, dass sich das recht: “Wenn ich einen Fisch esse, bin ich mir sicher, da ist Plastik drin”

Nestlé, Unilever und Co.

Jaenicke klagt die großen Einzelhändler an. Nestlé, Unilever und Co. wären für das Plastik verantwortlich, das verboten gehöre

“Wofür brauchen wir Plastikbesteck, wofür brauchen wir Einwegbesteck, wofür brauchen wir Einweggeschirr? Solcher Quatsch gehört verboten” sagte Jaenicke sichtlich empört.

Später in der Sendung konstatiert er:

“Wir leben in einer Lobbykratie, die wir Demokratie nennen.” 

Offensichtlich seien die Lobbys so mächtig, d”ass eine Frau Merkel es nicht schafft”, sich gegen diesen Lobbyismus durchzusetzen, sagt der Schauspieler.

Plädoyer für Plastikverbot

Sowohl Jaenicke als auch Yogeshwar nehmen die Politik in die Pflicht. Sie sind sich einig, dass eine Plastiksteuer oder gar ein Verbot hermüsse. Die Industrie könne die Verantwortung nicht allein auf den Verbraucher abwälzen.  

“Es gibt Dritte-Welt-Länder, die sind weiter als wir”, sagt Jaenicke mit Verweis auf Kenia, wo es bereits ein Verbot von Plastiktüten gibt.

Yogeshwar hält fest, dass Plasitk zwar ein wunderbarer Werkstoff sei, wir aber die Betriebsanleitung nicht gelesen hätten.

 “Wir kumulieren Sünden”, sagte Yogeshwar und verwies auf Bangladesch, wo es mittlerweile auch ein Plastiktüten-Verbot gebe. Dies sei eingeführt worden, weil durch den Monsungregen Plastiktüten die Kanäle verstopft hätten.

Der Moderator fragt alarmiert:

“Brauchen wir in Deutschland einen Monsun, bis wir irgendwann merken gewisse Sachen, die braucht man nicht?