POLITIK
05/07/2018 06:50 CEST | Aktualisiert 05/07/2018 11:31 CEST

"Maischberger": Als es um Seehofer geht, sagt CSU-Frau entlarvenden Satz

Ilse Aigner war selbst von der brachialen Art des Innenministers überrascht.

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Die bayerische Vize-Ministerpräsidentin war bei "Maischberger" per Video vom Tegernsee zugeschaltet.
  • Bei “Maischberger” geht es am Mittwoch um den Asylkompromiss und die unwürdige Art, wie dieser zustande kam. 
  • Hauptthema der Diskussion ist das Verhalten von Innenminister Horst Seehofer – ein Verhalten, das CSU-Frau Ilse Aigner mit einem vielsagenden Satz kommentiert. 

Es ist eine müde Runde, die in der ARD bei “Maischberger” den Streit zwischen Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) sowie deren Asylkompromiss diskutiert. 

Den Gästen ist anzumerken, dass die vergangenen Wochen Kraft gekostet haben – die Politik, den Journalismus, das Land. 

Die Sendung wird so nahezu zum Gegenentwurf zu dem, was die Bundesrepublik in den vergangenen Wochen ertragen musste: Statt einen unwürdigen Schlagabtausch bekommen die Zuschauer eine (fast zu) ruhige Debatte zu sehen. 

Eine, in der es vor allem um Bundesinnenminister Seehofer geht. 

“Maischberger” wird zum gnädigen Seehofer-Tribunal

Da ist der Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der sich ein bisschen beschämt für den Stil im Asylstreit entschuldigt und erzählt, wie dieser selbst im heimischen Supermarkt die Kunden an der Kasse vor und hinter ihm beschäftigt habe. 

Da ist der Berliner SPD-Bürgermeister Michael Müller, der zwar Seehofer Rechtspopulismus und ein gefährliches Spiel mit Europa vorwirft, aber auch nicht zu wild kritisieren mag – schließlich ist es ja seine Partei, die nun eine Haltung in der von der Union vorgeschlagenen Asylpolitik entwickeln muss. 

Mehr zum Thema: Warum die SPD im Asylstreit nur verlieren kann

Da sind die Journalisten Nikolaus Blome und Ferdos Forudastan:

► “Bild”-Vize Blome bemängelt das vergiftete Klima in der Union, kritisiert auch die regierungsgefährdende Eskalationstaktik der CSU, glaubt aber, dass der Asylkompromiss praktikabel ist. 

► “SZ”-Innenpolitikchefin Forudastan wird da deutlicher. Sie wirft Seehofer vor, dass es ihm nicht um die Sache, sondern um Macht gegangen sei. Die Journalistin kritisiert auch, dass der Asylstreit die Bürger ver- und abgeschreckt habe – und den Umfragen nach viele der AfD zutrieb. 

Und da ist Ilse Aigner

Die CSU-Politikerin hat in der Sendung eine Sonderrolle. Nicht nur, weil sie per Video vom Tegernsee zugeschaltet ist, sondern vor allem, weil sie ihren Chef Horst Seehofer verteidigen soll. 

Das tut Aigner gewissenhaft – und mit einem Satz, der entlarvend für das Politikverständnis des Bundesinnenministers ist. 

Aigner über Seehofer: “Jeder hat seinen Politikstil” 

“Waren Sie überrascht, dass Horst Seehofer seinen Rücktritt angeboten hat”, will Moderatorin Sandra Maischberger von der stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidentin gleich zu Beginn wissen. 

Diese gibt zu: “Ja, ich war überrascht, ich glaube, jeder war überrascht. Aber Horst Seehofer ist eigentlich immer für eine Überraschung gut.” 

Sie sei froh, dass das Wochenende nun so ausgegangen sei, wie es eben ausgegangen sei – mit dem Asylkompromiss. 

Maischberger hakt nach. Sie verweist auf die Sendung vor einer Woche, in der ihr Seehofer gesagt habe, es gehe ihm um seine persönliche Glaubwürdigkeit. Danach sei dann das Hin und Her um seinen Rücktritt gekommen. 

“Glauben Sie nicht, dass das der Glaubwürdigkeit geschadet hat?”, fragt die Moderatorin. 

► Aigner blockt ab.

Es sei Seehofer um die Sache gegangen, sein Amt sei ihm da nicht so wichtig gewesen. “Das war mit Sicherheit ein zweischneidiges Schwert”, sagt die CSU-Politikerin. “Aber es ist am Schluss herausgekommen, was wir uns erhofft haben: ein praktikabler Kompromiss.” 

Mehr zum Thema: Merkel erklärt in Interview, warum Horst Seehofer noch Innenminister ist

Maischberger lässt jedoch nicht locker. Sie wiederholt ihre Frage einfach. Mit Erfolg – denn die nächsten Aussagen Aigners offenbaren viel über Seehofer. 

“Horst Seehofer pokert immer sehr, sehr direkt und hoch”, sagt die CSU-Politikerin schmunzelnd. “Das ist seine Art von Politik.” 

► Aber Seehofer habe sich eben auch durchgesetzt, sagt Aigner.

Es folgt ein entlarvender Satz: “Jeder hat seinen Politikstil, aber er war in diesem Fall auch erfolgreich.” 

Heißt: Der Zweck heiligt die Mittel. 

Dass Seehofer sein Amt und das der Kanzlerin riskierte, dass er den Zusammenhalt der Union aufs Spiel setzte, den Fortbestand der Regierung, ja sogar die gemeinsame Zukunft der EU – alles egal. 

Weil am Ende ja noch einmal alles gut ausgegangen ist. 

► Doch was, wenn das nicht geklappt hätte? 

Diese Frage wird bei “Maischberger” nicht beantwortet. 

(sk)