POLITIK
21/06/2018 08:32 CEST | Aktualisiert 21/06/2018 14:44 CEST

"Maischberger": CSU-Mann lobt Asyl-Plan – und macht dazu peinliches Geständnis

"Sie zerlegen eine Regierung mit einem Papier, das Sie nicht mal kennen?"

  • CSU-Generalsekretär Blume hat bei “Maischberger” Seehofers Asyl-Masterplan gelobt – und zugleich zugeben, ihn nie gelesen zu haben.
  • Das empörte Grünen-Chef Habeck, der von einer “Bananenrepublik” sprach.
  • Im Video oben seht ihr die Szene aus der Sendung.

“Der Countdown läuft – die Kanzlerin rennt”: Gastgeberin Sandra Maischberger hat den ARD-Talkabend gleich mit dramatischen Worten eingeleitet.

“Die CSU könnte Frau Merkel stürzen”, heizte der anwesende TV-Journalist Rolf-Dieter Krause die Diskussion an – kritisierte aber zugleich den Stil der bayerischen Lokalpartei.   

“Merkel gegen Seehofer – Endspiel für die Kanzlerin?” lautete am Mittwochabend das Thema bei “Maischberger”.

Zu Gast bei “Maischberger” waren:

  • Markus Blume, CSU-Generalsekretär
  • Elmar Brok, CDU-Europapolitiker
  • Robert Habeck, Parteivorsitzender der Grünen
  • Melanie Amann, “Spiegel”-Journalistin
  • Gabor Steingart, Autor
  • Rolf-Dieter Krause, ehemaliger Leiter des ARD-Studios Brüssel

CSU-Generalsekretär Blume kennt Seehofers Masterplan nicht

Horst Seehofer sei ein Innenminister, der “seine Aufgabe in diesem Land erkennt und sie sehr ernst nimmt”, lobte CSU-Generalsekretär Markus Blume seinen Parteichef gleich zu Beginn der Sendung.

Dies schlage sich nicht zuletzt in dem von seinem Parteivorsitzenden ausgearbeiteten, 63 Punkte umfassenden “Masterplan Migration” nieder.

Als Maischberger dann allerdings nach Details fragte, geriet Blume ins Straucheln: “Ich muss zugeben, dass ich das Schriftstück nie selbst in den Händen gehalten habe.”

Dieses Geständnis rief Grünen-Chef Robert Habeck auf den Plan: “Sie zerlegen eine Regierung mit einem Papier, das sie nicht mal kennen?”, empört er sich mit Blick auf den unionsinternen Asylstreit.

Habeck nerve es, dass nach wie vor niemand so wirklich etwas über Seehofers Pamphlet wisse. Der Grüne schimpfte: “Wenn solch ein Papier keinen Status hat, dann ist das Bananenrepublik.” Dieser Vorgang schade dem Vertrauen in die Politik immens.

TV-Journalist Krause wirft der CSU “provinzielles Denken” vor

Blume versuchte derweil souverän zu bleiben – und arbeitete sich lieber an der Kanzlerin ab: Angela Merkel müsse nun zeigen, dass hinter ihrer berühmt-berüchtigten Aussage “Wir schaffen das” auch etwas stehe, forderte der 43-Jährige.

Ansonsten müssten die rein nationalen Grenzpläne des Innenministers die aus seiner Sicht benötigte Asylwende herbeiführen.

Ex-ARD-Studioleiter Krause warf der CSU in diesem Zuge vor, “provinziell” zu denken: “Der Nabel der Partei ist nur in Bayern, das ist nicht mehr zeitgemäß.” 

Blume schüttelte den Kopf und wies auf die “Bewegung in Europa” hin, die nun durch seine Partei entstanden sei. “Die hat es auch schon vorher gegeben”, wandte Krause sogleich ein – man müsse nur hinschauen.

Screenshot
"Die Welt ist komplexer, als Sie es darstellen": TV-Journalist Rolf-Dieter Krause (rechts) warf der CSU "provinzielles Denken" vor.

“Deutschland steht nicht so sehr am Abgrund, wie Sie es uns verkaufen wollen”

“Deutschland steht nicht so sehr am Abgrund, wie es die CSU uns verkaufen will”, sprang ihm “Spiegel”-Journalistin Melanie Amann zur Seite.

Auch die Welt in ihrer Gesamtheit sei “komplexer” als von den Christsozialen dargestellt, bemerkte Krause am Schluss.

(mf)