POLITIK
06/12/2018 08:44 CET | Aktualisiert 06/12/2018 12:03 CET

"Maischberger": Urgestein Blüm wettert gegen Schäubles CDU-Philosophie

"Bisher habe ich ihn nur hinter den Kulissen raunen gesehen – und Strippen ziehen."

ARD
Der ehemalige CDU-Arbeitsminister Norbert Blüm zu Gast bei "Maischberger".
  • Endspurt im Wahlkampf um den CDU-Parteivorsitz: “Maischberger” diskutierte am Mittwochabend mit Journalisten und Politikern über die Kandidaten.
  • Norbert Blüm kritisierte Wolfgang Schäubles Vorgehen im Kampf um die Merkel-Nachfolge.

Endspurt im Kampf um den CDU-Parteivorsitz: Am Freitag müssen sich 1001 CDU-Delegierte festlegen, wer nach Angela Merkel den Parteivorsitz übernehmen soll. Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer oder vielleicht doch Jens Spahn?

Doch auf den letzten Metern rumort es in der CDU. Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat Schäuble für dessen öffentliche Unterstützung des Kandidaten Friedrich Merz kritisiert. Nachdem Schäuble nun “den Damm gebrochen hat”, wie Altmaier sagt, könne auch er sich offen für Annegret Kramp-Karrenbauer aussprechen.

Auch bei Sandra Maischberger ging es um den Machtkampf, um die zukünftige Ausrichtung der CDU und die Frage, wer welchen Kandidaten unterstützt.

Das Thema: Der Dreikampf des Jahres: Wer übernimmt Merkels Thron?

Geladen hatte die ARD-Moderatorin neben CDU-Urgestein Norbert Blüm auch die ehemalige Familienministerin Kristina Schröder (CDU).

Während Blüm seit Wochen offen für Kramp-Karrenbauer Wahlkampf macht, wollte Schröder zwar keinen Namen nennen. Aber dass sie sich “dem liberal-konservativen Flügel zuordne”, das sei “ganz klar”.

Die Gäste bei “Maischberger”:

► Norbert Blüm, CDU (ehem. Bundesarbeitsminister)

► Kristina Schröder, CDU (ehem. Bundesfamilienministerin)

► Gabor Steingart (Journalist und Autor)

► Melanie Amann (“Spiegel”-Redakteurin)

► Werner Patzelt (Politikwissenschaftler)

Blüm kritisiert Schäubles Philosophie

Blüm hingegen bekannte sich offen zu “AKK”. Nur sie könnte die Partei zusammenzuhalten, findet der frühere Bundesarbeitsminister. Sie habe eine “hohe Integrationskraft”, die er den anderen nicht zutraue.

Ihren Kontrahenten Merz kritisierte er dagegen erneut, wegen seiner Nähe zur Wirtschaft. Zuvor hatte Blüm gesagt, er sei “Aufsichtsrat eines Finanzmonstrums”, “das mit Billionen die Politik an der Nase herumführt“. 

Am Mittwoch wetterte Blüm gegen Merz’ Pläne, eine Altersvorsorge über Aktien steuerlich zu begünstigen. Dies sei “fast eine Unverfrorenheit”, so Blüm. 

Auch zur Kritik an Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, der sich auf den letzten Metern doch noch offen für Merz ausgesprochen hatte, holte Blüm aus:

“Ich finde es gut, dass Wolfgang Schäuble das Visier runtergelassen hat. Bisher habe ich ihn nur hinter den Kulissen raunen gesehen – und Strippen ziehen. Das find ich eigentlich... Das ist nicht so mein Geschmack.”

Er habe es darüberhinaus nicht so geschätzt, dass Schäuble “so philosophische Worte gesprochen” habe. “Jedes menschliche System geht zu Ende” – ein Spruch der von Platon stammen könnte, wie Blüm anmerkt.

Damit habe Schäuble eigentlich das “System Merkel” gemeint, denn die Kanzlerin hat in den 18 Jahren als Parteivorsitzende vor allem sozialpolitische Akzente gesetzt. 

Schäuble hätte einfach zu lange “hinter den Kulissen” agiert und Friedrich Merz in Stellung gebracht.

Kanzlerduell: Steingart favorisiert Merz

Der Journalist und ehemalige “Handelsblatt”-Herausgeber Gabor Steingart erklärte, warum der Bundestagspräsident so gehandelt habe. Schäuble habe den Blick bereits auf das nächst höhere Amt gerichtet.

Denn: “Die CDU ist wahrscheinlich die letzte übriggebliebene Kanzler-fähige Partei”, sagte Steingart. Schäuble wolle daher das “Augenmerk der Delegierten auf die nächst größere Aufgabe” richten.

Wie Schäuble hält auch Steingart Merz für einen aussichtsreicheren Kanzlerkandidaten als Kramp-Karrenbauer.

Über den dritten Kandidaten, Jens Spahn, sprach in der Runde niemand. Aus dem im Titel der Sendung versprochenen “Dreikampf” machten Maischbergers Gäste so ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ein Rennen, so die einhellige Meinung der Talk-Gäste, das noch längst nicht entschieden ist.

(lp/ben)