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14/01/2018 09:44 CET | Aktualisiert 14/01/2018 11:06 CET

Chefärztin: Das ist die Gemeinsamkeit in der Persönlichkeit von Magersüchtigen

Bei 16,8 Prozent der Betroffenen verläuft eine Essstörung tödlich.

  • Die Zahl der Menschen, die unter einer Essstörung leiden, nimmt in Deutschland immer weiter zu

  • Am häufigsten trifft dabei Magersucht auf – und führt oft sogar bis hin zum Tod

  • Im Video oben schildert Chefärztin Silke Naab, welche Gemeinsamkeit von Magersüchtigen ausschlaggebend für die Krankheit sein kann

Magersucht ist die am weitesten verbreitete Essstörung in Deutschland. Die Anzahl der Betroffenen stieg in den vergangenen Jahren immer weiter an. 

Vergleicht man beispielsweise die Zahlen der Magersüchtigen aus dem Jahr 2006 mit denen im Jahr 2016, so erkennt man einen Anstieg von rund 14 Prozent bei den Frauen und fünf Prozent bei den Männern. Das analysierte unter anderem die Kaufmännische Krankenkasse Ende vergangenen Jahres.

Das sind Zahlen, die alarmieren. Dabei vermuten viele, dass die Dunkelziffer noch viel höher sei. Nach Angaben der Ärztekammer Niedersachsen verläuft eine Essstörung bei 16,8 Prozent der Betroffenen tödlich. Magersucht gilt als tödlichste psychische Krankheit. 

Daher stellt sich die Frage, was es ist, das immer mehr Menschen – insbesondere jugendliche Frauen – in die Anorexie treibt. Gibt es so etwas wie eine Gemeinsamkeit unter den Erkrankten? Ist es das Ziel, dem Schönheitsideal nachzueifern, das Models wie Kendall Jenner, Gigi Hadid und Co. vorleben?

Die meisten Essstörungen entstehen in der Pubertät

“Die Verursachung der Essstörung hat viele Gründe”, sagt Silke Naab, Chefärztin an der Schön Klinik Roseneck in Bayern.

Seit 21 Jahren ist sie in der Fachklinik für psychosomatische Erkrankungen als Therapeutin tätig und leitet dort als Chefärztin die Jugendabteilung. Die meisten Essstörungen entstünden in der Pubertät, sagt Naab. Sie bezeichnet dieses Alter als “vulnerable Phase”, da sich zu dieser Zeit sowohl körperlich als auch hormonell vieles verändert und so Unsicherheiten auftreten, die im Zusammenspiel mit dem Umfeld, der Psyche, aber auch Genetik der Personen bis hin zu einer Essstörung führen können.

Auch wenn eine Essstörung durch ein “ein Potpourri an Faktoren” ausgelöst werden könne, so gebe es durchaus Gemeinsamkeiten in der Persönlichkeit von Menschen mit Magersucht.

Magersüchtige sind meist Perfektionisten

“Magersüchtige sind in der Regel Personen, die sehr selbstkritisch und perfektionistisch gegenüber sich selbst sind. Diese Menschen sind innerlich unsicher und reagieren sehr genau auf ihr Umfeld, auch wenn dieses Umfeld das meist nicht bemerkt.”

Dabei könne der Einfluss der sozialen Medien oder des Schönheitsideals, das beispielsweise von Sendungen wie “Germany’s Next Topmodel” oder Modemagazinen propagiert wird, durchaus eine Rolle spielen. Dieser Einfluss allein würde allerdings noch keine Essstörung auslösen, sagt die Expertin. 

Es ist es wichtig, Essstörungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Allerdings ist es oft schwierig für Freunde und Familie, die Krankheit zu erkennen.

Warnzeichen für mögliche Essstörungen

Silke Naab erklärt, wie wichtig es ist, Personen direkt auf das Thema anzusprechen, wenn man Sorge hat, dass ihr Essverhalten entgleitet. Auch wenn sich das Gegenüber vielleicht zuerst vor den Kopf gestoßen oder irritiert fühlt. “Dennoch ist alles besser, als zu schweigen und erste Anzeichen zu übergehen.”

Neben plötzlichem starken Gewichtsverlust können diese ersten Anzeichen darin bestehen, dass Personen, die sonst meist umkompliziert im Umgang waren, in ihrem Verhalten verändert auftreten. Oft sind Betroffene plötzlich ruhiger und zurückgezogener und verlieren mehr und mehr das Interesse am zusammensein.

Zeigen sich zudem Veränderungen im Essverhalten und vermeidet die Person zunehmend, in der Gemeinschaft Nahrung zu sich zu nehmen, sollte man seine Sorge offen ansprechen und dem Betroffenen Hilfe anbieten. 

Falls ihr oder Menschen aus eurem Umfeld an einer möglichen Essstörung leiden solltet, bietet beispielsweise die Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für Betroffene und Angehörige

Außerdem findet ihr auf der Seite des Bundes Fachverbandes für Essstörungen ein Adressverzeichnis für mögliche Kliniken und Krisendienste

(jds)