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23/02/2018 15:49 CET | Aktualisiert 23/02/2018 18:24 CET

Die Grünen attackieren Bayer: Iberogast könnte schwere Nebenwirkungen haben

“Das ist ein Skandal“, sagt Grünen-Politikerin Schulz-Asche.

  • Das beliebte Magenmittel “Iberogast” könnte Nebenwirkungen haben, die der Hersteller Bayer nicht angegeben hat
  • Die Forderung nach Warnhinweisen liegt seit 2005 vor Gericht, während sie in der Schweiz schon Vorschrift sind 
  • Dass man Nebenwirkungen nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte, zeigt die Geschichte der jungen Frau im Video oben

Bei Magenbeschwerden “Iberogast”, heißt es. Viele Deutsche greifen auf das freiverkäufliche Mittel des Pharmakonzerns Bayer zu, wenn sie Probleme mit der Verdauung oder Bauchschmerzen haben.

► Vergangenes Jahr machten Apotheken mit dem Medikament einen Umsatz von mehr als 120 Millionen Euro.

Doch ob das Mittel immer halten kann, was es verspricht, ist fraglich, wie Diskussionen im Bundestag nun zeigen:

► Bayer soll nämlich Warnhinweise der Pharmazulassungsbehörde vor möglichen schwerwiegenden Leberschädigungen nicht ausreichend berücksichtigen. 

Die grüne Opposition im Bundestag spricht von einem Skandal.

“Iberogast”: In der Schweiz werden Warnhinweise verlangt

In der Schweiz verlangt die Arzneimittelbehörde “Swissmedic” bereits seit Januar Warnhinweise auf der Packungsbeilage. In Deutschland versucht das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte dasselbe – bisher ohne Erfolg.

► Die Forderung nach besagten Warnhinweisen liegt seit 2005 vor Gericht. Deshalb will die Behörde im Moment dazu keine Äu­ße­rungen machen.

►Wie die Bundesregierung die Gesundheitsgefahren beurteilt, wollte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Kordula Schulz-Asche nun in einer schriftlichen Anfrage wissen.

Die Antworten waren ernüchternd: Auf die Frage, ob die Bundesregierung die derzeitige Zulassung von “Iberogast” gegenüber Patienten verantworten könne, antwortete Ingrid Fischbach (CDU), parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit: “Derzeit wird ein weiteres Inverkehrbringen von Iberogast im Hinblick auf die Arzneimittelsicherheit nicht als unvertretbar angesehen.“

Das überraschte die Oppositionspolitikerin Schulz-Asche. Denn in einer wenige Tage zuvor zugestellten Antwort Fischbachs hatte es geheißen, dass die “Wirksamkeits-Risiko-Relation für Iberogast weiter als positiv erachtet werde“, solange die 2008 angeordneten Textergänzungen im Beipackzettel erscheinen würden – doch das ist bis heute nicht geschehen.

Schulz-Asche: “Das ist ein Skandal“

Für die Grünen-Politikerin ist das ein Zustand, der “unvertretbar” sei. Ihrer Meinung nach dürfe “Iberogast” nicht von Schwangeren und Stillenden eingenommen werden.

► Diese werden aber – anders als in der Schweiz – weder in der Packungsbeilage, noch auch auf der Internetseite vor möglichen Nebenwirkungen gewarnt.

► Die Regierung präsentierte eine gegenteilige Meinung: “Iberogast” sei während der Schwangerschaft sogar “gut verträglich“, da es sich um ein “rein pflanzliches Arzneimittel“ handele, heißt es in der Antwort von Fischbach.

“Das ist ein Skandal“, sagt Schulz-Asche.

Politiker fordern mehr Transparenz

Der Hersteller müsse offen und transparent informieren. Doch stattdessen fahre Bayer Werbekampagnen, die “völlige Unbedenklichkeit suggerieren“.

Dank massiver TV-Werbung konnten die Abverkäufe von “Iberogast” nach Zahlen von “Insight Health” im vergangenen Jahr gesteigert werden – um sieben Prozent auf 102 Millionen Euro und um 26 Prozent auf 20 Millionen Euro im Versandhandel.

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(lm)